Komfort-Gewinn

Heute war es mit 25° angenehm. Frühmorgens hatte  es zwar noch geregnet, damit war aber gegen 10h Schluß, auch wenn es den ganzen Tag über komplett bewölkt blieb. Im Gegensatz zu gestern, war es heute aber wenigstens einigermaßen windstill. Simon hatte sich für heute wegen eines Arzttermins abgemeldet, somit hatte ich die Baustelle also für mich allein. Nachdem ich gestern schon den größten Teil der Rahmen für die Kojendeckel in den Achterkabinen zugesägt und eingebaut hatte, war heute der Rest dran. Damit fertig, nahm ich mir die seitlichen Vertäfelungen vor, die ich Simon gestern streichen lassen hatte. Rückblickend betrachtet, wär’s vermutlich klüger gewesen, ich hätte ihm auch gesagt, daß er das unter dem Boot machen soll, und nicht dahinter. Das hätte zumindest verhindert, daß ich heute morgen jede Menge festgeklebte Kiefernnadeln aus der Farbe pulen mußte, da er mit dem zweiten Anstrich erst ziemlich spät fertig geworden war und ich die ganzen Dinger über Nacht draußen liegen gelassen hatte, weil sie schlicht noch nicht anfaßbar waren. Auf einem der frisch getünchten Panele hat sich zu allem Überfluß auch noch ein Affe mit Hand- und/oder Fußabdruck verewigt. Naja, was soll’s. Nach dem fertigen Einbau sollten sie ohnehin nochmal übergemalt werden. Oder ich lasse es einfach so, und betrachte es als Andenken an Afrika 🙂

Da ich zum Frühstück nur ein paar Kekse gegessen hatte, überkam mich so gegen zwei dann doch ein leichtes Hungergefühl. Es war, wie erwähnt, erträglich warm, also stand einem Kocheinsatz nichts im Weg. Nach kurzer Suche nach Verwertbarem im Kühlschrank, gab es Penne mit Hähnchenbrustfilet und Schinkenstreifen in einer Käsesahnesauce.

Frische Erdbeeren waren  auch noch da, und so allmählich mußte nun auch der allerletzte Rest meiner neulich geöffneten Halbliterflasche Schlagsahne mal weg, also war für den Nachtisch auch gesorgt. Da stand zwar drauf, daß es „haltbare“ Sahne sei, aber andererseits stand auch ein Haltbarkeitsdatum drauf, das vor einer Woche abgelaufen war. Und daß sich eine angefangene Flasche bei den hiesigen Temperaturen über eine Woche im Kühlschrank hält, hatte ich nicht unbedingt erwartet. Fein.

Derart gestärkt, widmete ich mich anschließend der weiteren Verrohrung des Wassersystems. Die noch fehlenden Fittings wollte Stephan eigentlich gestern schon vorbeibringen, war aber dann doch nicht aufgetaucht. Aber wenigstens der Rest ist jetzt soweit schon funktionsfähig, die beiden Pumpen werde ich wohl morgen endgültig verkabeln, nachdem ich sie heute erstmal mit einer meiner kleinen AGM-Hilfs-Batterien fliegend verdrahtet und ausprobiert habe.

Irgendwann am späten Nachmittag hörte ich Stimmen hinterm Boot und als ich ins Cockpit ging um nachzusehen, stand Alfred mit seinem Stegnachbarn andächtig vor meinem Dinghy und bewunderte es. Alfred, den ich hier Ende 2017 kennengelernt hatte, war der Holländer, der hier einen Wharram Tiki 26 fertigbauen und damit an der Ostküste hoch, und dann rüber nach Madagaskar segeln wollte. Nun, der Tiki ist inzwischen immerhin soweit zusammengebaut und schwimmt. Das ist mehr, als ich von Thelxinoe sagen kann. Von einem Innenausbau ist allerdings nichts zu sehen, und nennenswert gesegelt ist er damit auch noch nicht, schon gar nicht an der Küste entlang, geschweige denn nach Madagaskar. Aber immerhin: Das Boot liegt am Steg und steht nicht mehr zerlegt an Land rum.

Nachdem wir eine Weile über die Vorzüge und Nachteile diverser Beiboottypen gequatscht hatten, zogen die beiden von dannen und ich machte mich wieder ans Rohre verlegen. Kurz nach Sonnenuntergang tauchte dann tatsächlich Stephan mit den noch fehlenden Anschluß-Teilen auf, und nachdem wir den Dichtigkeitstest des Systems im dritten Anlauf dann erfolgreich absolviert hatten, kann ich mit stolzgeschwellter Brust vermelden, daß ein Stück Zivilisation an Bord eingekehrt ist: Fließendes Wasser ohne manuelle Pumperei. Toll 🙂

Nachdem Stephan wieder abgeschwirrt war, habe ich mich getraut und den bis dahin wohlweislich gegen versehentliches Einschalten abgetapeten (um nicht den Heizstab durchzubrennen, solange kein Wasser drin war) Sicherungsautomaten für den Boiler freigelegt und auch diesen eingeschaltet. Eine knappe halbe Stunde später hatte das Gerät die 25L Inhalt erwärmt, und ich in der Tat brühheißes Wasser in der Pantry und im Bad. Künftig kann, ohne Rumgehampel mit Wasserkocher oder Herd, mit warmem Wasser abgewaschen werden. Wat für ein Komfort … Jetzt muß ich mich nur wieder dran gewöhnen, nicht mehr dauernd auf die Fußpumpe zu latschen, wenn ich Wasser brauche. Echt irritierend 🙂