169 leere Flaschen

169! Das ist die Anzahl der leeren 2L-Cola-Flaschen, die ich  aus dem hinteren Fach unter der Koje meiner Backbord-Achterkabine extrahiert und entsorgt habe, nachdem ich den Deckel rausgesägt hatte.  Vermutlich ist die Werft gar nicht wirklich einfach Pleite gegangen, sondern die Arbeiterschaft hat es komplett durch Diabetes dahingerafft und der Herr Dean mußte das Firmenvermögen als Schweigegeld raushauen, um zu vertuschen daß er seine Leute gezwungen hatte, für die Unsinkbarkeit seiner Katamarane Unmengen an Cola zu trinken …

Rohzustand nach dem Leerräumen und durchwischen

Die andere Seite sieht schon etwas einladender aus, ist aber auch noch nicht fertig

Naja, sei’s drum. Nun ist Thelxinoe möglicherweise nicht mehr unsinkbar, dafür habe ich aber in den Achterkabinen einen guten Kubikmenter zusätzlichen Stauraum für leichten Kram gewonnen, solange ich keine größeren Löcher ins Boot fahre. Eins der Probleme auf eigentlich jedem Langfahrtschiff ist nämlich die Frage: „Wohin mit dem Restmüll?“ Organische Abfälle wie Essenreste gehen auf dem Ozean problemlos über Bord, die sind in kürzester Zeit natürlich recycled, zerschlagene Glasflaschen werden durch Reibung am Grund früher oder später zermahlen und wieder zu Sand, Weißblechdosen rosten in überschaubar kurzer Zeit weg. Bleiben Getränkedosen aus Alublech und Plastikabfälle, die irgendwo untergebracht werden müssen.

Sicher, ich versuche auch jetzt schon, das Problem durch gezielten Einkauf zu minimieren, aber da es hier am Ort keinen „richtigen“ Markt in der Art eines Wochenmarktes gibt, sondern nur Malls und Supermärkte, kriegt man Obst und Gemüse eigentlich grundsätzlich nur abgepackt auf Plastiktrays und in Plastik eingeschweißt. Zu allem Überfluß meistens auch noch ausschließlich aus der Kühltheke, was der Haltbarkeit an Bord nicht sonderlich zuträglich ist, wenn man nicht einen ziemlich großen Kühlschrank in Betrieb hat.

Somit fällt eigentlich bei jedem hiesigen Einkauf jede Menge Plastikmüll an. Da ich nicht gewillt bin, mehr als unvermeidlich zur Vergrößerung der ohnehin schon gigantischen schwimmenden Plastikansammlungen im Ozean beizutragen, bleibt unterwegs nur die Möglichkeit, den Kram an Bord zu sammeln und irgendwo zu lagern, um es am nächsten Zielort zu entsorgen in der Hoffnung, daß es da dann wenigstens verbrannt, wenn schon nicht recycled wird. Und wenigstens dafür habe ich jetzt jede Menge Platz in einem komplett abgeschotteten Bereich des Bootes gewonnen und muß das nicht in einem normal zugänglichen Teil unterbringen.

Was uns zum nächsten Tagesordnungspunkt bringt: Ungeziefer

Wenn man sich mal durch ein paar Regalmeter Segelliteratur gelesen hat oder auch die diversen Langfahrer-Videologs auf Youtube verfolgt; ein Thema taucht eigentlich immer wieder auf auf:

Der Kampf gegen das Einschleppen von Ungeziefer an Bord. Seien es Ratten, Mäuse, Ameisen oder Kakerlaken: Prävention hat Priorität. Da  wird auf dem Steg jeder Umkarton entfernt, jedes Dosenetikett abgepult und jedes Stück Obst oder Gemüse in Salzwasser abgewaschen, um nur ja zu verhindern, daß man sich irgendwo Kakerlakeneier mit einschleppt, die ein paar Monate später an Bord schlüpfen und zu äußerst mobilen Viechern werden, die man ohne größere Begasungsaktionen kaum wieder los wird, weil sie, wie spätestens seit Mimic und  Men in Black jeder weiß, halt nachtaktiv sind und man sie kaum zu sehen kriegt. Eine gängige Redensart ist: Wenn Du eine siehst, hast Du mindestens zwanzig.

Den Aufstand mit dem Etiketten abpulen hab ich mir bislang erspart, da mein Kahn ohnehin an Land steht, und wenn eine Kakerlake an Bord will, kann sie einfach die Treppe zur Badeplattform hochspazieren.

Gestern Abend habe ich auf dem Teppich in der Backbord-Achterkabine dann tatsächlich den Albtraum aller Fahrtensegler entdeckt: Eine Schabe, so lang wie mein Zeigefinger und so breit wie mein Daumen. Ab und zu sieht man die hier abends durchaus mal auf dem Clubgelände umherwuseln, wenn man stillsitzt, bis dahin habe ich auch noch kein Problem mit dem Viehzeugs. Angesichts des Umstands, daß mein Boot nun mal immer noch an Land steht, kann ich aber natürlich wenig tun um zu verhindern, daß sie an Bord kommen. Dafür sind schlicht noch zu viele Löcher im Boot und außerdem steht sogar eine höchst einladende Treppe an der Badeplattform, was es jeder Art von potentiellem Eindringling einigermaßen leicht macht.

Als Dauergäste will ich sowas aber ganz sicher nicht haben. Die von gestern Abend war auf jeden Fall sauschnell und ist vor meinen Versuchen, sie mit der Sandale zu erschlagen, umgehend in die offenstehende Backbord-Bilge geflitzt. Ich habe ihr eine reichliche Ladung DOOM hinterhergeschickt in der Hoffnung, daß sie das erledigt, bevor sie sich hier erst ausbreiten kann, werde aber wohl trotzdem die Tage mal bei Checker’s nach Pheromonfallen Ausschau halten. Nur gut, daß ich zwischenzeitlich sowieso schon so ziemlich alles Essbare an Bord in festen Tupper- oder ähnlichen Boxen eingeschlossen hatte. Bähh!

Wo wir grad bei Insekten sind: Marianne ist auch mal  wieder aufgetaucht. Nachdem ich sie mehrere Wochen lang nicht mehr zu sehen gekriegt hatte, saß sie gestern Nachmittag auf einem Nest im Schrank in der Steuerbord-Achterkabine. Vermutlich nimmt sie jetzt immer den direkten Nebeneingang durch den noch offenen Stutzen der manuellen Bilgenpumpe.  Nu ja, irgendwann ist auch damit Schluß, dann kommt der Schlauch wieder drauf.

Mariannes neues Zuhause: Der Borddurchlaß der Bilgenpumpe

Wie nach den oben stehenden Bildern zu vermuten, sind wir derzeit überwiegend im Innenraum beschäftigt. Nicht etwa, weil es regnet. Nein, hier sind seit Tagen meist morgens um 8h schon um die 30°C bei fast Windstille und ziemlich extremer Luftfeuchtigkeit, die sich dann im Tagesverlauf noch ein wenig aufschaukeln und jede Bewegung unter Deck trotz laufender Klimaanlage zu einer äußerst schweißtreibenden Angelegenheit machen. Auch, wenn ich das vor ein paar Jahren hier schon mal geschrieben hatte: Ich habe in meinem Leben noch nie soviel geschwitzt wie hier. Ein frisches T-Shirt sieht nach 10 Minuten so aus, als käme ich gerade von einem „Mister wet-T-shirt“-Contest. Der blöde Spruch „Tauwetter für Dicke“ wurde vermutlich hier erfunden. Mich tröstet lediglich der Umstand, daß Simon beim Schleifen in dem anderen Rumpf genau so vor Schweiß trieft wie ich, obwohl er wahrscheinlich nur etwas mehr als halb so viel wiegt 🙂

Nachdem ich die beiden Deckel in der Backbordkabine rausgesägt hatte, fiel mir auf, daß das irgendwie deutlich anders aussieht, als im anderen Rumpf. Und tatsächlich: Das vordere Abteil ist fast 10 Zentimeter länger als im Steuerbordrumpf, weil das Kollisionsschott um diese 10cm weiter hinten sitzt. Stört mich jetzt nicht sonderlich, schließlich soll hier der Generator rein und jeder Zentimeter freie Breite hilft gegen Verrenkungen beim Einbau. Aber vielleicht sollte ich doch mal meine Rümpfe messen, ob die wenigstens gleich lang sind oder vielleicht auch nicht. Mich wundert hier echt so gut wie nix mehr.

Bis diese „Staufächer“ dann endgültig geschliffen und mit Bilgenfarbe gepinselt sind, trudeln dann auch meine bestellten Wasserrohre hoffentlich endlich ein und „Rob, the gasman“ könnte sich auch allmählich mal blicken lassen. Solange das hier alles offen ist, kommt man wenigstens noch überall dran.

Wenigstens war Stephen heute hier und hat den Dodger abgeholt. Ich war gerade auf dem Weg zu den Waschmaschinen (die heute erstaunlicherweise beide unbelegt waren als ich ankam), als er das 2.70m breite Hardtop längs auf einen Anhänger in der Größe eines Klaufix geschnallt hatte. Sah auf jeden Fall etwas grenzwertig aus. Wenn das Ding fertig ist, wird er wohl was größeres haben müssen, um des wieder zurückzubringen, da es dann auch  fast eineinhalb Meter länger sein soll 🙂