Tristesse

Es regnet. Seit zweieinhalb Tagen eigentlich fast ununterbrochen. Da soll man nun  keine depressiven Anwandlungen kriegen…

Gut, daß ich wenigstens auf einem Boot wohne. Vielleicht sollte ich als nächstes Projekt mal die ganzen Rumpfdurchlässe anschließen, damit es dann wenigstens schon von unten wasserdicht ist. Nach zwei Tagen Dauerregen stellt sich nämlich doch noch die ein oder andere Undichtigkeit von oben raus. Die neulich schon erwähnten,  nach dem  Abbau des Bimini-Top übrig gebliebenen  Löcher an Deck hatte ich vor dem Regen schon provisorisch mit Silikon zugekleistert, die immerhin scheinen dicht zu sein, aber die blöde Luke in der Pantry macht mich mittlerweile echt wuschig.

Von den vier Luken, die ich selber eingebaut habe, liegen derzeit zwei nur mit Moosgummi-Abdichtung lose auf dem Ausschnitt, eine ist lediglich mit Moosgummiband abgedichtet und verschraubt und die in der Pantry wurde ganz nach Vorschrift  „endfest“ mit fast einer halben Kartusche Sikaflex 521 eingesetzt und ist, wenn schon nicht dicht, immerhin bombenfest drin.

Allerdings ist dies auch die einzige, unter die ich bei diesem Wetter tatsächlich eine Schale stellen muß, weil es irgendwo unter dem Rahmen durchläuft und bei entsprechendem Regen im Sekundentakt auf Herd und Fußboden tropft. Mist, elender. Sobald der Regen aufhört, ziehe ich nochmal eine Naht außen rum, bevor ich das Ding erst wieder rauswürge, saubermache und dann ebenfalls mit Moosgummi oder Butylband einsetze.  Hätte ich gleich machen sollen, das würde künftige Ausbau-Aktionen doch  deutlich vereinfachen…

Mein Klempner Stephan hat sich seit  Tagen nicht blicken lassen, also fehlen mir immer noch diverse Anschlußteile, um die Verrohrung fertig zu stellen. Da ein Teil davon unter dem Cockpitboden durch läuft, hätte ich dazu bei diesem Wetter allerdings ohnehin nicht wirklich Lust gehabt. Also habe ich mich an die Verkabelung der Pumpen gemacht und zu diesem Zweck erstmal das vor zwei Jahren mühsam extrahierte 2x6mm²-Kabel für das SSB-Funkgerät, das solange aufgerollt im Schaltschrank lag, genauso mühsam wieder zur Navigation zurückverlegt, weil jetzt auch noch die ganzen Wasserrohre im Weg sind.

Der ehemalige SSB-Stromkreis endet jetzt nämlich in einer neuen Unterverteilung in der Navi-Ecke, und versorgt von dort aus zum einen den Garmin-Plotter, und zum anderen die Wasserpumpe für  den  Steuerbord-Tank, sowie ein paar LED-Leisten mit Strom. Da ich meine 7m-SSB-Antenne neulich bei John gegen einen noch zu absolvierenden Angeltrip eingetauscht hatte, war das sperrige Antennenkabel jetzt ebenfalls über und flog raus. Und falls noch jemand auf der Suche nach einem günstigen Icom A-130 Automatik-Antennentuner ist: Ich hätte da gerade noch einen übrig…

Meine Druckwasserpumpe an Steuerbord hängt nun also an besagter Unterverteilung. Glücklicherweise hatte ich gestern, bevor ich noch die Pumpe so wie die im anderen Rumpf ebenfalls mit einer meiner Behelfsbatterien provisorisch verdrahten konnte, nochmal in den Tank gesehen. War wohl eine doofe Idee, den während der Dichtigkeitstests neulich drei Tage ohne Deckel offenstehen zu lassen, jedenfalls zuckten darin diverse Dutzend Mückenlarven fröhlich umher, die vermutlich alle irgendwie genetisch mit mir verwandt sind. Hurra!

Ich habe dann, bevor ich die Pumpe in Betrieb nahm, lieber erstmal das bis dahin noch nicht eingebaute Aktivkohle-Element in das Filtergehäuse eingesetzt. Wenn das Bakterien zurückhalten kann, wird das wohl auch mit Mückenlarven funktionieren 🙂

Beim Abwaschen wären mir die ja egal, im Zahnputzbecher oder in Eiswürfeln will ich sie aber nicht wiederfinden. Schätze, ich werde wohl noch je ein 20my Filterelement vor jede Pumpe setzen, bevor ich das Wasser unterwegs dann auch zum Trinken nehmen muß.

Um zu verhindern, daß sich dieses elendige Gezücht weiterhin an mir vergreift, habe ich vorgestern beim Einkauf jedenfalls erstmal einen neuen elektrischen Insekten-Vertreiber für’s Schlafzimmer erstanden, da der letzte ja ebenfalls geklaut worden war. Mal sehen, ob es hilft.

Ebenfalls neu an Bord: Ein elektrischer „Toast-Ofen“. Eigentlich hätte ich viel lieber eine anständige Microwelle gehabt, aber da man zwar in jedem Supermarkt irgendwelche Primitiv-Teile kaufen kann, aber nichts mit Grill und Umluft aufzutreiben ist, war das heute eine spontane 25,-€-Investition.

Acht Liter Garraum, 650 Watt, Ober- und Unterhitze, 15-Minuten-Timer und Platz für zwei Sandwich-Toasts: Klingt auf jeden Fall Invertertauglich und sollte den Gasverbrauch an Bord unterwegs wohl um einiges reduzieren. Ein testweiser Hawaii-Toast war (ohne Vorglühen) nach 8 Minuten kross und gut eßbar und Brötchen aufbacken sollte wohl auch klappen. Gelegentlich werde ich mal ausprobieren, ob man darin auch Pizza backen kann. Mehr als auf dieses Blech paßt, esse ich allein ohnehin nicht 🙂

Gekocht wurde ansonsten  heute nicht. Gestern hatte ich den Rest meiner Käsesahne-Penne mit Huhn und Schinken, noch ergänzt um eine halbe Dose Mini-Champignons und einen Schuß Chardonnay, zum Mittag vertilgt, aber da ich heute sowieso zum PnP  mußte weil

weniger Penne, dafür mehr Pilze 🙂

mein Trinkwasser zur Neige ging, habe ich mir einfach für umgerechnet zweifuffzich drei  frischgegrillte „Mince Samoosas“ (Mett-gefüllte Blätterteigtaschen, knapp so groß wie ein diagonal zusammengeklappter Toast) mitgenommen und direkt auf dem Rückweg im Auto aufgegessen, nachdem ich den ersten probiert hatte.  Auch mal ganz lecker. Nächstes Mal werde ich die „Mutton Samoosas“ testen. Ich bin jetzt ein halbes Jahr hier, und habe noch nie Hammelfleisch probiert…