Kleine Fortschritte sind auch Fortschritte

Der hiesige Herbst schwächelt etwas. Will heißen: Es war mit 32°C durchaus sommerlich warm heute. Da sich Simon für zwei Tage zum Aushilfsschleifen und -pinseln an dem Katamaran gegenüber abgemeldet hatte, war ich heute wieder mal allein zugange. Jedenfalls bis um halb zehn, als dann Andries mit seinen Schergen aufschlug. Meine freudige Erwartung, daß nun heute der Motor endgültig positioniert und der Antrieb samt Abgasführung angebaut werde könnte, erhielt natürlich umgehend einen erneuten Dämpfer:

Heute kam er damit an, daß es  ihm bisher nicht gelungen sei, eine Einbauhülse für den Abgas-Temperaturfühler aufzutreiben, für die ich ihm schon vor sechs Wochen extra ein Bild mit den Daten ausgedruckt hatte. Gnaahh…

Eigentlich ein Standard-Bauteil im Heizungs- und Solarthermie-Anlagenbau, das normalerweise jeder entsprechende Fachbetrieb für kleines Geld besorgen können sollte. Nur scheint es solche hier  nicht zu geben.

Besagte Hülse wäre nun insofern jetzt einigermaßen wichtig gewesen, weil sie in das Endstück der Abgasführung eingebaut werden muß, bevor der ganze Krempel zusammengebaut wird, da man ansonsten nicht mehr drankommt, ohne den Antrieb wieder abzunehmen. Hier im Shop hätte ich zwar einen Vetus Abgas-Thermoschalter (nur für einen Alarm, keine Temperaturausgabe) für lachhafte 2.880,-Rand (ca. 180,-€) ohne das zugehörige Instrument bestellen können, das war mir der Spaß dann allerdings doch nicht wert und hätte vermutlich eh die obligatorischen drei Wochen gedauert.

Außerdem will ich nicht nur wissen, dass das Abgasrohr zu heiß wird, weil gerade die Seewasserpumpe verstopft oder defekt ist (auch wenn das natürlich der Hauptgrund für den Einbau wäre), sondern ich will auch sehen können, wie warm das wird und wie warm eigentlich „normal“ ist. Der Vetus-Schalter bzw. dessen Instrument macht einfach bei über 75° eine Lampe an und hupt vor sich hin.   Ob das dann 76 oder 125° sind, bleibt erstmal unklar. Da bleibt einem dann nur „Motor aus, und nachsehen“. Bischen mehr Information wäre in einer entsprechenden Situation sicher hilfreich.

Also habe ich vorhin eine entsprechende Tauchhülse UND den dazugehörigen PT1000-Temperatursensor für zusammen ungefähr 20,-€ bei Pollin bestellt. Schade eigentlich, daß  diese Ansage nicht schon vor drei Wochen oder eher kam. Dann wäre der Krempel nämlich in Saras letztem Paket gewesen, nächste Woche hier und wir hätten jetzt nicht schon wieder wochenlang  Stillstand …

Den folgenden halben Tag haben sie dann zu zweit damit verbracht, weiteres Feintuning an der selbstgeschmiedeten Abgasführung durchzuführen. Auch wenn das Ergebnis durchaus überzeugend aussieht: Hin und wieder stelle ich mir schon die Frage, ob die Betriebe hierzulande eigentlich alle so arbeiten, wie die hier auf dem Gelände. Da verwundert es einen dann auch nicht, daß die südafrikanische Wirtschaft scheinbar  langsam aber sicher den Bach runtergeht und eigentlich jeder nur am Meckern über die ganze Situation ist.

Auspuff. Handgefertigt …

Dafür gab es positive Neuigkeiten von anderer Seite: Als ich John heute morgen seinen Gewindeschneidsatz zurückbringen wollte, war er gerade mit dem Eigner des Seglers ein paar Boote schräg vor mir zugange und debattierte über die auf diesem zu installierenden neuen Solarpanels. Hellhörig geworden, verfolgte ich das eine Weile, und wie sich rausstellte, besorgt er diese Panels nicht nur, sondern sie sind auch noch vergleichsweise bezahlbar. Nachdem wir zurück auf Thelxinoe mal meinen Geräteträger etwas genauer vermessen hatten, habe ich ein 330W-Panel (knapp 2x1m) bestellt, welches mutmaßlich nächste Woche kommt. Mit umgerechnet 180,-€  hier vors Boot geliefert ist das sogar billiger, als über ebay entsprechend große Panels aus China zu kaufen.

Meine beiden derzeit verbauten antiken 70Wp-Panels von Shell schaffen es bei strahlendem Sonnenschein zusammen gerade mal auf 2.5A. Das bestellte Panel ist mit 38V Nennspannung mit 8.8A angegeben. Vom Victron-Regler auf 13.8V runtergeregelt, sollte das Ding also theoretisch irgendwas um die 24A raushauen können. Zusammen mit den restlichen 700Wp in flexiblen Panels, die auf das Bimindach sollen (wenn es denn jemals fertig wird :roll:), sollte das wohl für den zu erwartenden Stromverbrauch an Bord allemal genügen, solange die Sonne scheint.

Gedankenspiele: Dieser zwerpelige 12V-Elektroaußenborder, den ich mal irgendwann für knapp über 100,-€ bei ebay gekauft hatte, hat es immerhin geschafft, mein 1000Kg-Jetboot damals mit ungefähr 7Km/h durchs Wasser zu schieben und brauchte bei 5Km/h um die 25A, 35 bei Vollgas.  Auch wenn Thelxinoe natürlich mit 6.5to bedeutend schwerer ist, schiebt sich ein Segelboot aufgrund der Rumpfform normalerweise wesentlich einfacher als ein Motorboot, also sollten zwei von diesen Motoren theoretisch ausreichen, mich mit 2-2.5kts durch die früher oder später zu passierenden Kalmenzonen zu schubsen, solange wenigstens die Sonne ausreichend scheint. Vielleicht durchaus eine Ergänzung zu den max. 300l Diesel, die ich wohl an Bord haben werde. Diese statt an den Volvo an den höchstens ein Viertel soviel verbrauchenden Generator verfüttert und noch ein entsprechend großes Ladegerät nachgerüstet, müßte als Range-Extender durchaus funktionieren um auch Nachts oder ohne Sonne weiterfahren zu können.

Da Andries passend nach der Bestellaktion wieder auftauchte, habe ich mit dem gleich die Anfertigung eines entsprechenden Rahmens für das Panel vereinbart, das mutmaßlich schon Anfang der Woche (ja, tatsächlich nächster Woche :mrgreen:) geliefert werden soll. Und wo er schonmal das Schweißgerät im Gang hat, kann er dann auch gleich ein paar Davits und eine neue hintere VA-Abstützung für die noch zu bastelnde Badeplattform zusammenbraten.

Und noch ein freudigs Ereignis bahnt sich an: Letzte Woche hatten Morgans Gehülfen unter Anleitung von Jaques angefangen, das Unterwasserschiff des vor mir geparkten Katamarans EcoPromise final anzuschleifen und mit fünf Lagen NoMosis (Osmose-Schutz auf Epoxy-Basis, ist bei Thelxinoe auch draufgekommen) gerollt. Nachdem das über den Feiertag endausgehärtet war, ging es heute morgen daran, CopperCoat aufzutragen und siehe da:

Pünktlich zum Feierabend war die Kiste mit vier Lagen CopperCoat beschichtet und muß jetzt die nächsten 72 Stunden aushärten. Ich hatte ja zugegebenermaßen schon nicht mehr damit gerechnet, daß das Ding vor meinem Boot fertig würde und daß ich dann dafür aufkommen müßte, den Kahn aus dem Weg zu räumen, wenn Thelxinoe ins Wasser soll. Der Eigner der damals neben mir gestandenen TrueNorth hat für genau so eine Aktion schließlich wutschnaubend über 1.000,-€  zusätzlich zu den eigenen Einwasserungskosten abgedrückt 8-O

Jaques ließ sich zu der Aussage hinreißen, daß EcoPromise nächste Woche endgültig wieder zusammengebaut werde und dann umgehend ins Wasser soll. Das wäre ja zur Abwechslung mal echt was erfreuliches, da es dann zum Einen definitiv nicht mein Geld kostet, den da wegnehmen zu lassen, und zum Anderen Platz für den Mobilkran ist, um endlich meinen Mast wieder aufzustellen, wofür ich mit Jaques dann vorsorglich schon mal für übernächste Woche einen Termin  vereinbart habe 🙂

Auch wenn ich dann künftig auf meinen Carport verzichten muß: Ich kreuze mal alle Finger und Zehen :mrgreen:

Ebenso unerwartet, aber dennoch hochwillkommen: Am späten Nachmittag, als ich gerade nach erledigtem Tagwerk meinen ersten Kaffee seit Stunden im Cockpit schlürfen wollte,  tauchte Brad auf. In der einen Hand eine weitere Abdeckung fürs Bad, in der anderen einen Regenabweiser für die seitlichen Portlights, so wie ich sie neulich an der Adriana gesehen, und umgehend Brad zu diesem Thema angequatscht hatte.

In den vier Jahren, seit ich diesen Kahn inzwischen habe, ist es mir nämlich fast ein Dutzend mal passiert, daß ich die Portlights offengelassen hatte und zum Braai gegangen, oder einkaufen gefahren war. Letztes Mal stand das in der Pantry sogar drei Wochen offen, als ich nach Deutschland geflogen war und vergessen hatte, es zu schließen. Und jedesmal fing es irgendwann an zu regnen und hat den Kahn überschwemmt. Also: Will ich haben!

Die kleinen Schirmmützen über den „Bullaugen“ sind gemeint.

Brad hatte berichtet, daß Jaques für solche Dinger wohl eine passende Form zum Laminieren  hat und sie selber herstellt.

Das Ding also angehalten und festgestellt: Paßt genau auf meine Portlights. Daß er bei der Aktion meinen Kaffee umgekippt hat, sei ihm verziehen. Ist mir letzte Woche auch dreimal passiert.

Das beste an den Mützen: Die werden nicht von Morgan verkauft, sondern direkt von Jaques und kosten somit nicht vermutlich um die 1500R das Stück, sondern definitiv 500R. Mit umgerechnet 31,-€  sind sie damit sogar deutlich billiger, als die ehemals von Lewmar selbst angebotenen, die es aber wohl ohnehin nicht mehr zu geben scheint.

Ansonsten habe ich den heutigen Tag überwiegend mit schleifen im Cockpit verbracht und schließlich die von Brad damals angefertigte Konsole für die Einhebelschaltung an ihrem neuen Platz anlaminiert. Mal sehen, ob das bis morgen schon soweit durchgehärtet ist, daß ich noch eine Lage Glasgelege zur Verstärkung in die Kanten legen kann.

Schaltkonsole neu

Als ich die Konsole in der Hand hatte, fiel mir auf, daß diese um einen Hartschaumkern aus 12mm M-Foam laminiert worden war. Das Zeug hatte ich ja gerade erst diese Woche bei Maizey’s entdeckt. Gibt es auch in 5mm beidseitig beschichtet und macht einen stabilen Eindruck. Außerdem kostet es mit 250R/m² weniger als ein Drittel dessen, was Morgan für die angefragten Panele haben wollte. Also werde ich meine Deckenverkleidung dann wohl eher bei Maizey’s einkaufen, anstatt sie von Morgan zusammenkleben zu lassen.

Zu Essen gab es seit ein paar Tagen: Nix. Ich hatte einfach keinen Bock auf kochen. Spätestens morgen muß ich dann aber wohl mal mein eingetuppertes Rest-Filet braten, bevor sich das im Kühlschrank erst selbstständig macht. Außerdem werden mir sonst die Pilze welk…

Von der Gesundheitsfront gibt es diese Woche nicht all zu viel zu berichten, außer daß sich mein Aussehen dank der Vernarbung ein wenig an das von Danny Trejo (der typische Scarface-Badass-Mexikaner in diversen US-Filmen) angenähert hat und so gaaanz langsam wieder das Gefühl in meine rechte Gesichtshälfte zurückkehrt. Ich muß allerdings zugeben, daß sich das äußerst irritierend anfühlt und juckt wie Hölle. Da ist immer noch ein 5-Markstück-großer Fleck ohne jedes Gefühl, aber drum herum ist es inzwischen hypersensibel. Wenn ich drankomme oder auch nur das Gesicht verziehe, stellt sich umgehend ein extremer Juckreiz vom Augenlid bis fast zum Ohr ein, äußerst nervig. Ich hoffe, das bleibt nicht so.