… wer hat die Kokosnuss geklaut ?

Das war der skurrilste, auf jeden Fall aber der wärmste erste Weihnachtsfeiertag, den ich in den letzten 58 Jahren mitgemacht habe. Nachdem ich gestern Abend  nach den ganzen Skypereien tiefenentspannt hier so rumsaß, bin ich irgendwann gegen 22h30 vor dem PC eingeschlafen. Eigentlich wollte ich nach Mitternacht die Einstellung „dies ist ein getaktetes Netzwerk“ ausschalten, damit sich das Ding mal die schon seit ein paar Tagen anstehenden Halbjahresupdates für Windows ziehen kann, ohne daß die Daten mein normales Datenvolumen spontan ausbluten. Bei den letzten vier Datenvolumeneinkäufen über je 10GB gab es nämlich jeweils noch 20GB „Nightowl“-Volumen gratis dazu, die zwischen 0:00 und 5:00 genutzt werden können und netterweise am Monatsende nichtmal verfallen. Davon waren bis gestern immer noch 78.6GB übrig, weil ich hier schlicht meistens vor Mitternacht ins Bett gehe oder einfach so einpenne.

Naja, die Tür und sämtliche Dachluken waren temperaturbedingt auch alle noch offen, und irgendwann gegen 1:00 flog mir wohl ein Käfer oder was auch immer gegen die Nase, jedenfalls war ich schlagartig wieder wach. Konnte die Updates ziehen (die merkwürdigerweise eh nur knapp 50MB groß waren) und durchlaufen lassen, klappte meine Luken zu und ging dann ins Bett.

Um zwanzig nach vier wurde ich wach, und war völlig durchgeschwitzt, aber anscheinend immerhin ausgeschlafen und fühlte mich topfit. Also stand ich auf, riß alle Luken wieder auf, da es sich draußen ein wenig abgekühlt hatte, machte mir einen Kaffee, und setzte mich ins Cockpit, um auf den Sonnenaufgang zu warten. Es wurde zwar irgendwann heller, aber von Sonne war dank durchgehend geschlossener Wolkendecke nichts zu sehen. Sah eigentlich nach Regen aus …

Dafür hatte ich aber Gesellschaft: Die hiesige Affengemeinde nutzte den frühen Morgen des Feiertages für einen gemeinsamen Ausflug über das Clubgelände, und fand, in einem alten LKW-Reifen hinter  meinem Boot versteckt, eine ausgelutschte halbe Kokosnuss, über die sie sich mit Begeisterung abwechselnd hermachten, bis auch der letzte durch eigene Studien rausgefunden hatte, daß es eigentlich nur noch die faserige Hülle war.

Zum Frühstücken war es noch ein wenig früh, als sie weitergezogen und mein Kaffee alle war, also beschloß ich, irgendwas sinnvolles zu tun und fing damit an, daß ich die Kühlbox leeräumte und ausschaltete. Der Eispanzer ringsrum war inzwischen an den meisten Stellen 3cm dick, abtauen war mal dringend nötig. Stunden später habe ich dann, da die Kiste blöderweise keinen Ablauf hat und das Anschlußkabel zu kurz ist, um sie auskippen zu können, rund 2 1/2L Wasser mit dem Schwamm rausgetupft.

Das Abtauen fand indes zum größten Teil 🙂 auch ohne meine tätige Mitwirkung statt, also entschloß ich mich, nachdem sie von Simon schon vorletzte Woche oder so geschliffen worden waren,  heute nun endlich mal die verdammten Wassertanks von innen zu laminieren, auf daß ich die theoretischen 600L Inhalt dann auch tatsächlich demnächst mal nutzen kann.Lange genug zieht sich das ja nun hin.

Meine Kanister sind nämlich schon wieder fast leer, und irgend ein Honk hat bereits zum zweiten Mal meinen Gardena-Nachbau Wasserhahn-Adapter geklaut. So ein Ding kostet selbst hier im Marine-Shop mit entsprechendem Marine-Aufschlag nur 9.50Rand, also nicht mal -,60 cent. Beim letzten Mal habe ich gleich drei gekauft, um nicht wieder am Wochenende mit leeren Kanistern dazustehen, aber nervig ist das trotzdem.

Außerdem: Wenn ich hier tagsüber duschen gehe, bin ich derzeit schon wieder genau so durchgeschwitzt wie vorher, bevor ich auch nur ansatzweise zurück am Boot bin. Dann kann ich auch genau so gut gleich am Boot duschen, und spare zumindest ein paar hundert Meter Fußweg.

Wassertanks also. Nachdem ich ein paar Stücke Glasfasermatte passend gerupft hatte, wurde Harz angerührt, und dann ging es mit dem Backbord-Tank los. Bis dato hatte ich mit Glasfasermatte eigentlich nur mal rumgespielt, aber nie irgendwas ernsthaftes damit angestellt. Hier ging es nun darum, daß die Tanks hinterher nicht nur halbwegs anständig aussehen (was keiner sehen wird), sondern auch noch dicht werden sollen. Ich hatte ja neulich bereits die Risse in beiden Tanks mit thixotropiertem Harz zugekleistert, das sollte (eigentlich) zum Abdichten schon reichen. Heute ging es nun darum, die ganze Sache zu unterfüttern und Stabilität rein zu bringen, damit nicht bei der ersten größeren Welle das hin- und herschwappende Wasser im Tank die Rückwand gleich wieder zerbröselt. In den Tanks sind zwar Schwallwände einlaminiert, das scheint aber nur begrenzt geholfen zu haben.

Jedenfalls, nach einer  Viertelstunde auf dem Bauch hatte ich 4-6 Lagen Glasfasermatte aufgebracht und eingequitscht. Das sah immerhin deutlich besser aus, als ich vorher befürchtet hatte und macht einen recht stabilen Eindruck.

vorher

 

geschliffen und schon mal gefüllert, bevor das zulaminiert wird.
mit Glasfaser zugekleistert

Das gleiche nochmal auf der Außenseite, und dann soll das wohl eigentlich halten. Theoretisch vermutlich auch schon im Ist-Zustand. Trotzdem: Wenn mir vor drei Monaten irgendwer prophezeit hätte, daß ich am ersten Weihnachtstag morgens um halb sechs bäuchlings in meiner Pantry liege und, mit dem bis zum Ellenbogen Nitrilbehandschuhten Arm bis zur Schulter im Tank versenkt, mit Harz und Glasfaser rumpatsche, hätte ich mutmaßlich schallend gelacht. Das kam im damaligen Plan definitiv so nicht vor.

Nachdem ich mit dem ersten Tank durch war und mein Werkzeug und meine Finger wieder von Harz und Fasern befreit hatte, war’s Zeit für Frühstück. Nach Beendigung desselben hatten sich die Wolken auf wundersame Weise komplett aufgelöst, und es wurde warm. Bis ich dann den zweiten Tank mit Aceton ausgewischt, Matten zugeschnitten und Harz angerührt hatte, waren schon wieder über 35° in der Hütte. Egal, ich wollte das heute fertig haben.

Dementsprechend sah der Fußboden um das Zugangsloch hinterher auch aus, als hätte ich einen großen Becher Wasser ausgekippt. Nee, war’s nicht. War nur Schweiß 🙂 Diese Nitrilhandschuhe mögen beim harzen ja durchaus ihre Berechtigung haben, und vereinfachen die anschließende Reinigung auch ein wenig, aber trotzdem sind sie bei solchen Temperaturen eine echte Qual. Und ich hatte mich gestern noch gewundert, wieso Stephen die Glasmatten am Aufbau mit bloßer Hand passend hindrapiert hat, statt Handschuhe zu benutzen …

Den Rest des Tages habe ich mir dann allerdings frei genommen. Zu Essen gab es heute auch nur den Rest des übergebliebenen Steaks und zwei Toast. Aber da mir von allen Seiten laute feierliche Weihnachtsbilder mit der Familie am Esstisch zugewhatsappt wurden, werde ich wohl morgen auch mal irgend was anrichten. Wenn es denn nicht wieder so warm ist.  Und ich irgendwie Hunger habe. Und noch was zu Essen im Kühlschrank finde 🙂