Still landlocked …

Ich stehe immer noch an Land. Es sind immer noch hochsommerliche Temperaturen und so ganz langsam geht mir hier die Geduld aus. Im letzten Beitrag hatte ich ja angesprochen, daß ich eigentlich für Dienstag mit Andries für einen finalen Testlauf von Motor und Antrieb verabredet war, aber nachdem der sich prompt wieder mal nicht blicken lassen hatte, habe ich das am Mittwoch dann halt allein erledigt. Habe den Motor für eine dreiviertel Stunde am Wasserschlauch laufen lassen, ohne irgendwelche Undichtigkeiten oder komische Geräusche feststellen zu können, habe  das Getriebe etliche Male geschaltet, und nachdem ich die Züge nochmal neu eingstellt hatte, kriegt man jetzt nicht nur Vorwärts- und Rückwärtsgang eingelegt, sondern sogar auch den Leerlauf.

Insofern habe ich die berechtigte Hoffnung, daß ich es nach einer Einwasserung wohl zumindest aus eigener Kraft bis an den vorgesehenen Stegplatz schaffen werde. Was danach kommt, wird sich zeigen. Jannie war fast die ganze Woche nicht vor Ort, insofern gibt es noch keinen neuen Termin, aber mit ein bischen Glück sollte der Kahn nun wohl bis nächste Woche tatsächlich im Wasser sein. Mein Vertrag für den Landstellplatz läuft jedenfalls mit dem heutigen Monatsende  ab.

Andries kam dann prompt am Mittwoch spätnachmittags angedackelt und fragte, ob wir nun wohl den Motor testen wollten. Ich hab‘ ihn dann vom Boot gejagt …

Mental und emotional bin ich momentan ein klein wenig von der Rolle. Ich habe jemanden kennengerlernt, die mir ziemlich schnell ziemlich wichtig wurde und mich letztes Wochenende mit ihr in  Hout Bay getroffen. Ja, wir haben uns gut verstanden. Ja, ich habe noch nie jemanden getroffen, mit dem ich in so kurzer Zeit soviele übereinstimmende Interessen und Gedanken entdeckt habe und die immerhin genügend an mir interessiert ist, um sich in den letzten Wochen durch diesen gesamten Blog zu ackern, obwohl sie kein Wort Deutsch spricht. Und ja, ich könnte mir vorstellen, daß ich meine Mitseglerin für den Rest dieser noch nichtmal angefangenen Segeltour und darüber hinaus gefunden habe.  Jetzt allerdings stecken wir an einem Punkt fest, an dem sie sich irgendwann entscheiden muß, ob sie das ebenfalls möchte und gewillt ist, ihr bisheriges Leben dafür hinter sich zu lassen. Ganz viel mehr als abwarten und hoffen kann ich derzeit nicht mehr tun, und das macht mich ziemlich fertig.

Also wenn die nächsten Beiträge nun irgendwie eher unregelmäßig eintrudeln, wißt Ihr nun wenigstens, wieso 🙂

Daß ich zusätzlich zu diesem ganzen gedanklichen und emotionalen Tohuwabohu vor 14 Tagen das Rauchen eingestellt hatte und seither an heftigsten Entzugserscheinungen rumlaborierte, hat die Sache nicht wirklich leichter gemacht, also habe ich dieses Experiment vor ein paar Stunden abgebrochen und meine „Notfallpackung“ aufgerissen. Scheiß auf gute Vorsätze! Ich hatte gesagt, ich höre auf, wenn ich hier lossegele, und davon bin ich noch ein ganzes Stück entfernt.

Am Boot geht es momentan nur schleppend voran, aber immerhin: es geht irgendwie voran. Die Woche haben wir die letzte Cockpit-Sitzbank nochmal lackiert, ich habe die Fenster in meiner neulich lackierten Kabine mit Folie versehen und heute die von Jaques gefertigte Badeleiterbox in den Stahlrahmen unter der Plattform verschraubt. Die letzte der manuellen Bilgenpumpen ist überholt und einbaufertig.

Nach kaum sechs Wochen Laufzeit konnte ich am Mittwoch dann auch tatsächlich mein „Weihnachtspaket“ im Postamt abholen (dieses Mal haben sie es nichtmal geschafft, den obligatorischen „wir konnten Ihr Paket nicht zustellen“-Zettel hier abzugeben und ich bin einfach auf blauen Dunst hingefahren) und morgen werde ich wohl noch den darin enthaltenen DownVü-geber für den Fishfinder anbauen, wenn ich irgendwo eine sinnvolle Stelle dafür finde. Und dann sind eigentlich alle Arbeiten erledigt, für die der Kahn an Land stehen müßte. Zeit, endlich Wasser unter die Kiele zu kriegen!

Positives Highlight der Woche (unter anderem): Mein Termin beim Onkologen ergab Blutwerte, die in allen Segmenten absolut im Normalbereich liegen. Immerhin was. Nicht, daß ich nach den letzten Untersuchungen irgend etwas anderes erwartet hätte, aber es ist zumindest ein beruhigendes Gefühl. Und da wir hier in einem, aufgrund des definitiv vorherschenden hohen Gefährdungs-potentials ziemlich sicherheits-bewußten Land leben, in dem ambulante HIV-Tests zum Alltag jeder Pharmacy gehören oder eben auch miterledigt werden, wenn man ohnehin gerade Blut abgegeben hat, habe ich jetzt sogar schriftlich, daß ich in dieser Beziehung ein völlig unbeschriebenes Blatt bin. Auch davon war ich allerdings nicht wirklich überrascht 🙂

Essen war diese Woche eher kein Thema. Meistens habe ich mich mit Obst am Leben gehalten, nur einmal war mir tatsächlich nach irgend etwas kräftigerem, und es gab  Lamm-Curry mit Brokkoli und Cauliflower.

Und für heute hatte ich mir eigentlich ein bischen Boerewors und ein „Bavette-Steak“ zum grillen mitgebracht (was mir in der Kühlung nun wirklich überhaupt nichts sagte, aber gut aussah, und sich zuhause nach dem Googeln als „Flank-Steak“ entpuppte), aber da dank zeitgleich mit Sonnenuntergang eintretendem Loadshedding auch der Strom für die nächsten paar Stunden weg war und mir aus unerfindlichen Gründen bei dieser Gelegenheit zudem beide 200A-Sicherungen in den Haupt-Masseleitungen rausgeflogen waren,  was einen totalen Stromausfall an Bord verursachte, war mir nach der Fehlersuche und -behebung im Dustern dann doch nicht mehr nach Grillen und es gab nur noch ein Salami-Käse-Sandwich. Morgen ist auch noch ein Tag …

ps: Es ist fast Mitternacht, und draußen sind immer noch 29°C