Neuer Tag, neue Baustelle

Das war nun mal ein Wochenende nach meinem Geschmack! Sonne, 28-35 Grad bei niedriger Luftfeuchtigkeit, kaum Wind: Top. Man hätte zweifellos prima Dinghy-Segeln können, aber ich hatte mir für das Wochenende anderes vorgenommen: Ich wollte für die von Brad vorletzte Woche angefertige GFK-Verblendung über dem Navi-Tisch passende Fensterrahmen fräsen und testen, ob meine ausgedachte Befestigung dafür auch wirklich einigermaßen aussieht und vor allem, hält!

Der Samstag fing zwar zunächst ein wenig chaotisch an, da ich, nachdem ich nach einem recht späten Frühstück den Frästisch aus der Garage geholt und hinterm Boot angeschlossen hatte, erstmal über zweieinhalb Stunden lang zuerst fast das gesamte Boot und schließlich auch noch die Garage auf den Kopf stellen mußte um den Koffer der Oberfräse, in dem ich vor drei Wochen noch sämtliche Fräser gesehen hatte, zu suchen. Weg, spurlos verschwunden. Nach einem Frustkaffee fing ich nochmal von vorn an, und fand ihn schließlich in meiner Schlafkabine im Schrank verdeckt unter der Tasche mit den Gastlandflaggen. Hab ich den da etwa versteckt? Bestimmt nicht, kann nur Andi oder einer von Morgans Leuten gewesen sein 🙂

Nachdem ich nun zur Fräse auch die passenden Fräser hatte, holte ich den ersten Schwung meiner Saligna-Leisten aus dem Auto und fing an, die ersten Fensterrahmen abzulängen und eine Aussparung zu fräsen. In Holz habe ich eigentlich bislang noch überhaupt nicht gefräst, mein Ding war bisher eher Polycarbonat oder Plexiglas, und so sah die erste Probeleiste dann auch aus, als ich optimistischer Weise davon ausging, daß man in eine 30×20 Leiste mit einem 13mm-Fräser problemlos in einem Rutsch eine 10×10 Kanten-Nut fräsen könne. Im zweiten Versuch war ich etwas vorsichtiger mit der Materialabnahme und siehe da: Fungschoniert. Macht zwar bei 5mm Fräsbreite immer noch höllisch Lärm, aber paßt und wird glatt, also egal. Außerdem ist das hier Holzbau, und nicht  Metall, also ist ein Milimeter Toleranz vermutlich schon weniger, als je eine Werft hier in Südafrika realisiert hat. Zumindest, wenn ich auf meinen Kahn blicke…

Arbeitsplatz auf idyllisch

Apropos Toleranz: Als ich 2016 mit Andi die Fenster erneuern wollte, hatte ich einen ganzen Karton Sikaflex 295UV gekauft, der meines Ermessens nach eigentlich für alle Fenster hätte reichen müssen. Ich mußte mich dann allerdings, da ich den Einklebe-Job mangels passend geliefertem Primer notgedrungen an Morgan abgegeben hatte, von diesem belehren lassen, laut Hersteller-Vorgabe sei bei Polycarbonatscheiben die Dicke der Sikaflex-Dichtung genau so hoch zu bemessen wie die Scheibendicke. Er hatte mir sogar Fotos gemailt, wonach sie passende Abstandshalter aus einer Gummmatte gestanzt hatten. Mein Karton mit 12 Kartuschen hätte somit angeblich lediglich für die ersten beiden Scheiben (von 12) gereicht.

Wenn ich mir nun so ansehe, wie unegal sie diese Scheiben eingeklebt haben, dann sind das an der Oberkante wohl tatsächlich 6-8 mm Dichtmasse, unten allerdings bestenfalls 1-3. Mein Plan, mit meinen  gefrästen Fensterrahmen einen direkten Anschluß bis auf die Scheibe herzustellen, ist also von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Ich werde mich somit darauf beschränken, die Nut eben pauschal 10mm zu machen. Bei rund 8-10mm GFK-Dicke in der Seitenwand ist dann eben an manchen Stellen ein Spalt zwischen Holz und Scheibe. Ist mir jetzt auch nicht wirklich soo wichtig…

Da mir bei der Sucherei nach dem Koffer in der Garage auch der Brotbackautomat ins Auge gesprungen war und ich ohnehin kein essbares Brot mehr vorrätig hatte, nahm ich wenigstens den gleich mit und habe dann Samstag Mittag mein erstes afrikanisches Wellness-Brot gebacken. Hat irgendwie geholfen, ich fühlte mich gleich besser 🙂

Sonntag morgen wurde ich um kurz vor acht bereits von einem in der Nähe rumlärmenden Kompressor geweckt. Irgendwer war offenbar schon wieder am lackieren. Also ging ich duschen, frühstückte mein Wellnessbrot und dann ging es an Tag zwei der Fensterrahmen-Aktion.

Die von Brad gefertigten Abdeckungen sehen in der Fläche dank Vakuumlaminat richtig gut, gleichmäßig und glatt aus. Wenn man auf eine Kante sieht, blickt man allerdings direkt auf den Hartschaumkern. Bei drei von vier Seiten kein Problem, weil ja dann auf der Seite ohnehin Wand oder Decke ist, lediglich an der Unterseite hätte das ziemlich blöd ausgesehen. Also hatte ich mir überlegt, die Platte in einer 5mm tiefen Nut auf einer untergesetzten Leiste stehen zu lassen, was den Charme hat, daß die darunter angebrachte schwarze Polycarbonat-Platte mit den ganzen Garmin-Geräten in eine Nut der Unterseite derselben Leiste greifen könnte. Zwei Fliegen mit einer Leiste, sozusagen. Für die Innenseite der Fenster-Ausschnitte brauche ich dann wohl noch passendes Kederband bzw.  eine U-Profildichtung.

Also, den 13er gegen einen 5mm-Fräser getauscht, nochmal alle Anpressführungen am Frästisch ausgerichtet und mutig mitten in die Leiste gefräst, so daß die Fuge nach dem Anschrauben die gewünschten 20mm von der Wand entfernt sein würde. Paßt! Anschließend das ganze noch mit der Rückseite der Leiste wiederholt, diese passend abgelängt und provisorisch angeschraubt:

Die Lattenunterkonstruktion
UJnd so ähnlich soll das dann mal aussehen

So hatte ich mir das vorgestellt. Oben ist natürlich noch nix fest, da mir zwischenzeitlich die passenden Schrauben ausgingen und vor Montag nicht an Nachschub zu kommen ist, aber man sieht, wie es mal aussehen soll. Wenn denn alles soweit paßt und fertig ist, werde ich die ganzen Leisten nochmal abnehmen, lackieren und anschließend entweder mit Epoxy oder Sika ankleben. Die Schrauben dienen erstmal nur zur Fixierung.

Hintergedanke bei dieser ganzen Verblenderei ist natürlich eigentlich die Absicht, hinter den Panelen  20mm EPDM- oder ähnliche geschlossenporige Dämmmatte anzubringen. Wenn die Sonne direkt auf die Seitenwände scheint, ist die Wärmeabstrahlung nach innen derzeit jedenfalls beträchtlich. Mit einer brauchbaren Dämmung dahinter (und entsprechenden Maßnahmen im Scheiben- und Deckenbereich) sollte sich die Temperatur später jedenfalls deutlich besser im Griff behalten lassen. Und schließlich will ich ja hin,  wo es wirklich warm ist 🙂

Heute waren kurz nach Mittag im Boot übrigens 36°C. Nach der letzten Leiste habe ich dann auch Feierabend gemacht, mich nach draußen gesetzt und ein wenig mit Kamera und iPad rumgespielt.

Pizza kann ich tatsächlich auch alleine! Weiß gar nicht, was Andi immer mit dem Ofen gehabt hat; nach dem ersten Anzünden heute blieb er einfach an und tat was er sollte. Die Pizza war lecker, durchgehend knusprig und hatte oben und unten die richtige Farbe 🙂

Pizza quattro formaggi mit zwei weiteren Käsesorten, Brokkoli, Blumenkohl und Baby-Champignons aufgerüstet

Dazu ein Glas südafrikanischen Merlot. Das Leben kann so einfach sein 🙂