Bin noch da :-)

Irgendwie kam es dann doch nicht ganz so heftig wie angesagt, was aber auch damit zusammenhängen mag, daß ich mich in den Spitzenböen nun nicht unbedingt mit meinem Handwindmesser aufs Deck stellen wollte und aufgrund des derzeit gelegten Mastes keinen anderen zur Verfügung habe. Donnerstag Nachmittag habe ich immerhin mal um die 45kts gemessen, das war mir dann böig genug.

Außer ein paar Kollateralschäden wie einer zerfetzten Rollgenua bei einem der Dauerlieger am Steg scheint die Sache glimpflich abgegangen zu sein. Die meisten ARC – Boote haben sich heute auch wieder auf die Socken gemacht, so daß es im Hafen wieder etwas ruhiger geworden ist. Ist halt noch keine Saison.

Unangenehmer Nebeneffekt der Starkwindpusterei war, daß ich die letzten eineinhalb Tage mit langer Hose, Fleece-Jacke unter einer Decke eingemummelt im Boot verbracht habe, da sich die Temperaturen im Boot nur noch bei 14-15° bewegten und draußen gefühlte 10° waren. Da fordern die 200m zu Klo und Dusche dann schon echte Überwindung 🙂

Hab mich dann dabei erwischt, wie ich mich auf der Toplicht-Homepage ausschweifend nach Refleks-Öfen umgeschaut habe. Sowas stand nun eigentlich definitiv nie auf meiner Ausrüstungsliste für die Passat-Route…

So eingesperrt fiel mir dann übrigens auf, daß bei derartigen Windverhältnissen inclusive Regen trotz eingesetztem Steckschott und verrammelter Schiebetür ganz schön viel Wasser reinkam. Das scheint wohl schon eine Weile so zu sein, was dann auch die inzwischen ziemlich dunklen Bodenbretter erklären würde, die mir schon bei meiner Ankunft aufgefallen waren.

Da das alte Steckschott ziemlich delaminiert und einigermaßen unbrauchbar war, hatten Morgans Jungs ein neues laminiert. Warum sie dafür den kompletten Schiebetürrahmen ausgebaut und im Innenraum stehen lassen hatte, statt ihn gleich wieder vernünftig abzudichten und einzubauen, bedarf wohl noch ein wenig der Diskussion.

Nachdem ich durch die Plünderung an Bord nichtmal mehr einen Akkuschrauber in meinem Werkzeugarsenal hatte, sah ich mich heute genötigt wieder ein wenig aufzurüsten und war in der Mall. Ist zwar nur ein 18V Billiggerät geworden, aber immerhin mit LiIon-Akku. Morgen werde ich also mal ein Loch in die dummerweise fest einlaminierten und somit nicht herausnehmbaren Bodenbretter bohren und nachsehen, ob die Nacelle im Innenraum tatsächlich bis zu den Brettern mit Wasser vollsteht, wie ich fast befürchte.

Muß ja nicht sein, daß der Kahn schon innerlich verrottet, bevor ich überhaupt nur losgefahren bin.

Wettertechnisch war heute gleich wieder das andere Extrem zu gestern und vorgestern angesagt: Mein Innenthermometer zeigte kurz vor Mittag schon 35°, so daß ich den Tag dann lieber draußen verbracht und z.B. erstmal die mitgebrachten Befestigungssockel für die letztes Jahr erneuerten Luken verklebt habe, damit man die Dinger endlich wieder vernünftig verriegeln kann. Vorgestern nacht mußte ich sie allen Ernstes mit DuctTape festkleben, da sie bei dem Sturm mehrfach aufgeweht worden waren.

Die Außeneinheit ist noch nicht montiert, deswegen steht da auch nix über Wind, Regen oder Außentemperatur

Bei meiner täglichen Runde über das Gelände habe ich heute Ray und Alfred kennengelernt. Ray ist Kapstädter und derzeit mit einem 48′ Fontaine Pajot Katamaran hier im Hafen, den er vor fünf Jahren irgendwo in Indonesien gekauft hat und seitdem mehr oder weniger solo „nach Hause überführt“. Seine Frau macht sich nichts aus Segeln und hat ihn an diversen Locations per Flieger für ein paar Wochen besucht. Hm… Habe ich doch schon mal irgendwo gehört, so einen Plan 🙂

Alfred hingegen ist Niederländer, verbringt im Jahr durchschnittlich 3-4 Monate mit Geländewagen und Caravan (was sonst 🙂 ) im südlichen Afrika und ist irgendwann letztes Jahr über einen zum Verkauf stehenden Wharram Tiki 26 Katamaran gestolpert, der wohl ein ähnliches Schicksal wie meine Calisto hinter sich hatte (irgendwann in den 70ern gebaut, durch 3-4 Hände gegangen, aber nie fertig geworden und auch noch nie im Wasser gewesen). Das Ding hat er spontan gekauft, ist jetzt dabei, ihn endlich fertig zu bauen und will damit dann die Ostküste hoch bis Mozambique und von da aus zur Westküste Madagaskars segeln.

Sage noch einer, ich sei der einzige Bekloppte, der hier auf dem Gelände an seinem Traum rumwurstelt 🙂 Ich bin ja nun auch nicht übermäßig Luxus-orientiert, was mein Boot angeht, aber dieser Tiki paßt im derzeitigen Zustand locker in meine Garage und hat insgesamt ungefähr doppelt soviel „Wohnfläche“ wie meine Naßzelle. Da muß man schon wirklich sehr genügsam sein, um mit so einem Teil über’s Meer zu wollen…

Ansonsten bescherte uns der Tag noch einen einigermaßen dramatisch anmutenden Sonnenuntergang, worauf ich mich dann entgegen der sonstigen Gewohnheit mal mit einer Flasche Windhoek Lager statt des üblichen Kaffees ins Cockpit zum Sundowner begab und an die 50 Fotos verballerte, um das Spektakel halbwegs brauchbar einzufangen. Siehe oben …