aus der Bahn

Heute hätte ich um ein Haar auch noch den letzten meiner Handwerker eingebüßt. Kurz nach Acht waren Andries und Danny aufgetaucht, mit denen ich eigentlich gar nicht gerechnet hatte, da sie gestern auch schon nicht hier waren und wir uns eigentlich am Mittwoch bis nächsten Montag verabschiedet hatten. Mit dabei hatten sie ein paar Meter Drahtseil.

Thelxinoes Lenkung besteht aus einem Lenkrad mit angeflanschtem Kettenrad auf der Rückseite, über das anderthalb Meter Kette laufen, die dann mit je einem simplen 4mm Drahtseil verbunden durch die Achterkabine nach außen geführt werden und an der „Lenkstange“ zwischen den beiden Ruderpinnen befestigt sind. Bis dahin nichts außergewöhnliches. In Deutschland fahren vermutlich tausende von kleinen Motorbooten rum, die  so oder ähnlich gelenkt werden. Meiner Meinung nach keine tolle Konstruktion, und mutmaßlich auch nicht sonderlich präzise, aber einfach im Aufbau und eigentlich nichts dran, was unterwegs kaputtgehen und ich dann nicht selbst reparieren könnte. Bei Teleflex- oder Hydraulik-Lenkung sieht das schon ein bischen anders aus.

Als ich Danny neulich die Abdeckung über den Umlenkrollen erneuern lassen habe fiel mir auf, daß die Lenkseile sich an diesen beanspruchten Biege-Stellen schon leicht aufdröselten und erste Spitzen aus dem Draht-Geflecht hervor standen, also hatte ich beschlossen, das zu ersetzen und bei Andries ein neues bestellt, bevor es mir unterwegs  irgendwann abreißt und ich ohne Ruderwirkung rumdümpele. Das wollten sie nun heute einbauen.

Soweit, so gut. Seine erste Amtshandlung bestand, nach dem vergeblichen Versuch, das 4mm-Stahlseil außen  mit einem handelüblichen Saitenschneider abzuknipsen, darin, das alte Seil vorn von der Kette zu trennen und anschließend die Kette komplett rauszuziehen, warum auch immer. :wall: (Ich bin mir sicher, er war auch derjenige, der neulich völlig sinnlos die ganzen Kabel aus dem Geräteträger gezogen hatte, auch wenn er das nicht zugegeben hat)

Dazu muß man wissen, daß diese ganze Lenk-Mimik in einem besseren Apotheker-Schrank untergebracht ist. Knapp  15cm breit, aber fast einen Meter tief. Und die letzte der drei Umlenkrollen für die Kette sitzt selbstverständlich ganz am entfernten Ende, also wenn man nicht gerade einen Gibbon unter seinen direkten Vorfahren hat, mit normalen Armen nicht zu erreichen. Von außen kommt man zwar hin, aber auch nur, wenn man sich platt auf den Boden legt und durch die Revisions Öffnung nach oben greift. Und auch dann nur mit den Fingerspitzen.

Lenkschrank. Sorry für die Düsternis. Ich war den Tag über zu brastig, um noch Fotos zu machen und mußte das abends nach dem Verzehr eines halben Kontemplations-Huhns nachholen.

Sie haben dann zu zweit geschlagene eineinhalb Stunden damit verbracht, die Kette wieder in die vorgesehene Bahn zu bringen, nachdem er anfänglich wohl leicht mit der Laufbahn ins Trudeln geraten war und mir nach zehn Minuten weismachen wollte, „da fehlt eine Umlenkrolle, Moment, laß mich diese hier eben ausbauen (schwupps) und dann besorge ich Dir schnell eine passende„. Und eine der Umlenkrollen in der Hand hatte, die ungefähr eine Armeslänge von der Öffnung entfernt, direkt über der Steuerradwelle gesessen hatte.

Von außen gesehen, ist das so ungefähr der Kettenverlauf

Da war ich eigentlich das erste Mal schon auf 180. Natürlich fehlt da keine Rolle, die Kette lief schließlich vorher auch so da drin und war einwandfrei gespannt. Das einzige, was Morgan damals ausgebaut hatte, war die im ersten Bild oben zu sehende Doppelseilrolle für die Umlenkung nach hinten, alles andere war unverändert geblieben und baumelte halt nur lose rum, bevor er alles rausgerissen hat. Nach einer ganzen Weile hatten sie das dann alles wieder zurecht gefummelt und als nächstes stellte sich die Frage: „Wie nun die Seile an der Kette befestigen?“

Vorher saßen da „Frösche“ dran. Das sind die Seilklemmen rechts im nächsten Bild. Andries hatte zwar neue Presshülsen (links) mitgebracht, aber natürlich kein passendes Werkzeug. Also hat er die mutmaßlich knapp 28 Jahre alten Frösche wieder eingebaut, einschließlich der genauso alten, nicht selbstsichernden Muttern. Und das dann auch noch verkehrt herum, so daß das ganze Geschiebe mit den vorstehenden Teilen des U-Bügels unweigerlich an der Edelstahlkante vor der Lenkung hängenbleiben und diese blockieren würde, sollte die Kette mal irgendwann aufgrund nachlassender Spannung in diesem ganzen rund 7m langen Konstrukt mehr als drei Milimeter durchhängen.

Nachdem ich mir das angesehen und gesagt hatte „so bleibt das auf keinen Fall!!“, hat er den Krempel wieder ausgebaut, die Kette erneut rausgezogen und wollte gehen, um das Ding irgendwo maschinell verpressen zu lassen, als er mit einer ungeschickten Bewegung meinen kompletten Cockpittisch aus der Verankerung riß und umkippte.

Ich saß da gerade dran und war dabei, einen Delrin-Adapter zum Verriegeln der oberen Abdeckung am Z-Antrieb zurecht zu sägen, als mir der gesamte Tischinhalt auf den Schoß und auf die nackten Füße fiel. Konnte letztere gerade noch wegziehen, bevor der Schraubstock, die Bohrmaschine, Flex und diveres andere Zeug direkt da aufschlugen. Die offene Stahlkiste mit den Edelstahlschrauben konnte ich knapp vor dem Absturz noch auffangen, war dann aber nicht mehr schnell genug um zu verhindern, daß sich der Inhalt meiner Kaffeetasse, der Eistee-Dose und des Aschenbechers auf mir und der Cockpitbank verteilten …

Das war dann so der Moment, wo ich haarscharf dran vorbei geschrammt bin, ihn auch noch zum Teufel zu jagen. Bin wohl trotzdem etwas lauter geworden, aber ich glaube, ich hab ihn nicht gefeuert :roll:

Bin dann lieber erstmal duschen gegangen, um mich, auch mental, abzukühlen, und als ich wieder zurückkam, waren sie beide verschwunden.

Die (inzwischen drei) Spechte vom Nachbarboot grinsten nur rüber und feixten sich eins. 🙂