Vier Wochen ohne

Nein, das bezieht sich nicht darauf, daß ich vier Wochen nicht mehr geraucht habe oder seit vier Wochen keinen Alk mehr getrunken habe. Letzteres wäre glatt gelogen, und das mit dem Nichtrauchen hat auch nur vierzehn Tage gedauert, bevor mir das zu langweilig wurde (und meine Erkältung vorüber war). Aber ich bin ja auch noch nicht losgesegelt, insofern alles noch im Plan. Nein, vor vier Wochen habe ich Morgan zum Teufel gejagt und die Refitterei seitdem mehr oder weniger allein beziehungsweise neuerdings zusammen mit Simon als Knecht für niedere Tätigkeiten an der Backe. So als Zwischenfazit läßt sich immerhin verkünden: Es geht nicht wirklich langsamer voran als vorher 🙂 Zwar auch nicht schneller, dafür ist es aber deutlich billiger geworden.

Klar, die ganze Sache ist mühsam. Wenn man hier irgend etwas bestellt (oder es zumindest versucht), muß man ganz viel Geduld aufbringen, da eigentlich alles, was über normales Refit-Material hinausgeht (also Farbe, Harz, Härter, Spachtel, Schleifmaterialien, Pinsel, Schrauben, Schellen etc) offensichtlich direkt aus Kapstadt kommt. Ausgefallenere Sachen wie z.B. ein neuer Akku für meinen kabellosen Garmin Windmesser dauern auch schon mal vier bis n Wochen und kosten ein horrendes Geld. Für diese alberne 2.4V/750mAh-NiMh-Zelle, die allem Anschein nach aus zwei zusammengelöteten und  eingeschrumpften AAA-Akkus mit angebratenem Kabel besteht, habe ich heute morgen 599 Rand (40,-€) bezahlt. Als ich letzte Woche Abreißgewebe für meine Laminiererei kaufen wollte, weil das bischen von zuhause mitgebrachte rapide zur Neige geht, erntete ich nur verständnislose Blicke und mußte den Mädels (Angestellte in einem Marine-Shop, in dem die Refitter ein und ausgehen und der allein ein ganzes Regal mit Epoxy-Kram im Laden stehen hat!) erklären, was das ist und wofür man das braucht. „Sowas benutzt hier keiner“.  (Doch, Morgan, den will ich aber nur als letzten Ausweg fragen, ob er mir ein paar qm verkauft). Nun versuchen sie, irgendwo welches zu bestellen. Bin mal gespannt…

Ansonsten läßt sich nicht länger leugnen, daß hier unbestreitbar der Frühling herandräut. Gefroren habe ich jedenfalls schon eine Weile nicht mehr. Morgens um 9h habe ich inzwischen schon um die 32° im Boot, was sich im Laufe des Tages meist bis auf knapp unter die 38° hocharbeitet und Arbeiten im Boot zu einer einigermaßen schweißtreibenden Sache werden läßt. Heute war außerdem mal wieder von 9h30 bis 15h auf dem gesamten Gelände der Strom weg, was uns ohne funktionierende Schleifmaschinen dastehen ließ, also habe ich Simon spontan in die Motorbilge gesteckt, um sie nochmal kurz überzuschleifen und dann weiß zu pinseln, so wie eigentlich von Anfang an vorgesehen. (Mindestens dreimal habe ich ihn nach Marianne schlagen sehen, die permanent um ihn rumkurvte, während er da unten drinsteckte. Seither ward sie nicht wieder gesehen. Keine Ahnung, ob er sie erwischt oder irgendwo mit festgemalt hat…)

unter Tage …

Das vorsorglich nur für den Fall, daß Andries diese Woche tatsächlich aufschlägt, um den Motor mit einzubauen. (Sofern meine Tankgeber vorher kommen und ich die Tanks vorher noch einbauen kann…) Das Loch im Boden muß ich dann wohl auch vorher noch zulaminieren, da man hinterher wohl kaum mehr drankommen dürfte.

vorher
nachher

Währenddessen habe ich ein paar Kabel durchs Boot gezogen, und dann schon mal provisorisch den von Morgan laminierten Rahmen für die Cockpitinstrumente angebaut, der hier irgendwo halbfertig in einem der Schränke gelegen hatte. Auch das Ding war natürlich wieder mal nicht so ausgeführt, wie in Auftrag gegeben. Ich wollte die Frontplatte versenkt einbauen, und hatte ihm aus genau diesem Grund irgendwann eine  Kopie dieser Frontplatte als Vorlage geschickt, um eine entsprechende Nut gleich mit einlaminieren zu können. Pustekuchen…  Nun werde ich mir wohl einen passenden Kopierfräser organisieren und das Ding dann auf dem Frästisch nacharbeiten müssen. Lackiert  hatten sie es ja eh noch nicht.

Momentan ist die Frontplatte halt platt davorgeschraubt und die Instrumente sind inzwischen ebenfalls angeschlossen, nachdem ich heute den NMEA2000-Backbone von der Nav-Station bis zum Cockpit verlegt hatte. Fungschoniert und gefällt mir schon recht gut 🙂

So sah das mal aus, als ich den Kahn gekauft habe. Einzelinstrumente aus den 80ern oder frühen 90ern
… und so jetzt. Funktionstest bestanden

Nun nur noch schnell das Radar, die Echolot-Geber, den Autopiloten, das Netzwerk und das Außenbedienteil für die Funke verdrahten, und schon wäre zumindest die Bord-Elektronik weitgehend komplett einsatzbereit. Wenn man sich vor Augen hält, was da vorher an Kabeln ankam und was es für ein Aufstand war bzw. ist, Einzelinstrumente über NMEA0183 zu verknüpfen muß man sich wirklich eingestehen: NMEA2000 ist toll! Dieses ganze Panelmodul hängt, genau wie das in der Nav-Station, derzeit an genau drei Strippen: +12V, Masse und NMEA2000, worüber sämtliche Daten inclusive GPS, Funk, Radio und AIS an alle Anzeigen bzw. Plotter verteilt werden.  Radar- und Fishfinderdaten dann über ein noch zu ziehendes handelsübliches Netzwerkkabel. Die Schalter im unteren Bereich sind für die Fernbedienung der Ankerwinde, Cockpitbeleuchtung und Salings- bzw. Heckbügelstrahler gedacht, also auch nix wildes mehr.