wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, fliegen Fliegen hinter Fliegen …

Es ist heiß hier. Ich stehe immer noch in der Mitte des Platzes, gut abgeschirmt von eventuell vorhandenen kühlenden Winden, die Tagestemperaturen bewegen sich um die 40 Grad im Cockpit und zu allem Überfluß erlebe ich gerade eine Invasion von Musca domestica, vulgo: der gemeinen Stubenfliege. Ohnehin schon hitzegenervt, schweißgebadet und bestenfalls noch in meine Arbeitsshorts gewandet, landet auch noch alle zehn Sekunden irgendso ein Tier auf mir und versucht, mich in den Wahnsinn zu treiben. Allein gestern Abend habe ich gezählte 48 Stück erschlagen, und kaum war ich eine los, materialisierten von irgendwoher spontan zwei neue.

Zudem ist dieses hiesige Viehzeug deutlich schneller und hartnäckiger als alles, was ich von Europa in der Beziehung kannte und versucht permanent, einem in Augen, Ohren oder Nase zu fliegen. ich kann jetzt nachvollziehen, wie sich so ein Gnu in der Steppe fühlt. Überaus lästig, das …

Die letzten beiden Tage waren arbeitsmäßig ruhig. Ich hatte am Montag mit Jannie einen neuen Einwasserungstermin für kommenden Freitag verabredet, Mittwoch angefangen die noch fehlenden Fender und Leinen zu kaufen, und mich damit beschäftigt, daraus ein paar brauchbare Festmacher zu basteln. Fertig vorkonfektionierte hätten die Sache natürlich deutlich abgekürzt, sind hier aber nicht zu kriegen, also sah ich mich veranlaßt, mein Spleißwerkzeug hervorzukramen, und selber Hand anzulegen.

Dreischäftiges Tauwerk zu spleißen, ist keine große Kunst. Die Leinen für die Fender waren somit einigermaßen zügig angefertigt. Mit dem Doppelgeflecht-Tauwerk für die Festmacher habe ich mich zugegebenermaßen ein wenig schwerer getan. Nach dem dritten gescheiterten Anlauf, einen halbwegs brauchbar aussehenden Augspleiß hinzufrickeln, habe ich vorläufig aufgegeben und stattdessen einfach erstmal Palsteks gemacht, um für morgen wenigstens verwendbare Leinen zu haben. Das bedarf wohl noch ein wenig der Übung, bis es tatsächlich so aussieht, wie man sich das vorstellt. Halten sollten sie aber wohl auch so erstmal 🙂

Ursprünglich hatte ich vorgehabt, sechs „normale“ und einen Kugelfender zu erstehen, das sollte angesichts des Umstands, daß mein Reiseplan künftige Aufenthalte in Marinas eigentlich nur für den Ausnahmefall vorsieht und Fender ansonsten ein ziemlich überflüssiger Ausrüstungsgegenstand an Bord sind, theoretisch genügen. Nur mußte ich inzwischen feststellen, daß ich einen Kugelfender in passender Größe eigentlich nirgendwo untergebracht kriege, wenn er nicht in Gebrauch ist. Und unterwegs an Deck festtüddeln? Eher nicht…

Also umdisponiert, und nun sind es vier große und zwei ganz große geworden, die dann irgendwann in den Ankerkästen verschwinden müssen, sobald die Segel da raus und aufgezogen sind. Oder sie werden unterwegs im Dinghy auf Deck gelagert. Mal sehen.

Simon hat zwei Tage freigekriegt. Mittlerweile geht mir hier echt die Arbeit für ihn aus, und nachdem ich ihn Montag noch überwiegend damit beschäftigt hatte, die restlichen paar an Bord befindlichen Leinen mal zu waschen, alle Bilgen nochmal gründlich trocken zu legen und das Boot ansonsten wieder mal vom Kohlenstaub zu befreien, haben wir uns nun drauf geeinigt, daß er Freitag morgen wieder auftaucht.

Ich hatte in der Zwischenzeit den im letzten Paket mitgekommenen Echolot-Geber für den Fishfinder eingebaut, was sich als deutlich umständlicher herausstellte, als gedacht. Ich habe ein 11x5m-Boot, aber eigentlich keine einzige brauchbare Fläche an dem ganzen Kahn, um so einen Geber mit der Anbaufläche einer besseren Streichholzschachtel anzubringen. 🙁

Nun sitzt er am hinteren, unteren Ende der Nacelle, direkt vor dem Antrieb  oberhalb des Props. Im Manual steht zwar, man solle das Ding möglichst nicht in den Strömungsweg des Propellers setzen, um Kavitation zu vermeiden, aber das war der einzig zu findende, halbwegs  sinnvolle Platz überhaupt und der Geber sitzt fast einen halben Meter höher als der Propeller. Ob sich diese Stelle  später tatsächlich unter Wasser befindet und der Geber dann brauchbar arbeiten kann, weiß ich auch erst frühestens Freitag. Hach, ist das alles spannend 🙂

Meine elektrische Anlage spinnt rum! Jedes zweite oder dritte Mal wenn das Loadshedding einsetzt, der Landstrom ausfällt und der Inverter dabei noch eingeschaltet ist, der ja normalerweise einfach durchschaltet und bei Stromausfall wie eine USV einspringen sollte, bricht mein 12V-Netz komplett zusammen. Eben auch wieder.

Scheinbar sind irgendwo in den Masse-Verbindungen irgendwelche Übergangswiderstände, die das Ganze zum Erliegen bringen. Zu sehen war nix, nachdem ich mal die gesamte Kabelmimik abgeschraubt und kontrolliert hatte, alle Schrauben waren auch vorher schon fest, aber trotzdem war nach dem Wiederzusammenbau alles ok, obwohl ich eigentlich überhaupt nichts geändert hatte. Äußerst mysteriös …

Inzwischen ist es viertel vor zehn, die Temperatur ist auf angenehme 23 Grad zurückgegangen, und seit zehn Minuten gießt, blitzt und donnert es gar gewaltig direkt um mich herum. Immerhin: Wenistens das Fliegenproblem scheint erledigt. Seit drei Stunden hat sich keine mehr hier drinnen blicken lassen 🙂