Billiger Aberglaube!

Ich gewinne so allmählich den Eindruck, daß ich mit meinem Geschreibsel hier das lokale Wetter beeinflusse. Jedesmal, wenn ich mich über zuviel Regen beschwere, wird es in den nächsten Tagen unerträglich heiß, und sobald ich die Hitze erwähne, fängt es spätestens am nächsten Tag an zu regnen. So auch heute morgen. Von 3-16 Uhr hat es hier ununterbrochen geschüttet wie aus Kübeln und Thelxinoe wieder mal die berüchtigte „Handbreit“ unter den Kielen beschert, was zumindest den Weg zum Auto ein wenig fußfeucht werden ließ. Normalerweise habe ich alle meine Luken nachts in der minimalen Lüftungsstellung verriegelt: Vor Anker und auch bei dem hier vorherschenden Wind aus Nord funktioniert das gut, aber böser Fehler, wenn man an Land steht, der Wind auf Süd dreht und somit von hinten kommt und den Regen direkt waagerecht da reinpeitscht! Das zog dann eine frühmorgendliche, etwas umfangreichere Trockenlegungsaktion nach sich.

Jetzt, wo ich ohne Dodger quasi schutzlos dastehe, hat der Regen auch überhaupt kein Problem damit, sich an meiner Schiebetür vorbei einen Weg ins Innere zu suchen. Zu allem Überfluß tropften dann selbst nach dem Totalverschluß zwei der von Morgan eingebauten Luken weiter leise vor sich hin, auch die große im Salon war den Wassermassen nicht gewachsen. Und als wäre das nicht schon genug, mußte ich auch noch zwei Löcher im Salondach entdecken, die Stephen bei seiner „laß uns mal eben den Dodger mit ein paar Schrauben an der neuen Position fixieren“-Aktion offenbar glatt durchgebohrt hatte und durch die es jetzt, wo keine Schrauben mehr drin sind, durch die Decke trieft. Nerv…

Rob, der Gasmensch sollte seit gestern aus dem Betriebs-Urlaub zurück sein. Da hier scheinbar niemand einen Finger rührt, solange er nicht eine Anzahlung erhalten hat, mußte ich einen guten Teil der zu erwartenden Gasanlageninstallationsrechnung irgendwie auf sein Konto transferieren. Nach einem ersten (vergeblichen) Versuch, seine Abschlagsrechnung bei der  FNB (First National) mit der Visakarte zu bezahlen und einem ebenso vergeblichen erneuten Anlauf, hilfsweise diesmal  einfach dort ein Konto zu eröffnen, habe ich stattdessen einen Ausflug zum Automaten in der Mall gemacht weil ich dort von meiner Visa wenigstens gebührenfrei Geld abheben kann,  10.000,-R abgehoben und den größten Teil davon  dann bar auf sein Konto eingezahlt. Der Aufstand, den die hier auf der Bank in Bezug auf Geldwäscheüberwachung treiben, steht dem in Deutschland übrigens um nichts nach. Hätte nur noch gefehlt, daß sie für die Einzahlung dieses vergleichsweise albernen Betrages auch noch meine Fingerabdrücke haben wollten.

Die habe ich dann eine Stunde später trotzdem noch abgegeben: Direkt neben der FNB-Filiale liegt das Department of Home Affairs. Wußte ich vorher schon, da ich ja schon mal da gewesen war. Also hatte ich, für den unwahrscheinlichen Fall, daß a) der Laden heute mal nicht aus allen Nähten platzt und b) heute auch Pässe und ID-Books bearbeitet werden könnten, meinem schon vor Wochen angesichts der Erwartung einer jahrelangen Wartezeit halbherzig  ausgefüllten Antrag auf ein neues ID-Book und zwei Passfotos eingesteckt und bin nach dem Bankbesuch dort aufgeschlagen.

Entgegen allen Befürchtungen war nicht wirklich viel los, ich nach 10 Minuten an der Reihe und nach einer guten Stunde hatte war ich biometrisch und datentechnisch erfaßt, hatte meinen Antrag vor Ort nochmal (diesmal mit schwarzem statt blauem Stift, was zwar verlangt, aber nirgends erwähnt wurde) neu geschrieben, meine 146,-R Gebühr bezahlt und zog wieder ab zum Boot, wo ich Simon fast zwei Stunden allein in der Bilge rumschleifen lassen hatte.

Entgegen Brad’s Aussage dauert die Ausstellung eines ID-Books angeblich auch gar keine 1-2 Jahre, sondern lediglich 2-6 Wochen. Sobald es dann im DoHA abholbereit liegt, gibt’s eine SMS. Da bin ich mal gespannt. Auf den in der Botschaft in Berlin beantragten Reisepaß habe ich damals eineinhalb Jahre gewartet, wenn ich mich recht entsinne… Da ich nach so langer Zeit auf keinen Fall mehr hier sein will, hatte ich den Antrag mit entsprechend wenig Begeisterung ausgefüllt und immer noch hier rumliegen. Wir werden sehen.

Der nebenbei abgehakte Besuch im Shop ergab erwartungsgemäß nix Neues: Weder die bestellte Bilgenfarbe, noch die Wasserrohre waren da. Offenbar sind die meisten Lieferanten immer noch im Weihnachtsmodus, obwohl das Jahr gefühlt schon wieder halb rum ist.

Wenigstens hat sich Sandy heute dazu hinreißen lassen, kaum acht Wochen nach meiner ersten Anfrage  ein Angebot für immerhin schon mal ein neues Großsegel abzugeben: Umgerechnet knapp 1.200,- Euro bei 25% mehr Segelfläche als jetzt (19.4 statt 15.5m²). Das ist tatsächlich mal weniger, als ich erwartet hatte. Für die gerade mal halb so große Kutterfock, um die es mir eigentlich ging, weil die alte dank irgendjemandes Unfähigkeit verschollen ist, gab es allerdings noch keinen Preis, weil sie davon angeblich keine Maße mehr hatten und Thelxinoe erst vermessen müßten. (Was 2015 für die Genua schonmal passiert war und weswegen Dallen letzte Woche eigentlich schon mal hiergewesen ist.)

Es sind insgesamt ungefähr achtzig Dean 365 gebaut worden, mutmaßlich alle mit dem gleichen Segelplan. Die meisten davon sind immer noch in Südafrika (allein vier hier auf dem Gelände) und die Anzahl der Segelmacher östlich vom Kap ist nun wirklich sehr überschaubar. Eigentlich sollte man ja meinen, daß das für die quasi ein Standardsegel von der Stange sein sollte.

Egal. Wenn es denn morgen nicht regnen sollte, kommt einer von Sandys Leuten aus Durban hoch, um mal zu messen. Ich habe jetzt nicht noch zum 7. Male erwähnt, daß mein Mast immer noch unterm Boot liegt 🙂

Den ebenfalls mitgeteilten Preis für den Austausch des UV-Schutzes am Achterliek an der von ihr 2016 gelieferten, aber noch nie gesegelten Genua mit fast 5.000,-R fand ich allerdings außerordentlich sportlich. Eigentlich hätte ich gern besagten UV-Schutz in derselben Farbe, nämlich Sand oder Tan oder wie immer man das bezeichnen will, wie die noch anzufertigenden Seitenteile des neuen Hardtops und den neuen Stackpack gehabt, aber das ist es mir denn wohl doch nicht wert.

Zu Essen gab es heute nur den Rest von gestern: Gulasch ungarisch mit den ersten Spätzle seit Monaten, Sara’s Paket sei Dank. Hier kriegt man zwar auch diverse Sorten Nudeln, die allerdings nicht. Werde wohl aus dem Heimaturlaub noch ein paar Pakete mit einschmuggeln 🙂