Neue Nachbarn

Greg, mein Nachbar der letzten  Monate hat mich verlassen und ist heute tatsächlich mit nur viermonatiger Verspätung ins Wasser gekommen. Was mir  erstmalig die Chance eröffnete, meinen Kahn mal in der Seitentotale zu fotografieren. Bislang stand ja immer irgendwas maximal zwei Meter entfernt im Weg. Ok, zugegeben, so richtig hübsch geht anders. Aber bestimmt sieht das im Wasser viel gefälliger aus, besonders, wenn man sich türkises Wasser davor und eine Palmeninsel dahinter vorstellt. 🙂

Wie war das noch: Der Dean 365 gilt hier der Willis Jeep der Meere: Nicht schön, nicht schnell, aber dafür äußerst stabil, einfach zu segeln und instandzuhalten, und fast unkaputtbar. (Solange keine Eisberge oder Tanker im Weg rumstehen). Also was soll’s…

Gut, daß ich obige Chance dann auch tatsächlich umgehend genutzt habe, nachdem die True North von ihrem Platz verschwunden war, denn eine halbe Stunde später hatten sie mir schon wieder einen anderen Segler dahin gestellt. Diesmal einen US-Segler, der sich mit nur noch einem halben Ruderblatt hier her gerettet hatte.

Oops. appes Ruderblatt… war bestimmt ein Orca 🙂

Die Einwasserung der True North verlief, wie angesichts der hier überaus durchstrukturierten und straffen Abläufe nicht anders zu erwarten war, natürlich auch nicht reibungslos, da der Steuerbord-Schaltzug wohl gerissen oder ausgehängt war und das Getriebe im Vorwärtsgang feststeckte. Wenigstens hatten sie vorsorglich „Tony, the Mechanic“ mit an Bord genommen, der das Problem dann spontan mit einem Stück Draht „weg mcgyvert“ hat.

True North sitzt ohne funktionierenden Rückwärtsgang auf dem Slipwagen fest..

Was mir in der Perspektive des vorangegangenen Bildes nochmal so richtig auffiel: Die True North hat zwei 265W Solarpanels auf dem Biminitop, die auf „Füßen“ ruhen und einen  perfekten Kühlluftkanal auf der Unterseite abgaben, wenn man mit der Nase im Wind vor Anker liegt.

Solarpanelheißbox

Der wesentliche Schwachpunkt bei Solarpanels ist nun mal die Tatsache, daß sie bei steigender Temperatur immer ineffektiver werden (weniger Leistung abgeben). Warum sie diese Kühlmöglichkeit  nun gestern auf die Schnelle noch mit drumherum genieteten (auch noch schwarzen!) Aludibond-Platten zunichte gemacht haben, konnte mir auch auf direktes Nachfragen weder Greg, noch der Eigner, noch die beiden Typen erklären, die das gemacht haben. „Sähe halt besser aus“.

Möchte wetten, wenn er mit dem Ding in der Sonne liegt, herrschen in dieser schwarzen Kiste Mittags Temperaturen um die 70-90°C oder mehr. Vielleicht sollte ich ihm vorschlagen, die vordere Platte klappbar zu machen. Dann könnter er gefangene Fische gleich direkt da drin braten und spart das Gas für den Grill 🙂

Auf meinem Deck waren es, auf dem bislang ungestrichenen Teil zumindest, gute 52°C. Zuviel jedenfalls, um da längerfristig drauf rumstehen zu wollen. Der schon weiße Teil war übrigens mit nur 40°C um satte 12 Grad „kühler“, und auch im Innenraum macht sich das weiße Deck deutlich bemerkbar. Auch wenn heute der bislang heißeste Tag des Jahres war: Unter meiner Decke waren heute keine 51°C mehr wie neulich, sondern „nur noch“ gut 40°C.  Von der abstrahlenden Wärme der Salon-Decke her jedenfalls schon mal eine deutliche Verbesserung. Wenn ich nun noch eine brauchbare Isolierung finde, läßt sich das vielleicht noch um weitere 10 Grad runterbringen. Was natürlich alles nur begrenzten Nährwert hat, wenn die Temperatur mogens um 8h so wie heute schon bei 32°C innen wie außen liegt und die Luftfeuchtigkeit bei über 70%.  

Mein Getränkeverbrauch ist in den letzten Tagen jedenfalls exorbitant in die Höhe gegangen. Ein Hoch auf den Erfinder des Sodastreams! (Und diejenigen, die diese hervorzuragenden Fruchtsäfte hier in Südafrika produzieren. Und, nicht zu vergessen, auf den Erfinder der Kompressorkühlbox. Meine „Getränkebox“ arbeitet momentan bei eingestellten 0.8°C. Eine echte Wohltat.) Derzeit verbrauche ich mindestens alle zwei Tage eine von diesen 5L-Kannen Quellwasser in Form von sodagestreamten Aqua Minerale oder Eiswürfeln (die Maschine läuft inzwischen auch von früh bis spät), einen halben Liter Milch zum Frühstück und einen Liter Fruchtsaft pro Tag, sowie ein bis zwei Dosen Cola (nur für den Blutzucker 🙂 )

Nicht zu vergessen eine Dose Schweppe’s Tonic Water und 2cl Bombay Sapphire Gin plus einen Viertelliter O-Saft und ein halbes Kilo Eis  für den Sundowner. Nur mein Kaffeeverbrauch, der tendiert derzeit eher gegen Null. Und auch die Flasche Bier, die ich nach Andis Abflug in die Kühlbox gestellt hatte, steht da heute, zweieinhalb Monate später, immer noch unberührt drin. Weiß gar nicht, wofür ich überhaupt Sprite gekauft hatte, ich trinke hier eh kein Radler. Inzwischen bin ich hier im Club schon als der „nicht-Biertrinkende Deutsche“ verschrien >:-)

Heute Morgen, bevor die Sonne erst so richtig losbrezelte, haben wir auf die Schnelle noch die dritte Schicht weiße Farbe aufs Salondeck gerollt. Das ist jetzt zwar immer noch nicht perfekt, war aber auch nicht zu erwarten. Immerhin haben wir hier aufgeklebten Sand lackiert, kein feingeschliffenes Blech. Erfüllt den Zweck, sieht für ein 25 Jahre altes Plastikboot akzeptabel aus und bleibt jetzt so. Wenn Morgan das gemacht hätte, wäre es vermutlich glatter geworden (wenn er denn tatsächlich auch den „very fine sand“ benutzt hätte den ich wollte und den wir jetzt benutzt haben, und nicht auch hierbei wieder eigene Wege gegangen wäre), und hätte  mutmaßlich nicht ganz soviel Schweiß meinerseits, dafür aber mindestens das zehnfache an Kohle gekostet. So gesehen: Alles gut 🙂

Außerdem wollte er mir unbedingt ein hellblaues Deck aufschwatzen, so wie sie das bei der De Nada gemacht hatten, einfach damit es nicht „so langweilig weiß“ aussieht. Nach den Temperaturvergleichsmessungen der letzten beiden Tage bin ich sicher, daß das eine blöde Idee war und froh, daß meins jetzt einfach weiß ist.

Nachdem wir mit dem Salondeck fertig waren, war auch mein 5L Farbeimer leer, also zog ich los, um einen neuen zu kaufen und ging auf dem Weg erstmal duschen. Simon hatte ich solange unters Boot in den Schatten geschickt, den vor zwei Jahren angebrachten Klebestreifen oberhalb des Wasserpasses abzupulen, der sich gar nicht mehr so richtig willig abziehen lassen wollte.

Als ich frisch geduscht und mit neuer Farbe wieder am Boot angekommen war, hatte sich die Außentemperatur in der Zwischenzeit auf über 42° im Schatten hoch gearbeitet und ich beschloß, Simon und mir eine eiskalte Cola und eine verlängerte Siesta  zu gönnen, während nebenan die True North geliftet und dann ins Wasser gebracht wurde.

Der hiesige „Travellift“ für Katamarane. Alles Handarbeit …

Nachdem das Thema dann irgendwann erledigt war, und ich für Greg und John sicher fast 50 Fotos und ein paar  Videos von der Aktion gemacht hatte, ging es zurück zum Boot und da inzwischen auch die Sonne hinter der Kiefer verschwunden war, lag das vorgestern besandete Achterdeck nun endlich im Schatten. Wir verteilten noch zwei Lagen Farbe darauf und dann war’s auch gut.

Achterdeck, backbord

  Simon wurde noch zum Pinselreinigen eingeteilt, und anschließend habe ich ihm hitzefrei gegeben und  ihn nach Hause geschickt. Selbst der hat sich heute mindestens ein halbes Dutzend Mal beklagt, daß ihm zu heiß wäre…

Irgendwann so gegen 16h wurde es schlagartig 15 Grad kühler auf nur noch angenehme 27°C und der Wind drehte auf Süd. Da ich schon wieder genauso durchgeschwitzt war, wie heute Mittag, ging ich erneut duschen und brachte auf dem Rückweg gleich noch ein paar Kilo Sand und neue Farbrollen mit. (So gesehen, ist der Marine-Shop strategisch äußerst günstig gelegen, da direkt neben dem Duschhaus. Was allerdings das Duschen auf Dauer zu einer recht kostspieligen Angelegenheit macht…)

Mir war heute nach Essen! Irgendwas …. herzhaftes/nahrhaftes. Da ich das wohl gestern schon geahnt hatte, lag in meinem Kühlschrank noch eine 400g-Packung „ground beef“ (Rindermett). Also habe ich ein paar Spaghetti gekocht, unter zuhilfenahme einer halben Paprika und einer guten Handvoll getrockneter, in Olivenöl eingelegter Tomaten eine Bolognese gebastelt, mangels Parmesan ein bischen Edamer drübergeraspelt et voila:

Das reicht auch nochmal für morgen. So gestärkt, satt und zufrieden verzog ich mich ins Cockpit, süppelte meinen Sundowner und wurde mit einem grafisch sehr gelungenen Sonnenuntergang belohnt. Wie man sieht, funktioniert auch meine Lumix TZ81 wieder problemlos.

Life is good 🙂

Sonnenuntergang hinter dem Small Boat Harbour