Marianne

Eigentlich hatte ich ja neulich angekündigt, ich würde jetzt ebenfalls anfangen zu pfuschen. Scheinbar ist das aber gar nicht so einfach,  wenn man sein Leben lang versucht hat, halbwegs geradeaus zu arbeiten, jedenfalls habe ich mich tatsächlich hinreißen lassen, die von Morgans Leuten zulaminierte alte Lukenöffnung im Bad noch ein viertes und fünftes Mal zu spachteln und zu schleifen, um  wenigstens eine ansatzweise gerade Fläche hin zu kriegen. Wäre das hier ein Stahlkahn, würde sich vermutlich auch kein Mensch drum scheren, ob da zwei Milimeter Höhenunterschied im Deck sind, und eigentlich kommt ja ohnehin wieder eine Antislip-Struktur drauf, so daß es nicht großartig auffallen sollte.

Egal, das Deck ist jetzt gerade genug, die Delle nur noch einen halben Milimeter tief, morgen wird noch einmal feingeschliffen und dann kommt Grundierung drauf. Farbe erst dann, wenn ich mit der vorderen Luke auch soweit bin.

Derzeit beschränke ich meine Aktivitäten darauf, bis um 11h alle Außenarbeiten auf Deck abgeschlossen zu haben und dann im Schatten im Cockpit oder hinterm Boot zu verschwinden, sobald die Temperatur an Deck die 45°C-Marke knackt. Ab 14h30 liegt die aktuelle Decksbaustelle dann im Schatten des Baumes, so daß ich mich ab 15h wieder hinwagen kann, um ggf. noch mal zu schleifen oder noch eine Lage Spachtel aufzutragen. Lucky, der von Greg auf dem Nachbarkahn angestellte Hiwi, saß hingegen heute den ganzen Tag im langärmligen Blaumann in der prallen Sonne und hat am Biminitop rumgespachtelt und geschliffen. Irgendwie scheint es wohl doch mit an der Hautfarbe zu liegen, wie gut man diese Temperaturen wegsteckt. (Oder am Alter 🙂 )

Daß hier Wolken angezeigt werden, ist eine glatte Fehlinterpretation. Blöderweise habe ich die Anleitung von dem Ding nicht mit, ich bin mir fast sicher, man konnte da irgendwie die barometrische Höhe einprogrammieren.

Heute nachmittag habe ich dann meine vor ein paar Tagen schon angefangenen Holzleisten für die Verblendungen in der Pantry fertig gefräst und geschliffen. Wenn Sonntag der Regen einsetzt und man das Boot auch tagsüber betreten kann, habe ich jetzt wenigstens noch was in petto,  was ich im Innenraum weiterbasteln kann.

Das „Ding“ auf dem Titelbild ist übrigens Marianne, meine Bootsfliege. Bischen unscharf geraten, war aus der hohlen Hand fotografiert. Marianne ist rund 4-5cm groß, und  lebt mindestens schon seit meinem ersten Besuch 2015 hier an Bord, möglicherweise noch länger. Ich habe bis heute keine Ahnung, was das eigentlich für ein Viech ist oder was es hier macht, aber sobald ich eine Luke oder die Tür aufmache, schwirrt sie unermüdlich rein und raus, verschwindet für ein paar Sekunden in der Backbord-Achterkabine und haut wieder ab.

Macht man die Tür zu, sucht sie sich eine offene Luke oder ein Portlight, macht man die auch alle zu, taucht sie am nächsten Tag wieder auf. Ich muß zugeben, anfangs habe ich sie für eine zu groß geratene exotische Wespe gehalten, die irgendwo im Boot ein Nest baut, und irgendwie sieht sie ja auch ganz schön garstig aus, aber man sieht immer nur diese eine; sie fliegt hier einfach nur ein und aus, tut mir nix, also lasse ich sie gewähren. Vielleicht frißt sie ja die Ameisen, die sich hier auch ausgebreitet hatten, bis ich mit der Doom-Keule zurück geschlagen habe …

Mittagessen im Cockpit. Geht doch nix über ein richtig scharfes Chili bei 38° im Schatten 🙂