Tanklos im Regen

Nachdem wir jetzt vier Tage lang vergeblich auf das Erscheinen des von Morgan bzw. Brad eigentlich schon für Montag oder Dienstag angekündigten Hiwis für die Vorbereitung der Achterkabinen zum Aus-/Einbau der Decksluken gewartet hatten, kam es dann doch ein wenig überraschend, daß ausgerechnet am Freitag um kurz nach Acht Eric hier auftauchte, und die Kabinen abtapen wollte.

Natürlich war noch keiner von uns so richtig wach oder hatte gar gefrühstückt, also hat Andy ihn erstmal für eine halbe Stunde wieder weggejagt. Kurz nachdem wir hastig jeder eine Schüssel Cornflakes weggefrühstückt hatten, klopfte ein leicht irritiert wirkender Brad ans Boot um uns mitzuteilen, daß Tony, der Motormechaniker, auch heute wohl nicht erscheinen würde, da er sich vorgestern nachmittag irgendwas schweres auf den Fuß geworfen hat und derzeit deswegen ein wenig unpäßlich sei.

Naja, vielleicht Montag dann… Irgendwann kommt man in diesem Land offenbar zwangsweise an den Punkt, an dem sich ein gewisser Fatalismus einstellt 🙂

Eine halbe Stunde später tauchte Eric wieder auf und tapezierte im Laufe des Vormittags die hinteren Kabinen mit Staubschutzfolie. Im Grunde genommen zwar ein recht sinnfreies Unterfangen, da ich sie ohnehin noch komplett abschleifen und neu streichen will, gab der Sache aber einen professionell wirkenden Anschein und verhindert möglicherweise, daß der Rest des Innenraums auch wieder total einstaubt, sobald es ans Schleifen geht.

Nachdem das erledigt war, verschwand er erstmal zur Mittagspause, und Andi tischte das verpaßte Frühstück auf.  Wir waren gerade damit durch, als Brad schon wieder am Boot stand, um jetzt die Ausschnitte für die neuen Diesel-Tanks in den hinteren Kabinen anzuzeichnen. Nachdem wir die Verkleidungen der aktuell noch verbauten Tanks entfernt hatten, stellte sich noch ein kleineres Problem in den Weg: Laut Brads Aussage hätten die neuen, nach den inneren Abmessungen der Cockpitsitzbänke bestellten, Tanks mit 800x400x400mm (also je ca 125L Inhalt) mit etwas über 1cm „Luft“ in die maximal möglichen neuen Ausschnitte in der Kabinenwand gepaßt. Blöderweise hatte aber vorher niemand darauf geachtet, daß irgendwo mittendrin zwischen Kabinenwand und Tank auch noch die zölligen Lenzrohre für die Sitzbanklenzer im Cockpit stehen. Die müssen dann wohl auch noch weg und irgendwo anders langgeführt werden, bevor die neuen Tanks da reinpassen.

Als die alten Diesel-„Tanks“, die eigentlich nur aus vier 50L-Kunststofffässern bestanden, in die ein paar Löcher gebohrt und Durchlässe eingeklebt worden waren,

restentleert und ausgebaut waren, habe ich mir mit Brad noch ein Sägeduell geliefert: Während er mit einer Stichsäge bewaffnet die Backbordkabinenwand attackierte (und für ein 80x40cm-Loch immmerhin drei neue Sägeblätter verschliss!), mühte ich mich in der Steuerbordkabine mit dem Multimaster ab. Zugegeben, rein geschwindigkeitsmäßig hat er glatt gewonnen. Dafür sehen meine Sägeschnitte aber viel besser aus 🙂

Steuerbord-Achterkabine

So ein Fein Multimaster ist ein echt geniales Werkzeug, solange es um präzise, schmale Schnitte in Holz oder Stein geht. Bei 8-10mm GFK stößt man mit dem Segment-Sägeblatt aber wirklich an die Grenzen der Maschine. Teilweise wurde das Ding dermaßen heiß, daß ich es kaum noch anfassen konnte.

Wenigstens war es heute nicht auch noch so brüllend heiß wie teilweise die letzten Tage. Die Temperaturen lagen heute bei äußerst erträglichen 22°C, dafür hat es den ganzen Tag gewittert, geregnet, oder sah zumindest danach aus als sollte es jeden Moment wieder losgehen. Seit Mittag ist es übelst windig, und das eigentlich für Sonntag angesetzte Ansegeln des Clubs steht wohl auch unter keinem sonderlich guten Stern, denn für Sonntag sind 18°und  Böen bis zu 43 Knoten Windgeschwindigkeit angesagt.

Geradezu das ideale Wetter, um nach der Winterpause endlich erstmals wieder segeln zu gehen 🙂

Der Samstag fing dann, abgesehen von ziemlich viel Regen und einem Temperaturrückgang auf 17°, recht ruhig an, um danach aktivitätsmäßig immer mehr abzuflauen. Angesichts des Wetters schnappte sich Andi ein Buch und verkrümelte sich in seine Koje, und ich legte mich nach dem Frühstück ebenfalls nochmal hin und verpennte glatt den gesamten Vormittag. Scheinbar habe ich aber nichts verpaßt.

Nachmittags rafften wir uns nochmal kurz auf, um ein paar Einkäufe fürs Wochenende zu tätigen, und nach unserer Rückkehr  zum scheinbar total verwaisten Clubgelände bastelte Andy ein paar ziemlich leckere Burger zusammen.

Da das morgen wohl tatsächlich noch genauso ätzendes Wetter geben soll, ist jetzt eigentlich der ideale Zeitpunkt, um mal die Staffeln 6+7 von Game of Thrones zu bingewatchen, die zumindest Andy immer noch nicht gesehen hat.