Solandra Maxima

Autarkie macht Sinn

Eine der besseren Sachen beim Leben auf einem Boot ist die weitgehende Unabhängigkeit von irgendwelchen externen Versorgungsmöglichkeiten. Ganz besonders, wenn letztere wie hierzulande gerne mal ausfallen. Auf dem Boot habe ich 5KWh in LiFePo4-Akkus, das reicht für deutlich mehr als einen Tag, selbst wenn die Sonne mal nicht scheint und kein Wind geht, und mit dem Wasser in den Tanks kamen wir, ohne uns irgendwie einzuschränken, locker über zwei Wochen lang hin. Die regelmäßigen Loadshedding-Stromabschaltungen haben uns herzlich wenig ausgemacht, und die paar Tage in denen die Marina ohne Wasser war, während die Leitungen an den Stegen erneuert wurden, haben wir problemlos aus den Tanks überbrückt, ohne das überhaupt ernsthaft mitzubekommen.

Manchmal vermisse ich diese Unabhängigkeit von irgendwelchen Versorgern doch recht deutlich.

Das Leben „an Land“ hat hierzulande definitiv so seine ganz eigenen Herausforderungen. Sei es die unfähige und korrupte Regierung und insbesondere der ANC, die das Land mehr und mehr zu Boden reißen, eigentlich keines der vordringlichen Probleme wirklich gelöst kriegen und sich stattdessen die eigenen Taschen füllen, oder die immer weiter zunehmende Kriminalität ganz besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit: Man wird hier täglich mit Vorkommnissen konfrontiert, bei denen man als in Europa aufgewachsener Mensch nur kopfschüttelnd dasteht und sich wundert, daß hier überhaupt noch irgendwas funktioniert.

Nachdem wir hier eingezogen waren, hatten wir uns bei diversen Nachbarschafts-WhatsApp-Gruppen angemeldet, um über das Geschehen in der Umgebung informiert zu bleiben. Anfangs war das wirklich interessant, aber inzwischen kommen darüber täglich um die 200-300 Meldungen rein, von denen 80-90% lokale Ausfälle von Strom, Wasser, Einbrüche oder Überfälle betreffen. Und es wird gefühlt immer schlimmer …

Gestern war Loadshedding ab Mitternacht. Eigentlich hätte somit um 2h00 der Strom wieder da sein sollen, war er aber nicht. Nicht, daß uns das großartig belastet hätte, um die Zeit läuft hier bestenfalls noch der Kühlschrank, aber nachdem das Netz neun Stunden später immer noch tot war, hatte sich dank eines, wie auch schon Tags zuvor, total wolkenverhangenen Regentages unser Akku bis auf die als Grenzwert eingestellten 10% Restkapazität entladen, der Inverter schaltete ab und wir saßen erstmals seit der Solar-Installation ohne Strom da. Dolle Wurst. Wir brauchen wohl mehr Batterien…

Wie der WA-Gruppe zu entnehmen war, hatten irgendwelche Idioten während des Loadsheddings einen der Unterverteiler an der Straße aufgebrochen und Kabel und Sicherungen geklaut. Und so geht das hier am laufenden Band.

Wasser ist ein ähnliches Problem, wenn auch teilweise mit anderer Ursache:

Bei einem der Häuser, die wir anfangs des Jahres besichtigt hatten, erzählte uns die Maklerin, daß sie gerade die Hauptzuleitung zum Haus ersetzen mußten, weil die alten Kupferrohre geklaut worden waren. Damals fand ich das noch irgendwie witzig, wenn auch ziemlich schräg. Welcher normal denkende Mensch macht sich schon die Mühe, irgendwo einzubrechen und ein paar Meter Wasserleitung abzusägen, nur um die dann für ein paar Cent an einen zwielichtigen Schrotti zu verhökern?? Inzwischen habe ich allerdings festgestellt, daß unsere eigene Hauptzuleitung ebenfalls nur aus einem flimsigen Plastikrohr besteht. Mutmaßlich aus genau demselben Grund 🙄

Hauptgrund ist aber: Das ganze städtische Wasser-Verteilernetz ist marode und müßte eigentlich erneuert werden. Ein paar Straßen weiter oben am Berg, in der Annet Rd, haben sie z.B. seit inzwischen über einer Woche kein Wasser mehr. Jedesmal, wenn ein städtischer Reparaturtrupp das eine Leck notdürftig geflickt hat, fetzt es ein paar Meter weiter die Leitung an einer anderen Stelle und das Ganze geht wieder von vorn los. Immerhin schickt die Stadt jetzt täglich einen Tankwagen hin, damit die Leute wenigstens ein paar Kanister füllen können. Das ist äußerst lästig.

Ich sehe uns selbst derzeit zwar nicht ernsthaft gefährdet, aber das weiß man hier ja auch nie so wirklich, bevor es passiert. Wenn uns das erwischen sollte, könnten wir nötigenfalls die Bude abschließen und einfach für ein paar Tage aufs Boot umziehen, aber wenn man als „normaler Anwohner“ diese Ausweichmöglichkeit nicht hat, ist das zweifellos eine ziemlich nervige Angelegenheit. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, das hier fast jeder, wie wir auch, diverse 5L-Flaschen mit Trinkwasser gebunkert hat, aber die wenigsten dürften wohl einen Backup-Tank für Dusche und Klospülung haben.

Die Leute hier sind zunehmend frustriert, weil keine ernsthafte Besserung in Sicht ist. Einige nehmen es allerdings auch mit Galgenhumor und witzeln rum, daß wir „hier auf’m Berg“ entweder Wasser oder Strom haben könnten, aber nicht beides gleichzeitig. Irgendwie jedenfalls ziemlich unbefriedigend, das Ganze.

Unser eigenes Problem, der abgerutschte Hang hinterm Haus, harrt ebenfalls immer noch einer Lösung. Letzte Woche, kaum fünf Wochen nach der Schadenmeldung, war immerhin endlich ein Gutachter hier, der sich die Sache angesehen hat und nun einen Bericht für die Versicherung fertigmacht, aber mehr ist bislang auch noch nicht passiert. Der Pool ist, schließlich ist Sommer und somit Regenzeit, seit dem Leerpumpen inzwischen wieder halb vollgeregnet und mittlerweile tummeln sich ungefähr 3 Milliarden Mückenlarven und anderes Kroppzeug in der trüben Brühe. Die einzigen, die sich darüber zu freuen scheinen, sind wohl die Libellen, Vögel, Eidechsen und Fledermäuse, die jetzt verstärkt in unserem Garten rumtoben. Hurra, wir haben ein eigenes Biotop!

Acanthocerus atricollis (Blaukopf-Baumagame)

Irgendwie hatte ich mir unseren Sommer an Land doch ein klein wenig anders ausgemalt …

Und dann war da noch der „lange grüne Wurm“,  der letzten Donnerstag in unserer Mülltonne rumplanschte …

Philothamnus semivariegatus (Spotted bush snake)

Da ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wußte, ob die giftig ist, hab ich sie vorsichtshalber mitsamt der Tonne über die Straße getragen und da in die Wiese gespült :-)

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