Bastel-Wochenende im Trockenen

Heute ist „Voting-day“, Südafrika geht wählen. Damit sich auch ja niemand rausreden kann,  er hätte nicht wählen gehen können, weil er arbeiten mußte, hat der Präsident ihn Ende Februar zu einem offiziellen Feiertag erklärt. Ich hatte mich also eigentlich darauf eingestellt, heute wieder mal einigermaßen allein zu sein. Aber, entgegen  der gestrigen Verabschiedung, tauchte um viertel nach Acht doch noch Simon auf. Man könne ja schließlich bis 20h wählen gehen, also könne er eigentlich genausogut auch arbeiten. Öhm?? Eine  hier scheinbar nicht unbedingt übermäßig verbreitete Einstellung, außer uns beiden war jedenfalls kaum jemand hier.

Mir war es Recht. Wir sind jetzt seit annähernd einer Woche damit beschäftigt das Cockpit zu schleifen, und so allmählich geht mir das permanente Leben in reingetragenem und reingewehtem Staub und Dreck ganz tierisch auf den Senkel. Zeit, daß das endlich fertig wird.

Alles, was vorher mal an Griffen, Schaltern, Instrumenten  und sonstigem Gedöns im Cockpit verbaut war, ist mittlerweile entfernt, und die ganze Sache nimmt insofern allmählich Gestalt an, daß jetzt 3/4 der Flächen abgeschliffen sind,  aber staubt halt ohne Ende. Und trotz häufigem Staubsauger-Einsatz und improvisiertem „Abtreter“ vor der Tür hängt der Staub hier drinnen in jeder Ritze und liegt überall rum. Bäh! Zu allem Überfluß hat der Spätsommer zum Endspurt angesetzt und ab 11h sind in der Kiste jenseits der 32°C, ohne daß man irgendein Fenster oder gar die Tür zum durchlüften öffnen könnte. Nochmal Bäh! Arbeiten im Boot sind momentan einfach nicht drin.

Lediglich Abends kühlt es sich dann auf angenehme 23 Grad ab, so daß das mit dem Schlafen nicht auch noch an den Temperaturen scheitert.

Genug genölt. Eigentlich war die Woche ja bisher ganz verheißungsvoll gelaufen. Das Wochenende war von ziemlich zuviel Wind geprägt, um draußen irgendwas sinnvolles anstellen zu können,  also habe ich fast die vollen zwei Tage drinnen verbracht, mal meinen Elektronik-Bastelfundus durchforstet, zwei Prototypen für die Füllstandsanzeige der Wassertanks verdrahtet, nach dem ersten erfolgreichen Test den ohnehin leeren Backbord-Tank schluckweise gefüllt und dabei ausgelitert und nebenher ein entsprechendes Anzeigeprogramm für den PC programmiert. Ziemlich zeitaufwändig das alles, aber nicht sonderlich anstrengend 🙂

Durchflußmeser im Einsatz

Wen es interessiert:

Thelxinoe’s Wassertanks sind in den beiden Kielen eingebaut, sind aus GFK und haben die Form zweier übereinanderstehender Quader, wobei der untere der Kielform wegen der kleinere ist. der obere Quader ist etwas flacher, aber ca. 4x so breit, wie der untere und faßt somit den Großteil des Gesamtvolumens. Eine handelsübliche Tankanzeige, bei der der Geber über den gesamten Bereich lineare Werte ausgibt,  kann daraus also wenig sinnvolle Daten liefern.

Das Programm, das ich für die Arduino Nano bzw. für NodeMCU gebastelt habe, liest den Wert des Gebers aus und rechnet den dann anhand des durch Auslitern (bei welchem Inhalt welcher Widerstands-Wert am Geber anliegt. Dank des neulich mitgebrachten Gardena-Durchlaufzählers ein Leichtes 🙂 ) ermittelten Kennfelds in Liter um und gibt diesen dann derzeit als NMEA0183 kompatiblen Datensatz per USB aus.

NodeMCU8266 als Tankgeber-Auswerter

Da die eingebauten Tauchrohrgeber auf ihre 55cm Länge je 18 „Meßpunkte“ haben an denen sich der Wert ändert, entfallen davon 14 auf den unteren Quader und die restlichen vier auf den oberen.

Blöderweise ist es nun so, daß die unteren Quader gerade mal 70 Liter fassen. Das heißt, sobald meine Tanks bis dahin einigermaßen leer sind, kann ich auf ca. 5L genau ablesen, wieviel noch drin ist. Auf der anderen Seite heißt das allerdings ebenso, daß sich die „oberen“ 230L vier Meßpunkte teilen müssen, die Auflösung der Anzeige reduziert sich in dem Moment auf etwas über 55L je Wert. Sobald nun auch nur minimalster Wellengang dazukommt, ist es vorbei mit der stabilen Anzeige. Ich habe zwar eine Dämpfung des Wertes  mit einprogrammiert, um das Schwappen auszugleichen, das wird aber auch nur begrenzt helfen.

Und feststellen, wann beim Bunkern oder Wassermachen der Tank voll ist, wird auf die Art auch nix. Insofern habe ich auf ein simples, rein optisch-mechanisches Hilfsmittel zurückgegriffen: 

Optische „Tank-ist-voll“-Anzeige 🙂

In jeden der Tankdeckel kommt eine der hier immer noch rumliegenden Verschlußkappen meines beim ersten Besuch 2015 gekauften Batteriesatzes, die mit einem Schwimmer den Säurestand in der Batterie anzeigen und die ich nie eingebaut hatte, weil eh andere Kappen drauf waren und die vier Batterien geklaut worden waren, bevor ich das ändern konnte. Funktioniert auch mit simplem Trinkwasser: Schwimmer oben, Tank voll … Nur hinsehen muß man halt 🙂

Damit war das Wochenende eigentlich ganz gut verplempert. Die Tankanzeige funktioniert immerhin schon mal über den PC und ist im wichtigeren unteren Bereich sicher um Welten präziser, als jede von einer Werft je gelieferte. Ziel erreicht.

Anzeigeprogramm auf dem PC

Das ganze dann auch noch irgendwann für die Dieseltanks umzusetzen, sollte eigentlich keine nennenswerte Herausforderung mehr darstellen. Die Tanks sind wenigstens simple Quader und die Geberwerte somit linear.

Was mich bei der ganzen Aktion ein wenig verwundert hat: Den Arduinos scheint es völlig egal zu sein, ob der Tankgeber nun nur mit der serienmäßigen Halbmeterstrippe angetüddelt ist oder ob da noch 8m zweiadriges 1.5er Kabel zwischengelötet werden. Das sind Geber mit 0-190 Ohm, da sollte man ja eigentlich meinen, daß 16m Kabel hin und zurück irgend einen leicht erhöhten Widerstand leisten. Scheinbar nicht, an den Messwerten hat sich jedenfalls nix geändert. Was die ganze Sache insofern vereinfacht, daß ich dann für beide oder vielleicht sogar alle vier Tankgeber nur EINEN Arduino verplempern muß, der dann auch irgendwo warm und trocken sitzen kann, anstatt direkt auf dem Tank.

Am Montag brachte Brad meine „goldbeschichteten“ Schranktüren vorbei, und nachdem er nach unserem Gespräch letzte Woche offenbar eine Fremdschäm-Attacke wegen Morgans Rechnung durchlebt hatte, wurde mir für das Lackieren der nun fünf Teile denn nur noch eine halbe Stunde in Rechnung gestellt, so daß das Gesamtergebnis zwar immer noch horrend überzogen ausfiel, aber letztlich nicht ganz  so dramatisch, wie nach der ersten Rechnung befürchtet. Jetzt muß ich nur noch irgendwann Scharniere besorgen, und die Dinger einbauen.

Daß dann gegen Mittag John tatsächlich pünktlich mit meinem bestellten Solarpanel auftauchte,hat meine Stimmung auf jeden Fall deutlich verbessert. Er hatte das Ding (ohne Verpackung) mit ein paar billigst-Spanngurten aus dem hiesigen Äquivalent zu deutschen 1€-Märkten auf den Dachgepäckträger seines Hummer geschnallt, um es herzutransportieren. Da es das überlebt hat, wird das wohl auch in einem Stahlrahmen auf meinem Geräteträger so sein.

Da ich das klobige Teil nicht unbedingt einladend unter dem Boot stehen lassen wollte, haben wir es zunächst aufs Cockpitdach gelegt. Nachdem ich es spontan gleich mal angeschlossen hatte, zeigte mein Batteriemonitor immerhin um die 15A Ladung an. Für einen Herbstnachmittag mit Abschattung durch die nebenstehende Segler-Masten etc. kein schlechter Wert. Da geht noch was … 🙂

Als ich am Dienstag zu Morgans Garage marschierte, um die beiden Rechnungen zu bezahlen, stieß ich dabei auf Jaques, der die Garage neben Morgan „bewohnt“. Der war gerade dabei, meine bestellten „Bullaugen-Mützen“ anzuschleifen, um sie anschließend zu lackieren. Ich schätze, morgen sollten sie wohl fertig sein. Wir haben uns fast eine Stunde unterhalten, und nachdem einigermaßen klar zu sein scheint, daß der vor mir stehende Kat wohl tatsächlich zeitnah da verschwindet, über das Wiederaufstellen meines Mastes und die damit verbundenen anstehenden Arbeiten gesprochen.

Daß da das Radom angebaut werden muß war ohnehin klar, daß alle im  und am Mast laufenden Leinen und Kabel erneuert werden sollen, ebenso. Meine beiden mitgebrachten „Einleinen-Reffsysteme“, das Toplicht und die vor Monaten schon mal erwähnte Deckslampe liegen hier irgendwo zum Einbau bereit, und da das sog. „stehende Gut“, also all die schicken Edelstahldrähte, die den Mast am umkippen hindern sollen, inzwischen fast 10 Jahre alt sind, werden wir die wohl ebenfalls noch erneuern, wenn der von Jaques aus dem Handgelenk geschüttelte zu erwartende Preis ansatzweise der Realität entspricht. Meine Versicherung wird es bestimmt freuen, die stehen auf neues Rigg alle 10 Jahre 🙂

Nachdem wir ausgiebig über die Vor- und Nachteile eines Dyneema-Riggs philosophiert hatten, fiel die Entscheidung zugunsten herkömmlicher Edelstahl-Stage und -Wanten. Auch wenn Dyneema langlebiger (sofern gegen UV und Scheuern geschützt) und stärker sein soll: Den Preisunterschied werde ich in meiner potentiellen Seglerkarriere wohl nicht mehr einholen können. 

Und dann kann der Spargel endlich aufgestellt werden, auf daß Sandy und ihre Mannen von Ullman Sails in Durban die Maße für die neuen Segel nehmen können. Es  deutet sich an, daß dieser Monat wohl ein klein wenig ausgabeintensiver verlaufen wird, als die letzten. Gar nicht auszudenken, wenn nun auch noch Stephen irgendwann mit dem fertigen Dodger angeschleppt kommt und dann auch noch die restliche Kohle haben will …

Seit gestern habe ich übrigens auch wieder einen gebrauchsfähigen Backenzahn. Hat mich jetzt insgesamt eineinhalb Stunden im Zahnarztstuhl und runde 4.000,-R gekostet, aber immerhin.

Nachdem mir neulich nochmal ein großes Stück abgebrochen  und eigentlich nur noch die Außenwand übergeblieben war, hatte ich schon nicht mehr damit gerechnet, daß der noch zu retten sei. Andererseits wußte ich da auch noch nicht, daß man inzwischen auch Zähne aus Epoxy (oder jedenfalls Harz) direkt im Mund baut.

Das schmeckt zwar während der Prozedur echt scheußlich und scheint ziemlich säurehaltig zu sein, ist aber wohl vermittels UV-Licht umgehend ausgehärtet und hält angeblich genausogut, wie ein „richtiger“ Zahn. Wird sich zeigen.

Gestern abend gab es dann, als Novum für mich, eine Pflichtveranstaltung des Clubs. Alle „Liveaboards“ (also diejenigen, die hier im Yachthafen auf ihren Booten wohnen, immerhin so um die 20 Leute) waren aufgefordert, sich um 17h30 am Braai-Platz einzufinden, da die Clubleitung wohl mal ihre Notfall-Prozeduren überarbeiten wollte oder mußte und dabei auch drauf kam, daß hier ja Leute leben, die in Notfällen wie Feuer, Tsunami oder was auch immer ggf. evakuiert werden müßten, oder alternativ bei etwaigen Hilfsmaßnahmen mithelfen könnten.

War eine recht kurze Veranstaltung. Morgan teilte mit, um was es überhaupt ging, es wurden Namen, Bootsnamen und Telefonnummern erfaßt und dazu aufgerufen, etwaige im Notfall möglicherweise hilfreiche Zusatzqualifikationen wie z.B. eine Sanitäter- oder Feuerwehr-Ausbildung mit bekannt zu geben,  und das war’s auch schon. Außerdem sollte jeder Skipper eine Kopie seines „First Aid“-Zertifikates im Office abgeben. Müßte ja jeder haben. Öh? Ich schätze, auf meinem letzten „Erste Hilfe“-Zettel stand ein Datum von irgendwann Mitte 1978. Den habe ich allerdings schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. :oops:

Keine grandiosen Essensbilder dieses Mal. Das einzige, was ich in den letzten Tagen warm auf den Tisch gebracht habe, war unten abgebildetes Filet mit Pilzen, Zwiebeln+Knobi und sowas wie Kroketten aus Butternut-Kürbis, die ich wohl ein bischen zu lange im Ofen gelassen hatte. War zwar außen alles ein klein wenig zu dunkel, schmeckte aber trotzdem ganz gut 🙂