Lage 2-5: Glasfaser und Schaumkern

Für den heutigen Samstag hatte ich Simon freigegeben. Zum Einen, weil er mit den „niederen Tätigkeiten“ außen eigentlich ohnehin so gut wie fertig ist, und zum anderen, weil ich gestern beschlossen hatte, heute mal auszuschlafen und danach genau nix am Boot zu machen. Das mit dem Ausschlafen hat nur eingeschränkt funktioniert, weil ich trotzdem um halb Acht wach war, aber nach einem kurzen Blick aufs Thermometer bin ich einfach noch für eine weitere Stunde wieder in die Kiste gestiegen. Zum Frühstück um kurz vor neun war die Temperatur dann immerhin schon auf fast 17 Grad geklettert, die Luftfeuchtigkeit wurde aber immer noch mit 99% angezeigt und der ganze Kahn war von außen klitschnaß. Also nix mit Frühstück im Cockpit 🙁

Nachdem ich mit der Zeitung durch war, kam auch die Sonne endlich zum Vorschein und kurze Zeit später war wieder T-Shirt-Wetter. Also machte ich mich auf den Weg zu Hayden, der gestern angekündigt hatte, heute morgen mit der Plattform weiter zu machen.

Haydens Werkstatt: Da gaaaanz hinten, das offene Tor.

Ich kam gerade rechtzeitig um mit anzusehen, wie er eine große Schüssel voll eingefärbtes Harz anrührte, auf das gestern auf den Tisch applizierte Gelcoat aufrollte und und kurz darauf die erste Lage Wirrfaser auflegte.

Wen es interessiert: Der Aufbau erfolgt hier von unten nach oben, das was da als erstes auf den polierten Tisch aufgetragen wurde (das Gelcoat), ist also später die sichtbare Unterseite der Badeplattform. Und das, was hier in den Bildern zu sehen ist, ist auch nur etwa das rechte Drittel der gesamten Plattform. Wenn dieser ganze Aufbau soweit fertig und stabil ist, wird er noch einmal in den VA-Rahmen am Boot eingelegt, die im Rahmen gebohrten Löcher auf den Rohling übertragen und in die Coosa-Einlagen gebohrt, diese Löcher dann mit Epoxy gefüllt und Stehbolzen eingesetzt. Damit sind von oben keine Schrauben sichtbar, das ganze sollte aber trotzdem haltbar sein, wenn da dickere Wellen drunterschlagen. Und erst dann kommt die Oberseite mit der Antislip-Struktur an die Reihe.

Lage 2: Glasgelege

Als nächstes kam eine Schicht Biaxial-Gewebe drauf, die dann von einer weiteren Schicht Wirrfaser abgedeckt wurde. Jede Lage wurde natürlich ebenfalls mit Harz getränkt.

Lage 3: Biaxial-Gewebe

Das Ganze wurde jetzt eine Weile mit einer kleinen gerippten Metallwalze übergerollt und verdichtet, um etwa vorhandene Luftblasen loszuwerden.

Pressing 🙂

Als abschließende Schicht kam dann heute der Schaumkern mit den Coosa-Einlagen oben drauf.

Lage 5: Schaumkern

Nachdem ich mir das eine halbe Stunde lang angesehen hatte, war mein Wissensdurst zum Thema „Laminieren von geraden Teilen“ vorerst befriedigt und mein Bedarf an Styroldämpfen für den Tag  gedeckt, und außerdem fiel mir ein, daß Simon gestern unseren Aceton-Vorrat bis auf einen Fingerhut voll verbraucht hatte. Also auf zum Shop…

Das hier sind, ebenso wie die Blüte im Titelbild,  Erythrina caffra, auch bekannt unter dem Namen „Kap-Korallenbaum“. Davon blühen hier zwei Stück direkt vor dem Eingang des Shops, und eigentlich wollte ich die schon seit Beginn der Blüte vor zwei Wochen immer mal fotografieren, bin aber irgendwie drüber weg gekommen. Nun aber:

Korallenbäume

Mit einem Liter Aceton und ein paar neuen Pinseln ausgerüstet, verließ ich den Shop wieder, konnte zurück an Bord gerade noch dem ganz leise im Hinterkopf auftauchenden Drang, das gestern zugesägte Brett für den Wassermacher wieder auszubauen und doch noch zu streichen, widerstehen,  baute stattdessen meinen bequemen Klappstuhl im Cockpit auf und verbrachte ein paar Stunden mit nichts als untätigem Sonnenbaden und Musikhören, höchstens gelegentlich unterbrochen, um eine neue Tasse Kaffee zu machen. Netter Samstagmorgen, fast wie Urlaub 🙂

Zu Essen gab es heute nur ein bischen Obst. Ich hatte Pflaumen bei PnP entdeckt, die im Auftritt meinen Birnen von neulich allerdings recht nahe kommen: Sehen toll aus, sind saftig und geschmacklich ok, aber nach zwei Wochen  immer noch steinhart. Muß wohl mal wieder einen Obstkuchen backen…

Seit gestern Abend war ich brotlos. Ich hatte mir zwar ein paar Ciabatta-Brötchen für’s Frühstück mitgebracht, aber kein vernünftiges Brot gefunden. Dafür aber 2.5Kg Roggenmehl. Und somit habe ich heute mein erstes Sauerteigbrot ohne Backmischung, nur aus losen Zutaten gebacken. Das mit dem Essig zum säuern funktioniert offenbar tatsächlich, allerdings habe ich wohl zuwenig Hefe zugegeben (in den Tütchen sind auch nur 5g, und nicht 7.5g, wie eigentlich erwartet. Fiel mir allerdings erst auf, als es zu spät war). Jedenfalls hätte das ganze Gerät gut 1/3 mehr an Höhe gebrauchen können.

Roggenbrot. Büschen flach, aber geschmacklich ok.

Egal, es schmeckt trotzdem, auch wenn es ein wenig „dichter“ in der Konsistenz ist. Beim nächsten werde ich wieder mit Nüssen und Körnern nachhelfen.

Der Nachmittag wurde dann auch nicht mehr nennenswert produktiver: Ich habe das auf dem Dach verzurrte Dinghy aufgeriggt und wollte eigentlich u.a. eine Öse an die Sitzbank schrauben, um daran einen Schäkel für den neulich erstandenen unteren Großschot-Block anzubringen. Nachdem ich das ganze Ding aufgerödelt und dann feststellt hatte, daß die designierte, neonblaue Großschot mit 10mm zwar sehr schön griffig ist und gut in der Hand liegt, aber leider gar nicht durch die beiden am Baum angenieteten Blöcke paßt, habe ich sie kurzerhand noch gegen eine mit 8mm ersetzt und den Rest der Aktion dann vertagt, weil es inzwischen windig wurde, die Dämmerung kurz bevorstand und ich eigentlich auch gar keine Lust mehr hatte.  Morgen ist auch noch ein Tag  …