Lockdown, Tag 194

Die Ausfallserie hier nimmt irgendwie kein Ende: Hatte es letzte Woche meine Backbord-Druckwasserpumpe nach nur 1 1/2 Jahren im Einsatz endgültig zerlegt und eine spontane Ersatzbeschaffung erfordert, war diese Woche das Radio an der Reihe. Vor knapp fünf Jahren mitgebracht und hier eingebaut, war dieses Fusion AV700i so ziemlich das teuerste „Autoradio“, das ich in meinem Leben bis dato gekauft hatte. Zugegeben, das Ding ist gut, hat einen prima Sound selbst mit den Einfach-Lautsprechern an Bord, und läßt sich mit der entsprechenden App über iphone/ipad und Android-Handies, sowie über den NMEA2000-Anschluß auch über die vernetzten Garmin-Plotter bedienen, was einer der Hauptgründe war, überhaupt soviel Geld auszugeben.

Seit gestern Morgen ist es tot. Vorgestern abend noch ganz normal ausgeschaltet wie jeden Abend, tut es seit Montag keinen Mucks mehr. Spannung kommt an, Sicherung ist ok, nur einschalten mag es sich nicht mehr. Echt toll … 

Habe es ausgebaut und John in die Hand gedrückt, vielleicht kann er es ja nochmal zum Leben erwecken. Und wenn nicht, wird das wohl eine weitere Position auf der inzwischen schon reichlich langen Liste unerwartet frühzeitig erforderlich gewordener Neuanschaffungen. Keine Ahnung, ob das auch wieder so ein Fall geplanter Obsoleszenz ist oder es, trotz IP67-Klassifizierung, die Heißwasserdusche durch die im selben Schrankfach verlaufende und versehentlich angebohrte Warmwasserleitung vor einem halben Jahr übelgenommen hat, auf jeden Fall ist es derzeit unangenehm still hier an Bord.

Ob es nun schlicht am Alter, am Klima oder was weiß ich woran liegt, es beschränkt sich auf jeden Fall nicht nur auf das Boot. Seit ein paar Tagen schon hatte mich der Sharan nach 2-3 Tagen Standzeit immer mal wieder damit geärgert, daß er nicht mehr ansprang. Zuerst hatte ich auf einen etwas frühen Batterieausfall getippt, aber nachdem sich dann herausstellte, daß sich die Klemme am Pluspol ohne großen Widerstand einfach so verdrehen ließ, lag es wohl eher an mangelnder Kontaktfreudigkeit. Also habe ich gestern einen 10er Schlüssel mitgenommen, um die Polklemme nachzuziehen, und nach nichtmal einer vorsichtigen Viertelumdrehung machte es „krk“, und die an der Klemme angegossene Schraube mitsamt Klemmstück lag in zwei Teilen vor mir.

Immerhin, im Shop hatten sie neue Polklemmen vorrätig, wenn auch nur in einer etwas fisseligen Ausführung, also folgte eine spontane Bastel- und Crimp-Einlage, um die Batteriekabel mit neuen Kabel-Schuhen zu versehen und wieder für anständigen Kontakt zu sorgen. Auch wenn’s ärgerlich war: Besser jetzt, als Donnerstag morgen um 4 Uhr im Dunkeln vor der Abfahrt zum Flughafen …

Mittwoch

Meine Stimmung ist irgendwie seltsam. Auf der einen Seite habe ich eigentlich nicht die geringste Lust, mich morgen früh um vier auf den Weg nach Durban zu machen, um dann die folgenden 30 Stunden auf Flughäfen, Bahnhöfen, in Fliegern und im Zug zu verbringen, auf der anderen Seite muß ich hier dringend mal raus. Mir fällt hier echt die Decke auf den Kopf, und meine Motivationslosigkeit wächst gerade ins Unermessliche.

Heute hat es zur Abwechslung mal nicht geregnet, sondern war warm und sonnig. Also habe ich, da ich das Dinghy nicht fünf Wochen lang unbeaufsichtigt auf dem Steg liegen lassen will und  jetzt ja drei neue Fallen am Mast habe, meinen seit Monaten auf Deck liegenden Dinghykran endlich passend abgelängt, ein paar von Jaques gedrehte Distanz- und Paßhülsen aus Delrin zugesägt, aufgebracht, gebohrt  und vernietet, und wollte das Dinghy mit dem einzigen freien Fall im Mast, das derzeit auf eine vorhandene Winch geführt werden kann, an Bord lupfen.

Ich kam bis ungefähr 20cm über Bodenniveau vom Steg und hatte das Dinghy frei schwebend, dann verkeilte sich das Fall oben im Mast zwischen Rolle und Topwirbel des inneren Vorstags, und ohne Gewaltanwendung beim Winchen ging nix mehr.

Vom Grundgedanken her eigentlich prima geplant, liegt der Fall-Austritt oben am Mast für dieses Fall dummerweise auf der Backbord-Seite, und mit dem Austritts-Winkel und einmal halb um das Stag rum, wird das nix, wenn man versucht, das Dinghy an der Steuerbordseite hoch zu kurbeln. Natürlich hätte ich das Beiboot ins Wasser schmeißen und auf der anderen Seite weitermachen können, aber da just in dem Moment drei ZYC-Angestellte angeterbelt kamen und dann planlos auf dem Steg rumstanden, habe ich die spontan rekrutiert und eine Minute später hatten wir das Dinghy über die Reling aufs Vordeck gehievt. Egal, Hauptsache, es liegt an Deck. Für künftige Einsätze wird dann halt das rote oder violette mein Kran-Fall.

Nächster Ausfall: Gegen 15h mache ich meinen Kühlschrank auf: Alles finster und mir fällt das Eis entgegen, das schon wieder außen am Eisfach gewachsen war?! Nachdem ich einen kurzen Moment schon die Hasskappe aufhatte weil der gerade mal zwei Jahre  in Betrieb ist, fiel mir auf, daß das kleine Thermometer für die danebenstehende Waeco Kühlbox ebenfalls 20°C anzeigte, anstatt der normalen 7°C.  Die Chance, daß die beide zur selben Zeit übern Jordan gehen, ist so unheimlich groß nun wieder nicht, also: Multimeter her, und Kabel nachmessen. Nach zwei Minuten fand sich ein halb losgejackeltes 6mm²-Kabel am Massepunkt in der Achterkabine. Ist möglicherweise bei der Pumpenwechsel-Aktion kürzlich passiert. Neu vercrimpt, und schon laufen die Kühlis wieder wie neu …

Immerhin etwas positives gibt es zu vermelden: Nachdem Maizey’s sich jahrelang geweigert hatten, mir einen kleineren Polycarbonat-Spiegel als 3x2m zu verkaufen und ich bisher mit den zersägten und hier wieder zusammen gestückelten Teilen als Badezimmerspiegel leben mußte, habe ich inzwischen tatsächlich einen Laden direkt bei Maizey`s um die Ecke gefunden, der sowas auch in brauchbaren Größen abgibt. Vorhin war ich los, einen 80x50cm Spiegel abzuholen, den ich gestern bestellt hatte, und kam mit einem tatsächlich Laser-geschnittenen Stück zurück. Geht doch 🙂

Tja. Inzwischen ist alles klaubare vom Cockpit in die Kabinen verfrachtet, das Dinghy an Deck verzurrt, die Gefrier- und Kühlboxen ausgeschaltet und alles, was die nächsten fünf Wochen im Kühlschrank nicht überstehen würde, ist  gegessen oder entsorgt. Mein (fast leerer) Koffer steht hier rum und eigentlich müßte ich nur noch das Notebook verstauen. Ich habe noch ein Panini für’s Frühstück, zwei Scheiben Brot und ein bischen Salami und Käse für den kleinen Hunger zwischendurch, und bestimmt gibt es auf diesen drei Flügen ja wohl auch irgend etwas zu essen.

Bis die Tage denn ..

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