Baker Street

oder auch

The Dark Side Of The Moon Cake

Das Wochenende begann, wie die Restwoche geendet hatte: Irgendwie leicht winterlich. Als ich Samstag morgens das erste Mal auf mein Thermometer blickte, sprang mich die Außentemperatur mit 12° an. Gut, daß ich abends beschlossen hatte, meinen Heizlüfter über Nacht durchlaufen zu lassen, so waren in der Bude immerhin noch 18 Grad beim Aufstehen…

Mit meinem Adlatus Simon hatte ich mich schon vor Monaten drauf verständig, daß ich eigentlich überhaupt keinen Bock habe, sieben Tage die Woche von acht bis sechzehn Uhr zu knechten. Schließlich bin ich im Ruhestand und brauche meinen Schlaf. Also hat er seither mit leichtem Widerwillen auf seinen Arbeits-Sonntag verzichtet, und schlägt jetzt Samstags wenigstens immer erst gegen 9h auf.

Bis dahin war die Temperatur immerhin soweit geklettert, daß man sich ohne dicke Jacke im Freien bewegen konnte, also habe ich ihn die beiden Reserve-Anker vom Bug holen lassen, und anschließend hat er den Tag damit verbracht, sie mal gründlich zu entrosten und optisch in einen gebrauchsfähigen Zustand zu versetzen. Die hatten im Laufe der vergangenen 25 Jahre doch in der Tat etwas Rost angesetzt.

20+35 lbs

Das immerhin hat er recht ordentlich hingekriegt. Zusammen mit dem mitgebrachten 20Kg Jambo sollten die beiden CQR-Dinger wohl ausreichen, den Kahn auch bei etwas mehr Wind auf Position zu halten.

In der Zwischenzeit habe ich mich damit beschäftigt, den neulich angefertigten Sockel für die Ankerwinde aufzulaminieren. Montag kommt Farbe drauf, und dann kann die Winsch angebaut werden.

Unterbau für die Ankerwinde

Gegen 14h meldete Simon Vollzug, und da ich eigentlich auch keine Lust hatte, noch großartig irgendwas Neues anzufangen, habe ich ihn nach Hause geschickt und das Wochenende eingeläutet.

Zum Kochen hatte ich keinen Bock, aber hier lagen ja immer noch vier Birnen und einen halbe Schale Erdbeeren rum, die so allmählich mal weg mußten, also habe ich meine Drohung von neulich wahr gemacht, und meinen ersten „richtigen“ Obstkuchen gebacken. (Hatte mir die Woche sogar beim PnP extra eine kleine Springform gekauft 🙂 )

Das ging soweit recht gut, allerdings mußte ich feststellen, daß mein Gasherd wohl eine ziemlich inhomogene Wärmeverteilung hat, jedenfalls hatte die Rückseite des Kuchens eindeutig die falsche Farbe und auch der Boden war ein klein wenig „zu cross“, um es mal dezent auszudrücken. Sollte ich das nochmal wiederholen, werde ich die Roste wohl ganz nach unten setzen, oder was sagt die allgemeine Hausfrauen-Meinung zu dem Thema?

Nun ja, wie wir ja spätestens seit Meister Joda wissen: „Meiden die dunkle Seite Du mußt …“  Wenn man die unteren 2-3mm einfach wegläßt, schmeckt er jedenfalls richtig gut. Und nachdem er über Nacht nochmal etwas durchgezogen ist, eigentlich sogar noch besser 🙂

Mjamm. Untere Lage Birnen, darauf Erdbeeren und ein Deckel aus Schmand mit geraspelten Mandeln. Wenn ich hier mit dem Kahn weiterhin nicht wegsegeln kann, mache ich einfach eine Hafen-Konditorei auf 🙂

Heute, am Sonntag, wurde ich allen Ernstes erst wach, als mir die Sonne gegen neun auf den Brägen schien. Zum Frühstück gab es nur eine Tasse Kaffee, dann wurde etwas aufgeräumt, ich habe mal mein Bettzeug und ein paar Handtücher in die Waschmaschine gesteckt und erstmals seit Freitag wieder einen prüfenden Blick in die beiden Bilgen geworfen. Hm…

In der Backbordbilge stehen seit der Freitags-Aktion inzwischen rund  40cm Wasser.  Das lasse ich jetzt einfach mal drin. Solange die voll steht, läuft zumindest aus dem Tank nichts mehr nach. In der Steuerbord-Bilge waren es erstaunlicher Weise nur 5cm. Und die hatte ich am Freitag vermutlich selber da reinexpediert bei meiner Bastelei an den Pumpen, Filtern und Leitungen, bis schließlich wieder alles dicht war. Sollte dieser Tank jetzt  etwa tatsächlich soweit dicht sein? Wir werden sehen….

Bis um 11h war es warm genug geworden, um endlich mal wieder im Cockpit frühstücken zu können. Außerdem hatte ich inzwischen Schmacht und somit gab es heute nach langer Zeit mal wieder ein sonntägliches Vollwert-Frühstück im Freien.

Was tun, mit dem angefangenen Tag? Nach Malen war mir irgendwie nicht, das hat auch noch Zeit bis morgen, aber da war noch das Schapp über der Navi-Ecke, das sich auf der rechten Seite immer noch  als Kabelchaos darstellt.  Eigentlich war ich ja froh gewesen, daß fast alle meine Geräte über NMEA2000 kommunizieren können, aber halt nur fast alle. Da wären dann noch der Kompass, der BackUp-Autopilot, die PCs und Arduinos, die derzeit alle nur über einzeln zu verlegende NMEA0183-Leitungen angeschlossen werden können.

Das was sich hier so dekorativ im Vordergrund rumschlängelt, sind NMEA0183-Kabel, die z.B. beide Plotter mit dem Magnetkompass oder später (so man die passenden Kabel auseinanderdröselt) mit dem Bord-PC verbindet. Ein Paradies für Labyrinthspiel-Fans, und normalerweise soll das dann anschließend auch noch alles verlötet werden …

Ich habe allein über eine Stunde gebraucht, um nur den Kompass funktionsfähig mit dem 4012 zu verbinden, bis mir endlich auffiel, daß sich irgendwo im nicht abisolierten Teil des Kabelstrangs noch ein separates Data-Massekabel versteckte, das ich wohl versehentlich gekappt hatte. Das ebenfalls daran angeschlossene GPSMap 620 hatte das fehlende Masse-Kabel kurioserweise nicht gestört und es hatte die Kompassdaten trotzdem auf Anhieb angezeigt. Wunderwelt der Technik . Grr.. 

Wie auch immer, jedenfalls geht das definitiv auch irgendwie sinnvoller zu lösen. Bis mich schließlich die Lust am Basteln für heute verließ, war ich immerhin schon mal soweit gekommen:

Anschlußpanel aus einem GFK-Reststück mit aufgeklebten Wago-Klemmen für die NMEA-Ein- und Ausgänge der Plotter und sonstigen Gerätschaften. Und wenn man dann später mal irgend etwas an- oder umklemmen will, muß man keine mehrfach-Lötverbindungen kappen, sondern nur eine Klemme auf- und wieder zumachen.

Das sollte die Verdrahtung des ganzen Krempels künftig wohl ein klein wenig übersichtlicher machen. Es lebe die Wago-Klemme 🙂

ps: Mein Bettzeug und meine Handtücher sind natürlich nicht trocken geworden, bis es dunkel wurde. Hab ja nur eine Camping-Waschmaschine ohne Trockner. Ich lasse das Zeug jetzt einfach optimistischer Weise auf der Leine und hoffe, daß es heute Nacht nicht schon wieder anfängt zu regnen…