Archiv der Kategorie: Unterwegs

In the air tonight

Der Rückweg verlief glücklicherweise doch etwas hindernisärmer als die Hinreise. Zwar hatte auch dieses Mal mein südafrikanischer Zubringer-Flug fast eine dreiviertel Stunde Verspätung und bei dem Taxifahrer, der mich von Richards Bay zum Flughafen nach Durban kutschiert hat, überfiel mich aufgrund seiner Fahrweise unterwegs durchaus das ein oder andere Mal das Gefühl, In the air tonight weiterlesen

Da simmer wieder …

Zugegeben, der letzte Beitrag ist mächtig lange her. Da ich die letzten eineinhalb Jahre  aber auch gar nicht am Boot war, gab es nicht so unheimlich viel zu berichten.

Nun bin ich aber nach einer etwas chaotischen Odyssee wieder in Südafrika, und siehe da: Das Boot ist noch da. Coppercoat ist aufgetragen, Morgans Boys haben, nachdem sie mit den Fenstereinbauten fertig waren, wieder einigermaßen aufgeräumt und wirklich alles in Kisten verstaut, so daß ich heute  fast den kompletten Tag damit verbracht habe Inventur zu machen und Da simmer wieder … weiterlesen

Zum ersten Mal am Indischen Ozean

Freitag war Einkaufstag. Nachdem wir uns in der Boardwalk Mall mit den nötigen Grundnahrungsmitteln für das Wochenende versorgt und das Datenvolumen der Prepaidkarten wieder aufgestockt hatten, machten wir einen Abstecher an den (nicht übermäßig besuchten) Alkantstrand  Beach um die Ecke, wo es sich Andi nicht nehmen ließ, wenigstens mal die Füße in den Indic zu halten.

Bei gefühlten 5-7bft, 1.5m Welle und angenehmen 30°C hatten einige Kiter durchaus ihren Spaß, zum baden war es uns aber dann doch zu windig mit definitiv zuviel Sand in der Luft, also machten wir uns auf den kurzen Weg vom Strand auf den vorgelagerten Wellenbrecher und spielten eine Weile „Schiffe gucken“.

Andi auf der Pier zur Hafenausfahrt
Andi auf der Pier zur Hafenausfahrt

Das Wochenende war wettertechnisch dann ziemlich durchwachsen: von schweißtreibenden 32°C bei knalligem Sonnenschein bis zu spontan innerhalb von 10 Minuten hereinbrechenden 50kts Wind oder kurzen, aber heftigen  Regenfällen war alles dabei. Glücklicherweise sind wir von den Temperaturen im Dezember aber mächtig weit entfernt. Die aktuellen sind eigentlich ganz gut zu ertragen.

Erste Ausfälle an Bord waren auch schon zu verzeichnen: Mein erst im Dezember erstandener Zyklon-Staubsauger verabschiedete sich bei dem Versuch, eine Handvoll Sägespäne aufzusaugen, innerhalb von Sekunden eindruckschindend mit einer funkensprühenden Lightshow und war danach nicht mehr zur Mitarbeit zu bewegen. Immerhin hat er nicht auch noch das Boot abgefackelt :-)

 

Wieder mal Richards Bay

Der Winter in Deutschland war recht unspektakulär und, zumindest im Weserbergland, überwiegend schneelos. Wie bereits nach der DHL-Erfahrung im Dezember geplant, brachte ich meine Päckchen dieses Mal ein wenig früher auf den Weg und am 20. April bestieg ich mit Andi und ca. 60 Kg Gepäck gegen 11h den Flieger nach London, um von dort aus über Nacht weiterzufliegen nach Johannesburg.

Sieben Stunden Aufenthalt in London
Sieben Stunden Aufenthalt in London. Ganz schön anstrengend, wie man sieht…

 

Unser Flieger nach Südafrika
Unser Flieger nach Südafrika

Da Andi der Meinung war, daß er, wenn er schon mal nach Afrika kommt, auch ein bischen was vom Land sehen wollte, sind wir dieses Mal nicht nach Durban weitergeflogen, sondern in Jo’burg ausgestiegen und mit dem gemieteten Chevy Aveo die N17/N2 über Ermelo, Piet Retief und dann an der Grenze zu Swasiland entlang gen Süden gejuckelt. Gut ausgebaute Straßen auch hier, mal unterbrochen von einer einzelnen Baustelle mit 10 Minuten Wartezeit, aber ansonsten sehr gut zu fahren.

Unterwegs auf der N2 nach Süden
Unterwegs auf der N2 nach Süden

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Das Wetter war zunächst durchaus angenehm. Temperaturen um die 24°C bei zumeist leichter Bewölkung machten uns den Einstieg in den südafrikanischen Herbst leicht. Je näher wir der Küste kamen, um so höher kletterte allerdings auch das Thermometer, und als wir dann nach gut 650Km Fahrt gegen 17h in Richards Bay ankamen, waren es bereits 32°C mit entsprechendem Aufschlag im verschlossenen Boot, was die erste Nacht wieder mal zu einer Schwitzpartie inclusive dazugehöriger Mosquito-Attacken ausarten ließ.  Also genau so, wie man sich als gerade aus dem Wintermodus gekommener Mitteleuropäer eine entspannte Nacht an Bord so vorstellt :-)

Ich hatte ja seit Januar diverse Arbeiten von Jannies Sohn Morgan bzw. dessen Arbeitern durchführen lassen. So sollten u.a. sämtliche Rumpfdurchlässe ersetzt werden, der nicht funktionierende Absorber-Kühlschrank einem neuen 130L Engel Kompressorkühlschrank weichen und sämtliche Frisch- und Abwasserschläuche in Pantry und Bad erneuert werden. Vorgefunden haben wir dann jede Menge Löcher im Rumpf, ein Paket mit den Durchlässen, eine zerlegte Pantry und ein komplett leergeräumtes Bad, das immerhin schon geschliffen und geprimert ist und nun seiner Fertigstellung harrt. Der Kühlschrank ist immer noch hierher unterwegs von Übersee …

Immerhin: Die vormals am Heck angelehnte „Hühnerleiter“ aus Flacheisen war von Morgan’s Leuten durch eine irgendwoher recycelte Treppenkonstruktion ersetzt worden, was den Ein- und Ausstieg ins Boot um einiges erleichtert, wenn man beide Hände mit Einkaufstaschen, Werkzeug oder sonstigem Kram voll hat. Außerdem hatten sie wenigstens die Batterien wieder angeschlossen, so daß wir nicht auch noch im Dunkeln rumtappen mußten.

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Von der Müritz an die Ostsee 2011

Das aktuelle Expeditionsfahrzeug: Ganymed 5

Ein Überführungstörn als „Vatertagstour extended“ (Teil III)

Das Boot: Bayliner 3258 Avanti Flybridge „Ganymed“ (V)

Skipper: Martin

Crew: Andreas (Erster Offizier), Peter (Smut und TO)

Die Mission: Da das im Vorjahr erworbene Expeditionsvehikel aufgrund des Umstands, daß die Weser im Spätherbst 2010 im Bereich südlich des Mittellandkanals deutlich zu wenig Wasser geführt hatte, um nach dem Sommer-Törn wieder gefahrlos nach Hause zu gelangen, im Packeis der Müritz überwintert hatte, galt es nunmehr, das Boot bis Mitte Juni für die kurz darauf geplante Teilnahme am Sommertreffen des Boote-Forums an die Ostsee zu überführen.  Zu diesem Behufe wurde die bereits bestens bewährte Mannschaft der Ganymed IV aus ihren bevorzugten Spelunken zurückgeholt, ein Planwagen mit Proviant und Ausrüstung beladen und am Himmelfahrtstage 2011 ging es erneut, diesmal über Land, in östliche Gefilde, wo die diesjährige Expedition beginnen sollte…

Tag 1 (Donnerstag, 02.06.2011  Bodenwerder – Eldenburg/Müritz)

Wieder war es Sven, der die Expeditionsteilnehmer zu ihrem Abfahrtsort brachte, und anschließend die entladenen Landtransportfahrzeuge sicher wieder nach Hause überführte.

Nachdem Proviant und Ausrüstung an Bord verstaut und Sven verabschiedet worden war, wurde die Ganymed vom Ausrüstungskai an einen anderen Liegeplatz verholt, Öl-, Benzin- und Wasserstände kontrolliert, eine gründliche Einweisung in die, gegenüber dem letzten Boot geringfügig geänderte, Technik in der Kombüse durchgeführt, der Smut nahm seine Arbeit auf und verköstigte die Mannschaft mit einem reichhaltigen Nachtmahl. Im Anschluß daran wurde ein Briefing über die geplante Streckenführung angesetzt, eine großzügige Portion Rum an jedes Mitglied der Besatzung ausgegeben und kurz nach Einbruch der Dunkelheit wurde zum Zapfenstreich geblasen. Immerhin stand der Crew und dem Schiff eine 11-Tages-Tour bevor und es galt, diese zumindest ausgeruht und bei besten Kräften anzugehen.

Tag 2 (Freitag, 03.06.2011  Eldenburg/Müritz – Plau am See)

Um die, seit Ende der letzten Expedition doch etwas eingerostete, Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen, hatte der Skipper einen frühen Appell angesetzt und die Abfahrtzeit auf eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang festgelegt. Das hätte auch fast geklappt, wäre nicht wieder mal die leidige Technik im Wege gewesen. Nach dem Start der Maschinen stellte sich nämlich heraus, daß die Backbord-Maschine, wie schon mal im Vorjahr erlebt, nur unwillig und unrund hochdrehte und äußerst garstige Geräusche von sich gab. Eine kurzfristig angesetzte Überprüfung ergab allerdings keine wirklichen mechanischen Probleme, so daß die Fahrt mit einer halben Stunde Verspätung fast pünktlich beginnen konnte. Die Lösung des „unrunder Motorlauf“ – Problems wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, da ohnehin geplant war, die ersten paar Hundert Kilometer abwechselnd nur jeweils eine Maschine laufen zu lassen.

Wir verließen somit die Marina Eldenburg, die fast ein dreiviertel Jahr lang der Stützpunkthafen der Ganymed gewesen war, und nahmen Kurs auf den westlich gelegenen Kölpinsee. Hier nun zeigte sich schnell, daß die Maschinen nicht nur nicht rund liefen, sondern ärgerlicher Weise auch nicht in der Lage waren, das Boot in Gleitfahrt zu bringen oder auf mehr als 20 Km/h zu beschleunigen. Nach diversen Versuchen, doch noch in Gleitfahrt zu kommen, wurden diese eingestellt und der Skipper entschloss sich (inzwischen leicht beunruhigt), die Lösung des Problems bis zum Erreichen des ersten Seehafens oder zumindest der Elbe zurück zu stellen, nachdem einige telefonische Anfragen bei diversen Motorenbetrieben in der näheren Umgebung keinen kurzfristig zu realisierenden Termin erbracht hatten.

Die Drehbrücke in Malchow und einr, wohl im Sturm fortgespülte, Blechbaracke mit Hilfsmotor.

Nachdem der Kölpinsee und auch der angrenzende Fleesensee somit ziemlich gemächlich durchquert waren, verpaßten wir die stündliche Öffnung der Malchower Drehbrücke um ein paar Minuten und verplemperten anschließend eine weitere halbe Stunde Wartezeit vor der Brücke liegend, die vom Smut genutzt wurde, um ein leichtes Mittagsmahl zuzubereiten.

Den von Amts wegen eingesetzten Wegelagerer auf der Brücke geflissentlich ignorierend, passierten wir kurz nach 13h die Enge und machten uns auf, Malchower- und Petersdorfer See zu überqueren, um im Lenzer Hafen die Treibstoffvorräte zu ergänzen, was zum Ende der vorigen Saison irgendwie unterblieben war. Um 460l Benzin schwerer und knapp 800,-€ erleichtert passierten wir den Lenzer Krug und bogen nach NW ab in den Plauer See, wo Skipper und 1O das klare Wasser für einen Tauchgang nutzten, um das Unterwasserschiff auf Bewuchs und Beschädigungen zu überprüfen. Da dieses keine neuen Erkenntnisse in Bezug auf die unzureichende Leistungsentfaltung des Bootes ergab, wurde auf weitere Diagnoseversuche verzichtet und die Fahrt in Richtung Plau am See fortgesetzt. Hier nutzten wir die Liegemöglichkeiten des Wasserwanderrastplatzes, versorgten uns mit Wasser und Strom und ersetzten das schon im Vorjahr beschädigte Toplicht durch ein neues. Die Nacht verlief, abgesehen davon, daß die Teilnehmer einer für den nächsten Tag angesetzten Opti-Regatta und deren Betreuer sich an eigens dafür im Hafenbereich aufgestellten Bier- und Imbiss-Buden bis spät abends ziemlich lebhaft darauf vorbereiteten, einigermaßen ungestört und wenigstens hatten uns letztere das Zubereiten des Abendessens erspart.

Tag 3 (Samstag, 04.06.2011  Plau am See – Garwitz/Elde-Müritz-Wasserstraße)

Der Tag begann mit einem angemessenen Frühstück; im Anschluß machten wir uns auf den Weg, die Hubbrücke in Plau und die darauf folgende Schleuse zu passieren, um in die Elde-Müritz-Wasserstraße zu gelangen, die uns im Verlauf der nächsten Tage bis nach Dömitz an der Elbe bringen sollte. Die Schleusung verlief, wie auch alle noch folgenden, routiniert und störungsfrei. Die Crew zeigte, daß sie nichts von den 2009 erlernten Fertigkeiten vergessen hatte und so zogen wir gemächlich mit 6-8 Km/h unter Benutzung nur einer Maschine durch den Kanal, wobei uns für den Rest des Tages ein Kuhnle-Charter-Bügeleisen mit einer offensichtlich absolut unerfahrenen Mannschaft gesetzteren Alters im Nacken saß, die uns dann ungewollt mit lockeren Sprüchen erfreute, bis wir gegen Abend den Wasserwanderrastplatz Garwitz erreichten.

Beispiel gefällig?

Bügeleisen-Fahrerin: [zu einer Gruppe Kajak-Fahrer, die, offenkundig auf die Öffnung der Schleuse wartend, gemächlich auf diese zupaddelte]

„Wollen Sie auch durch die Schleuse?“

Kajak-Fahrer: [sichtlich irritiert ob der Frage] „Äh, ja. Klar“

Bügeleisen-Fahrerin: [nach kurzem Überlegen]

„Wo sind denn Ihre Fender???“

[Stimme aus dem Off: „pruust…“]

Aber: Sie waren alle sehr nett, haben uns in der ersten Schleuse vorgelassen, obwohl sie zuerst am Wartesteg lagen, nahmen tatsächlich Tips zum Schleusen und zur Leinenführung von uns an, und haben sich jedes Mal tierisch gefreut, daß wir an jeder weiteren Schleuse auf sie gewartet haben, obwohl wir sicherheitshalber immer einige hundert Meter Abstand zwischen uns und sie gebracht hatten, nachdem wir aus den Schleusen kamen. :-)

(das hatte selbstverständlich fast gar nichts damit zu tun, daß wir imnmer schon in der nächsten Schleuse festgemacht sein wollten, um sie ungestört beim einfahren und „Poller-fangen“ beobachten zu können, was zugegebenermaßen nach der vierten oder fünften Schleuse deutlich weniger spektakulär wurde, da sich eine gewisse Routine einzustellen begann >:-)

Nach einem bis dato für die Ganymed-Crew ungeübten, aber trotzdem fast perfekt gelungenen Anlegemanöver (Heck zum Steg und Bug zwischen Dalben) wurde der Cobb-Grill auf den Steg gestellt, die nähere Umgebung samt Nachbarstegen kurzfristig eingenebelt und nur Minuten später erklang des Smut’s Glocke zum Nachtmahl. Nach dem Verzehr diverser Steaks samt Beilagen begab sich die Mannschaft zur Ruhe, wobei zumindest dem Skipper nunmehr schmerzlich bewußt wurde, daß er es seit zwei Tagen versäumt hatte, die erforderliche Ration UV-Blocker anzuwenden. Nach dreimal 10 Stunden auf der Flybridge bei strahlendem Sonnenschein nahmen die betroffenen Körperteile mittlerweile eine deutlich leuchtendere Färbung an, als üblich.

Tag 4 (Sonntag, 05.06.2011  Garwitz/Elde-Müritz-Wasserstraße – Dömitz/Elbe)

Wir verließen Garwitz nach einem späten Frühstück und wendeten den Bug wieder Richtung Westen. Die Bügeleisen-Crew hatte am Vorabend bereits angekündigt, sich über die Stör-Wasserstraße Richtung Schwerin absetzen  zu wollen, womit zwar unsere Unterhaltungsquelle wegfiel, dafür aber auch die verlängerte Wartezeit an den Schleusen. Wir fuhren fast den ganzen Tag allein vor uns hin, nur hin und wieder mal überholten wir ein paar Kanuten oder Kajak-Fahrer. Da wir in Grabow fast eine Stunde auf die Öffnung der Hubbrücke warten mußten, kamen wir erst gegen Abend in Dömitz an und waren knapp zu spät, um noch in die Elbe zu schleusen. Wir nächtigten im Sportboothafen im Oberwasser, dessen Steganlage zwar nicht übermäßig Vertrauen erweckend aussieht, sich aber als stabil genug erwies.

Tag 5 (Montag, 06.06.2011  Dömitz/Elbe)

Da der Backbord-Motor immer noch nicht zufriedenstellend lief, versuchte der Skipper telefonisch, einen halbwegs fähigen Mechaniker aufzutreiben der, mangels passendem eigenen Werkzeug, zur Überprüfung der Zündungseinstellung etc. herangezogen werden sollte. Dies gelang auch fast auf Anhieb, der Mechaniker wurde erreicht und sagte sein Kommen für den frühen Nachmittag zu, da er zu gerade noch mit dem Abbergen und Einschleppen eines Havaristen auf der Elbe beschäftigt war. Es wurde daher beschlossen, in die Elbe zu schleusen, im Stadthafen von Dömitz festzumachen und dort auf das Eintreffen des Mechanikers zu warten. Die Crew legte einen Hafentag ein, erkundete die Umgebung und ergänzte die Vorräte, während der Skipper an Bord blieb und den Mechaniker erwartete.

Nachdem letzterer bis um 18h immer noch nicht aufgetaucht war und auch telefonisch schon den ganzen Nachmittag nicht mehr zu erreichen war, stellte sich der Verdacht ein, daß er wohl zusammen mit dem Abgeschleppten in der Elbe verschollen sein müsse. Des Wartens müde, beorderte der Skipper seine Crew in das Hafenrestaurant, wo der Tag versöhnlich mit einem ordentlichen Essen und ein paar Bieren ausklang. Daß das Abendessen wegen eines plötzlich hereinbrechenden Unwetters fluchtartig von der Terasse in den Innenraum verlegt werden mußte, tat der Stimmung indes keinen Abbruch mehr.

Dieserart gestärkt, machte sich eine gewisse fatalistische Grundeinstellung beim Skipper breit und er beschloss, die Unzulänglichkeiten der Technik nunmehr vorerst zu ignorieren und bis zur Ostsee einfach mit dem Steuerbord-Motor weiter zu fahren. Der Sonnenbrand war ebenfalls inzwischen weitgehend abgeklungen, die Haut wechselte ihre Farbe allmählich von knallrot nach mittelbraun und da es mittlerweile wieder möglich war, ohne zu schreien auf dem Rücken zu liegen, verlief die Nacht ereignislos, ruhig und sehr erholsam.

Tag 6 (Dienstag, 07.06.2011  Dömitz/Elbe – Güster/Elbe-Lübeck-Kanal)

Die Elb-Brücke bei Dömitz

Die Fluß-Etappe Elbe-abwärts verlief ebenso ruhig wie unspektakulär. In gemütlicher Verdrängerfahrt dahintrödelnd, passierten wir Hitzacker, Darchau und Boizenburg, um am Nachmittag nach kurzer Wartezeit in Lauenburg in den Elbe-Lübeck-Kanal zu schleusen. Das aufregendste Ereignis des Tages war noch der Augenblick, als der Skipper seine geliebte BF-Mütze in der Elbe versinken sah, die es ihm in einem unachtsamen Moment vom Schädel geweht hatte. Das Ding war schneller im Schraubenwasser versunken, als irgendjemand „MOB“ rufen konnte.

Ansonsten war auf der gesamten Strecke relativ wenig Verkehr zu verzeichnen und es wurde lediglich einmal etwas hektisch, als ein leerer Tanker uns ausgerechnet in dem Moment einholte, in dem uns ein Schwimmbagger entgegenkam, der gerade von einem doppelt-breiten Schubverband überholt wurde, was das eigentlich hinreichend breite Elbe-Fahrwasser schlagartig zu einem Nadelöhr mutieren ließ.

Aufgrund des Umstandes, daß die Ganymed lediglich aus ein paar Lagen Glasfaser-Matte und etwas Harz besteht und somit definitiv das schwächste Element dieser Begegnungs-Gruppe darstellte, hielt es der Skipper für eine gute Idee, das Fahrwasser zügig zu verlassen und den Vorgang mal lieber von außerhalb der Gefahrenzone zu beobachten… Nachdem wir ein paar Km weiter flußabwärts die Schleuse Lauenburg passiert hatten, legten wir noch einige Kilometer im Elbe-Lübeck-Kanal zurück und beendeten den Tag schließlich im Sportboothafen am Campingplatz Güster. 

Tag 7 (Mittwoch, 08.06.2011  Güster/Elbe-Lübeck-Kanal – Lübeck)

Bis hierhin hatten wir Wetter-technisch richtig Glück gehabt: Kaum Regen, meist Sonne oder zumindest soweit trockenes Wetter, um vom 2. Steuerstand auf der Flybridge zu fahren. Heute jedoch empfing uns schon der frühe Morgen mit Regen in Sturzbach-Qualität, der auch über den gesamten restlichen Tag nicht nennenswert weniger wurde. Der Skipper beschloss, daß es völlig ausreichte, wenn EIN Besatzungsmitglied bei den Schleusenmanövern naß würde, und verbrachte den Tag am Innensteuerstand. 

So verging der Tag überwiegend mit ruhigen Kanalabschnitten und routiniert durchgeführten Schleusenmanövern, unterbrochen lediglich in der Schleuse Büssau durch eine akrobatische Einlage des die Leinen bedienenden 1O, der aufgrund ungeeigneten Schuhwerks während des Schleusenmanövers über Bord ging (Terminus technicus: „aafjlitscht“) und sich nach einer elegant anmutenden halben Rolle rückwärts auf dem Rücken liegend neben der Schleusenkammer wiederfand.

Außer etwas verletztem Stolz und einer durchweichten Hose gab es keine Schäden zu beklagen, so daß wir unsere Fahrt Richtung Norden ohne weitere Verzögerung fortsetzen konnten.

Am Nachmittag erreichten wir das Ende des Elbe-Lübeck-Kanals und machten für die Nacht im Lübecker Hafen fest. Die junge Hafenmeisterin erwies sich als überaus freundlich und hilfreich, nahm die Brötchenbestellung für den nächsten Morgen entgegen und versprach, sich um die Alarmierung eines kompetenten Mechanikers zu kümmern, der am nächsten Tag das leidige Motorenproblem endlich zum Abschluss bringen sollte.

Aufgrund des immer noch ekligen Regenwetters verzichteten wir auf einen ausgedehnten Landgang und verholten uns stattdessen frühzeitig in die Kojen.

Tag 8 (Donnerstag, 09.06.2011  Lübeck – Travemünde – Großenbrode/Ostsee)

Die Brötchen waren pünktlich und wohlschmeckend, die Duschen heiß und sauber, der Regen hatte in der Nacht aufgehört und eigentlich fehlte zu unserem Glück jetzt nur noch der avisierte Mechaniker. Dummerweise ergab sich im Verlauf eines Telefongespräches mit selbigem, daß dieser zwar versierter Diesel-Schrauber war, mit V8-Benzinern jedoch keine nennenswerten Erfahrungen vorweisen konnte, worauf er sich für unzuständig erklärte. Einigermaßen frustriert, fing der Skipper an, selbst in den Eingeweiden der Maschine rumzubasteln, und nachdem alles wieder zusammengebaut war, der Motor immerhin deutlich ruhiger als zuvor (und auf allen Zylindern) lief, und die obskuren Geräusche auch nicht wieder auftraten, wurde entschieden, die Fahrt Richtung Ostsee  ohne weitere Verzögerungen fortzusetzen.

Im Verlauf der Trave wurden die entgegenkommenden Schiffe deutlich größer als bisher. Davon unbeirrt, setzten wir unseren Weg bis Travemünde fort, um an der dortigen Bunkerstation erneut voll zu tanken, bevor es auf die offene See gehen sollte. Weitere 350l Super fanden den Weg in unsere Tanks, wir klarierten das Boot auf, verstauten alle absturz-gefährdeten Ausrüstungsteile seesicher und hielten Kurs auf die Ostsee.

Das Wetter war uns wohlgesonnen, Wind und Wellen hielten sich in angenehmen Maßen und so trödelten wir unserem Tagesziel entgegen. Ein zwischenzeitlicher Beschleunigungstest ergab, daß das Boot zwar immer noch nicht vernünftig in Gleitfahrt zu bekommen war, immerhin liefen aber beide Motoren nun einigermaßen rund und ohne ungewöhnliche Geräuschentwicklung. Wir erreichten Großenbrode am Nachmittag, machten am Außensteg der Marina fest und verbrachten einen gemütlichen Abend und eine ruhige Nacht, irritiert lediglich durch ein paar Ratten, die sich ungeniert auf dem Steg vor uns tummelten..

Tag 9 (Freitag, 10.06.2011  Großenbrode – Damp)

Spät am Vormittag warfen wir die Leinen los und nahmen Kurs auf den Fehmarnsund. Bei angenehmem Wetter zogen wir gemächlich unsere Bahn durch den Sund, vorbei an Heiligenhafen und Stollergrund, über die Kieler Außenförde hinweg Richtung Damp, wo wir am Nachmittag einliefen und uns einen Liegeplatz suchten.

Tag 10 (Samstag, 11.06.2011  Damp)

Zufrieden, das angesetzte Törnpensum locker geschafft zu haben, vertrödelten wir die folgenden beiden Tage bei angenehmen Temperaturen im Damper Hafen und Umgebung, bis Montag Mittag Sven wieder auf der Bildfläche erschien, um uns abzuholen.

Die Ganymed wurde für die nächsten Wochen an einen Steg im Innenhafen verholt und einige Tage später mit neuer Crew für die Tour nach Gelting Mole genutzt, wo dieses Jahr das alljährliche Treffen des Boote-Forums stattfinden sollte. Bilder oder einen Törnbericht von dieser Tour gibt’s hier zwar nicht, dafür aber einige aufbereitete Videos von der Bordkamera der Ganymed.

Die weitere Planung für 2011 sieht eigentlich noch Anfang August einen Trip in die dänische Südsee vor und irgendwann im Spätherbst die Rückfahrt nach Bodenwerder, sofern denn genug Wasser in der Oberweser  vorhanden ist. Schaun ‚mer mal, wie sich die Dinge entwickeln…

 Letzte Bearbeitung: 21.07.2011 ME