Lockdown, Tag 1

Freitag, 27.3.

Unser Tag 0 sah uns noch einmal bei PnP aufschlagen, um letzte Vorräte für die nächsten 3 Wochen einzukaufen. Zumindest der Kaffee-Notstand kann wohl verhindert werden, auch wenn unsere bevorzugte Mokka-Sorte nicht zu kriegen war. Dann muß eben die Espresso-Mischung herhalten. Eigentlich wollten wir auch noch ein paar weitere Kg Mehl erstehen, um für eine eventuell anstehende Verlängerung des Lockdown gleich auf der sicheren Seite zu sein, mußten allerdings zur Kenntnis nehmen, daß die normalerweise beachtlichen Mehlvorräte bei Pick’n’Pay komplett ausverkauft waren. Dann halt nicht. Mit dem was wir haben, werden wir die ersten 3 Wochen wohl überstehen. Und wenn’s in die Verlängerung geht, ist bis dann hoffentlich auch wieder Mehl zu haben.

Mal immer unter der Voraussetzung, daß bis dahin nicht offener Bürgerkrieg ausgebrochen ist. So richtig einig über die in Kraft tretenden oder getretenen Maßnahmen scheint sich hier nämlich noch nichtmal die Regierung selbst zu sein. Verkündete  der Präsident vorgestern im Zuge  seiner Rede zur Lage der Nation noch „Sport wie laufen und joggen allein oder in Kleinstgruppen bleibt natürlich erlaubt“, schob sein Polizeiminister dem knapp 3 Stunden später einen Riegel vor und verbot Joggen genauso explizit, wie das Ausführen von Hunden.

Überhaupt: Apotheken und Lebensmittelmärkte bleiben geöffnet. Einkaufen ist für die Bevölkerung allerdings nur von 16 bis 21 Uhr erlaubt. Autofahren nur dann, wenn maximal eine Person im Auto sitzt. Und natürlich wird der Zugang zu den Geschäften beschränkt, die Click’s Pharmacy zumindest hat schon gestern nur je maximal 50 Kunden gleichzeitig reingelassen. Was spätestens am Ende der ersten Lockdown-Woche  dazu führen wird, daß sich die potentiellen Einkäufer dann nicht in, sondern vor den Geschäften stapeln werden, bis sie an der Reihe sind. Was für ein Wirrsinn …

Zu allem Überfluß hielt es die Regierung auch noch für nötig, den Verkauf von Alkohol und Zigaretten für die nächsten 21 Tage zu verbieten. Keine Ahnung, was da wen geritten haben mag, ob nun übertriebene Fürsorge für die Volksgesundheit oder einfach nur Profilierungssucht und das Ergreifen einer Gelegenheit, aber wie kann man so bescheuert sein, und den Leuten auch noch Zigaretten und Alk zu verbieten, wenn man sie schon für 3 Wochen zu Hause einsperrt und zum Nichtstun verdammt?

Nur gut, daß ich einen Tag vor Shahedas Ankunft hier ohnehin schon wieder aufgehört hatte und mir das somit derzeit ziemlich egal ist. 🙂

Wie auch immer das nun ausgehen mag: Begonnen hat unsere Isolation zumindest mit ziemlich viel Wind. Gestern Abend zerrte der Kahn bei gut 40kts an den Festmachern, und heute morgen pladderte der Regen bei gerade mal 18°C Außentemperatur wild aufs Dach. Kein Wetter, um irgend etwas an Deck oder sonstwo draußen zu unternehmen. Die Klimaanlage ist gegen den Heizlüfter getauscht, Luken und Bullaugen verriegelt und die beiden unteren Steckschotten eingesetzt, um den Schlagregen draußen zu halten.

Schade eigentlich, daß Daniel es bis heute nicht geschafft hat, das Heck- und die Seitenteile für den Dodger fertigzustellen, das hätte den Wohnraum dann doch noch um einiges vergrößert …

Egal. Vorgestern gab es ein vom Club spontan veranlaßtes Briefing über die kommenden Tage, zu dem das Erscheinen aller noch hier lebenden „Liveaboards“ gefordert war. Wir sind jetzt wohl noch so um die 15-20 Personen, die hier dauerhaft auf ihren Booten leben, alle anderen hatten das Gelände bis gestern Abend zu verlassen. Abgesehen von uns und dem aufgestockten Sicherheitspersonal, ist das Clubgelände komplett verwaist, das gesamte Personal ist abgezogen. Es werden keine Duschen oder Klos gereinigt, keine Mülltonnen geleert, wenn wir es nicht selbst organisieren; es gibt niemanden an der Rezeption, und auch die Bars auf dem Gelände bleiben geschlossen. Und natürlich gilt auch hier der Spruch „my boat is my castle“ , und jeder hat gefälligst auf seinem eigenen Kahn zu bleiben. Stegmeetings, der montägliche Braaiabend, gegenseitige Kaffeebesuche und gemeinsame Sundowner sind kontraproduktiv im Sinne der Virenabwehr und somit unerwünscht. Abstand ist das Wort der Stunde…

Jeder Liveaboard erhielt vom Club eine Art „Wohnbescheinigung“ ausgehändigt, um bei Verlassen zum Einkaufen des Gelände o.ä. ggf. nachweisen zu können, daß er tatsächlich hier lebt, sollte er außerhalb angehalten werden. Ansonsten gab es hier von offizieller Seite nämlich die Androhung, jeder der ohne triftigen Grund außerhalb der freigegebenen „Einkaufszeiten“ außerhalb seiner Wohnung  angetroffen werde, müsse mit Verhaftung und ggf. einer Anklage wegen versuchten Mordes (!) rechnen. Ich gehe zwar mal davon aus, daß das in erster Linie dazu dient, Plünderer und sonstiges Gesindel von der Straße fernzuhalten, aber ausprobieren will ich das nun auch nicht unbedingt.

Wie schon die alten Chinesen zu fluchen wußten: „Mögest Du in interessanten Zeiten leben!„. Schätze, die haben wir jetzt wohl …

stay tuned!