Wohnen, wo andere Urlaub machen …

Fünfeinhalb Monate? Ernsthaft jetzt? Sorry, ja. Hat mal wieder ein wenig länger gedauert, bis ich mich zu einem neuen Beitrag durchringen konnte. Nicht, weil hier rein garnix passiert wäre, sondern weil mir schlicht die Motivation fehlte, mich hier schreiberisch zu betätigen. 

Zugegeben, für sich genommen war das letzte halbe Jahr nicht von all zu viel Aktivität von unserer Seite geprägt. Wir sind ein bischen im Land rumgefahren / -geflogen, und haben das damit verbunden, uns Häuser an der Küste anzusehen.  Im Verlauf der letzten zweieinhalb Jahre haben wir nämlich festgestellt, daß unser Haus zwar cool, komfortabel und pflegeleicht ist, die vor dem Haus verlaufende Hauptstraße uns auf Dauer aber mehr und mehr nervt.

Neulich habe ich mir morgens um 7h00 den Spaß gegönnt, und mal für sechs Minuten die durchfahrenden Autos gezählt: 161 PKW, 6 Busse und ein knappes Dutzend Motorräder. Selbst wenn man das konservativ hochrechnet, kommt man auf 15.000 Fahrzeuge pro Tag, die hier auf- und abfahren. Und das bei einfachverglasten Fenstern (die allerdings eh die meiste Zeit offen sind) 🙄

Man kann auch hierzulande zwar Schüko-Fenster mit Doppel-/Dreifach-Verglasung für horrendes Geld erstehen, um die Geräuschkulisse in den Griff zu kriegen, aber ehrlich gesagt kam bei uns auch der Wunsch auf, der Aussicht vom Balkon etwas mehr „Weitsicht“ zu verleihen und das bevorzugt mit einem Wohnort mit Meerblick zu verbinden. Irgendwie konkretisiert wurde diese ganze Chose dann durch mein „versehentliches Stöbern“ in verschiedenen Immobilienportalen, bei dem mir u.a. das hier über den Weg lief:

Garden Avenue, Uvongo. Bischen eigenwilliger Bau, aber gefiel mir gut

Nicht übermäßig groß, auf brauchbarem Grundstück in dritter Reihe vorm Strand, mit Doppelgarage und Pool, netter 180°-Meerblick vom Balkon des Hauptschlafzimmers … Bevor wir das auch nur besichtigen konnten, war es allerdings auch schon verkauft. Aber der Jagdinstinkt war geweckt.

Von Ende September bis Mitte November waren wir in etlichen Orten an der South Coast, da wo wir 2022/23 schon einmal gesucht, aber nicht wirklich was passendes gefunden hatten, und haben im Verlauf der Wochen diverse Objekte zwischen Port Edwards und Elysium besichtigt, und nach diversen Fehlversuchen (zu klein, keine Garage oder kein Pool oder keine Garage UND kein Pool, zu abgelegen in einem total verpennten 180-Einwohner-Dorf ohne auch nur die Spur jedweder Infrastruktur und einem Altersdurchschnitt von vermutlich über 70, oder richtig geil [und vergleichsweise saubillig], aber nur über eine „dirt-road“ mit 15% Steigung hoch oben auf dem Berg erreichbar und somit bei Regen nicht Cabrio-tauglich, oder aber in genialer Lage direkt am Strand, inclusive 10.000L Wassertanks und 18KWp Solar mit Inverter

Port Edward
50 Meter bis zum eigenen Sandstrand, geil

 und Batterien fast komplett offgrid, aber leider mit einem quitschigen Sumpf als Rasenfläche, und so weiter) unsere Suche im Verlauf der nächsten Wochen bis nach Port Elisabeth ausgedehnt. 

Tausend Kilometer von hier entfernt und nicht mehr an der South-, sondern an der Wildcoast, aber dort haben wir dann in Seaview tatsächlich ein Haus gefunden, mit dem wir uns beide auf Anhieb anfreunden konnten:

Fünf Schlafzimmer, drei Garagen,  255m² WFL auf knapp 1000m² Grundstück in einem 400 Einwohner-Kaff 15 Minuten Fahrzeit außerhalb von P.E., mit direkter Sicht bis zum 250m entfernten (Fels-) Strand und auf der Rückseite Buschland bis zu den Bergen, allerdings ohne Pool. Der Preis war immerhin soweit verhandelbar, daß ich das notfalls in Kauf genommen und ggf. einen nachgerüstet hätte.

Seaview, Port Elisabeth

Also haben wir einen Termin mit dem Makler gemacht, sind hin geflogen um es zu besichtigen, und waren abends nach der Beratung in unserem B&B eigentlich schon soweit, daß wir das abnicken wollten,  nur um dann mitgeteilt zu bekommen, daß wir leider einen Tag zu langsam waren und bereits ein Angebot (angeblich vom Tag unserer Besichtigung) vorläge, das vom Verkäufer bereits akzeptiert worden sei. 2000Km umsonst verflogen. 🤬

Nur gut, daß wir nicht, wie ursprünglich geplant, mit dem A5 hingefahren waren und dafür vier Tage lang auf der N2 rumeiern mußten, das hätte mich zweifellos noch mehr gefuchst. Lou war auch so stinksauer ob dieses Gebarens.

Der Strand drei Kilometer weiter war, zugegebenermaßen, vom allerfeinsten:

Maitland Beach. Feinster Sand und Dünen, soweit das Auge reicht …

Anekdote am Rande: Zwei Monate später tauchte genau diese Region mit der Abzweigung von P.E. nach Seaview in den Nachrichten auf, weil das ganze Areal von heftigsten Buschbränden heimgesucht wurde. Also wer weiß, wofür’s gut war. Womöglich ist die ganze Gegend ja mit abgefackelt, das Buschland fing direkt am Zaun an.

So ganz im Stillen hatte ich ja heimlich mit diesem hier in Port Alfred geliebäugelt:

Port Alfred Marina
Eigener Liegeplatz und Stichkanal zum Ozean

Leinen los, einmal links abbiegen und 500m weiter ist man im indischen Ozean. Ok, man wird ja noch träumen dürfen 😎 So interessant ein Liegeplatz direkt vor der eigenen Haustür wäre, das Ding ist definitiv nicht meine Kragenweite. Das Objekt ist, bei weniger als halb so großem Grundstück und weniger Wohnfläche als wir nun tatsächlich gekauft haben, knapp 3 1/2mal so teuer und selbst die „Rates“ sind dreimal so hoch. Vielleicht, wenn ich mal groß bin (und reich …)

Also zurück zur South Coast, genauer: Zur HibiscusCoast. Noch genauer: Ugu District Municipality. Wir hatten in Margate noch ein Objekt auf dem Zettel, das die meisten Punkte auf unserer Wunschliste abhakte:

  • Kein Verkehrslärm, da in einer ruhigen Seitenstraße gelegen
  • Genügend Platz, auch mal für Besucher
  • Nicht wieder am Steilhang gelegen, ich werd‘ ja nicht jünger :-)
  • möglichst mit Pool
  • Doppelgarage oder mehr.
  • So nett und pflegeleicht unser bisheriger „Steingarten“ auch ist, ein wenig „grün“ auf dem Grundstück kann nicht schaden.

Was wir gefunden haben, ist ein 5-bedroom-Haus mit rund 325m² Wohnfläche auf einem moderat ansteigenden  2.000m²-Grundstück ca. 350m vom Ozean entfernt, und statt vorbeifahrender Autos wird das wesentliche Geräusch auf dem Balkon beim Frühstück oder überhaupt eher Brandungsrauschen sein, wie wir zwischenzeitlich ausprobiert haben. 😎

unser neues domicilum citandi et executandi

Der ursprünglich angefragte Preis lag, vollständig möbliert, mit gut 2.9mio ZAR inclusive Nebenkosten deutlich über dem, was ich eigentlich auszugeben gedachte, aber das war ja sicher noch irgendwie verhandelbar. Also hingefahren, angesehen, und ein Angebot abgegeben, das so niedrig war, daß ich eigentlich nicht ernsthaft damit gerechnet hatte, daß der Verkäufer das wirklich abnickt. Hat er nach einem Tag Bedenkzeit dann aber doch, und wir hatten einen unterschriebenen Vertrag.  Dabei hat vermutlich geholfen, daß wir nicht erst noch werweisswielange auf eine Finanzierungszusage warten mußten, sondern ich die Kohle am nächsten Arbeitstag auf ein Notaranderkonto geschubst habe.

Seither geht der Papierkrieg seinen Gang, die meisten der obligatorischen „certificates“ sind inzwischen ausgestellt, und wir warten eigentlich nur noch darauf, daß die Grundbucheintragung endlich erfolgt und wir die Schlüssel abholen können. Zieht sich irgendwie genauso zäh hin, wie beim letzten Mal auch schon….

Hat es Nachteile? Naja, der augenfälligste ist, daß der Weg zum Boot künftig nicht mehr 20 Minuten, sondern knapp eineinhalb Stunden dauert. Damit kann ich aber leben. Ansonsten ist Margate ein überwiegend von Hotelerie und B&Bs geprägter Küstenort mit ca. 54.000 Einwohnern, wo man in ein paar Minuten mit dem Auto alle notwendigen Einkaufsmöglichkeiten o.ä. erreicht. Es gibt (natürlich) eine Mall und etliche kleinere Läden für Touri-Plünnkram und Plunder, Handwerksbetriebe, ein Krankenhaus quasi bei uns um die Ecke, und sogar einen Flughafen für Inlandsflüge und Shuttles zum King Shaka Airport in Durban.  Der nächste Badestrand ist nötigenfalls fußläufig erreichbar und es gibt tatsächlich Pubs und etliche Restaurants in Margate. Das ist definitiv eine Verbesserung gegenüber unserem aktuellen Wohnort, wo sich die diesbezügliche Auswahl in der näheren Umgebung auf McD, KFC und Konsorten beschränkt 🙃

Wer mag, landet beim Klick auf das folgende Bild auf dem Youtube-Video des Maklers für unser Haus. 

Link zum Video

Was fehlt noch?

  • Solarpanels, Inverter und Batterien, klar. Bislang war das in erster Linie ein Ferienhaus für des Vorbesitzers Familientreffen, mit nur sporadischer Nutzung ein paar Mal einige Wochen pro Jahr, wie er erzählte. Ich werde ein paar Wochen beobachten, wie sich unsere Stromrechnung angesichts der vorhandenen 6 Fernseher, 3 Kühlschränke und 5 Klimaanlagen entwickelt, aber Solar ist auf jeden Fall fest im Plan. Spätestens dann, wenn die Hütte in ResHills verkauft ist. Die SouthCoast hat durchschnittlich 300-320 Sonnentage im Jahr, da kann ich echt nicht dran vorbei, selbst wenn die Zeiten des flächendeckenden Loadsheddings hier scheinbar erstmal vorbei sind.
  • Die Doppelgarage macht einen eher kleinen Eindruck. Mal sehen wie das aussieht, sobald beide Audis und das Moped drinstehen, so sie denn alle überhaupt reinpassen. Keine Ahnung, warum dieser Balkon, den sie da 2004 vorgebaut haben, nicht gleich auf eine Garagenverlängerung statt auf zwei Pfeiler gestellt wurde.  Es würde sich ja geradezu anbieten, vor den Schlafzimmern auf der Seeseite noch was vergleichbares anzubauen, um damit dann gleich noch umlaufende Balkone zu gewinnen. Später denn …

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