I’ve got the power! (Oops up …)

Heute war ein wenig Schlepperei, rumharzen und bohren angesagt. Nachdem Simon eingetrudelt war, haben wir gemeinsam den Generator, der als letztes der mitgebrachten größeren Bauteile seit  gut 15 Monaten im Sharan stand, da raus und an Bord gewuppt. Das Ding wiegt so um die 60Kg und ist doch ein klein wenig unhandlich, wenn man damit die Treppe hochsteigt. Ging dann irgendwie, aber ich merke gerade ziemlich deutlich im Kreuz, daß ich keine 50 mehr bin …

Nun steht er zumindest schon mal im Cockpit. Ich hatte gestern angefangen, eine neue Basisplatte dafür zu basteln und nach der mitgelieferten Maßzeichnung entsprechende Befestigungen einzulassen. Nur gut, daß wir das Trumm anschließend erstmal im Cockpit probeweise auf die Platte gesetzt haben, statt diese  gleich einzubauen und das dann erst „im Keller“ auszuprobieren.

Ich dachte zunächst, ich hatte mich vermessen oder verguckt, aber nein: Meine Maße und Bohrungen paßten einwandfrei, nur die Befestigungen am Generator selbst passen bei zwei der acht Befestigungsbohrungen nicht zur Zeichnung, weil die Rahmenschienen auf denen der Generator gummigelagert ist, gar nicht parallel sind und somit die Löcher um 10mm aus der Spur.  Italienische Präzisionsarbeit?   :wall:

Naja, egal. Versetzen lassen die sich nicht, insofern habe ich halt die Basis geändert. War ja noch früh genug. Damit sich die 15mm Sperrholzplatte nicht durchbiegt oder anfängt zu schwingen, sobald der Gen läuft, wurden noch zwei Leisten als Verstärkung drunter ge-epoxiert und geschraubt, und morgen kann  Simon das Teil pinseln, bevor es eingebaut und im Boot ebenfalls anlaminiert wird. Andries hatte den Generatoreinbau zwar neulich in seiner unnachahmlichen Art „we can do that, yes, yes, I will do that for you …“ gleich für sich in Beschlag nehmen wollen, als zur Sprache kam, daß ich den als nächstes einbauen wollte, aber dafür ist mir das Teil ehrlich gesagt zu teuer und hat zu viele fragile Teile, also mache ich es lieber selbst. Vielleicht, wenn ich mal wieder einen LKW-Motor einzubauen hätte…

Wenn ich gestern nicht so schlechte Laune gehabt hätte, wär ich vermutlich in schallendes Gelächter ausgebrochen, als er mit dem besorgten Adapter-Schlauch für den kurzen Weg vom Seeventil am Wassereinlass für den Motor zu dem zum Motor führenden Rohr ankam: Der Anschlußstutzen ist für einen zölligen Schlauch. Was er dann anschleppte war ein halbmeterlanger, relativ schlabberiger Formschlauch mit 1 1/2 Zoll, bei dem er auf jeder Seite ein 10cm langes Stück zölligen Schlauch als Reduzierung lose reingesteckt hatte, um das dann gemeinsam auf den Stutzen zu würgen.

Ich  bin ja durchaus für unkonventionelle Lösungen und Improvisationen zu haben, aber beim Kühlwassereinlass für den Motor und unterhalb der Wasserlinie sowieso hört der Spaß dann doch auf.

Ich habe mir dann im Shop einen passenden PE-Schlauch besorgt, den an den Enden kurz angekocht und schon paßte der perfekt auf beiden Seiten auf die Stutzen. Das sind zwar eigentlich geruchsdichte Sanitärschläuche und sauteuer, dafür sind sie aber im Gegensatz zu den sonst hier gebräuchlichen, besseren Garten-schläuchen, recht formbeständig und ziehen sich nicht zusammen. Und ja, der ist auf jeder Seite natürlich mit zwei Schellen gesichert, wie alle anderen Borddurchlässe unter der Wasserlinie auch; ist im Bild nicht so ganz toll zu erkennen…

Apropos Shop: Wer als durchreisender Yachtie da einkauft, braucht normalerweise Kleinmengen an Ersatzteilen, verstehe ich durchaus.

Warum man aber als Shop-Mensch zwei Hutmuttern oder zwei Schrauben in eine Plastiktüte steckt, um die dann als Set zu verkaufen, ist mir ziemlich unklar. Sowas könnte man nun weißgott auch lose verticken.  Mein Einkauf heute bestand aus  zehn 8x40er Schrauben, vier 8x50er Schrauben, fünfzehn 8er Muttern, zehn 8er Hutmuttern  und zwei Reff-Kauschen. Verpackt in achtzehn (!) einzelne Tütchen :help:

Plastikschwemme

Und die kriegen sie nicht etwa schon so geliefert, nein, da sitzen zwei der drei Mädels tagelang, um die kartonweise angelieferten Dinger paarweise einzutüten, die Tüten zuzukleben, pro Tüte ein Etikett zu drucken und dann aufzukleben, um die Tüten dann an die Wand zu hängen. Mag ja sein, daß die ähnlich unterbezahlt sind wie Andries‘ Schergen, aber selbst dann kann das nicht wirklich wirtschaftlich sein… Mal ganz abgesehen von dem Müll, der damit völlig sinnlos produziert wird.

Den Meter Schlauch gab es immerhin lose von der Rolle, ohne Tüte.

Reff-Kauschen? Yup. Unkonventionelle Lösungen für ausgefallene Problemstellungen, sozusagen :mrgreen: Auf dem Bild von gestern war ja schon zu sehen, daß meine „heb-den-Antrieb“-Strippe mitten durch die Badeplattform verläuft.

Da der Winkel dieses Tampens nun zwangsläufig mit der aktuellen Position des Antriebs zusammenhängt, und nur im Idealfall, nämlich wenn der Antrieb komplett  hochgehoben ist, in einer Geraden verläuft, schamfielt das naturgemäß an den Kanten und irgendwann wird das GFK an den Rändern ausfransen und/oder das Seil durchscheuern und der Antrieb runterklappen, wobei bei meinem Talent der da dranhängende Meter Rest-Seil vermutlich im Propeller enden wird, sobald ich den Motor starte. Um das zu minimieren, habe ich heute die Panzerplatte von unten ein wenig mit der Flex samt „Fein“- und „Sehr fein“-Fächerscheibe bearbeitet, und

angesenkt und poliert

anschließend die einigermaßen scharfe GFK-Kante auf der Oberseite durch eine Reffkausch entschärft.

Das Ding links hat 20mm Durchmesser, ist also viel zu groß. Als ich im Shop nach was kleinerem gefragt hatte hieß es „haben wir nicht, gibt’s gar nicht kleiner, kannst Du nur selber machen“. Während ich dann heute nochmal etwas genauer im Laden rumstöberte, weil ich mir sicher war, da sowas schon gesehen zu haben, entdeckte ich sie dann, eingetütet an der Wand hängend …

Die hatte mit 10mm Innendurchmesser die ideale Größe, also habe ich den Belag ein wenig aufgedremelt, nochmal angesenkt und dann das Teil, mit Epoxy-Kleber bestrichen, bündig im Loch versenkt. Das sollte wohl zuverlässig verhindern, daß sich das Seil vorzeitig bei der Arbeit aufreibt.

Zu Essen gab es heute nur Suppe. Basis war eine „Country Vegetable Soup“ aus der Dose, die ich noch um ein bischen Gemüse aus dem Kühlschrank ergänzt, und etwas nachgewürzt habe. Schmeckt. Ab auf die Einkaufsliste damit 🙂

Da ich gestern willkürlich eine der Grundregeln der Bundeswehr (jedenfalls war das zu meiner Zeit noch eine) mißachtet, nämlich „Keine Beschwerde vor Ablauf von 24 Stunden!„, und mich aufgrund der Paketsache ziemlich deutlich mit DHL angelegt hatte, war ich einmal in Fahrt und habe bei der Gelegenheit dann auch gleich noch  Stephen wegen des Dodgers und, per Whatsapp, Rob den Gasmann wegen des seit dem vor über sechs Monaten erfolgten Gasanlagen-Umbaus immer noch nicht ausgestellten Gaszertifikates für das Boot zusammengefaltet.  So, wie eigentlich jeden Monat. Nur diesmal nicht mehr ganz so freundlich …

Zumindest letzterer war sichtlich pikiert und hat sich heute morgen entschuldigt. Eine Stunde später standen zwei seiner Leute mit dem „Gaszertifikatsdurchschreibebuch“ vor dem Tor und warteten auf meine Unterschrift. Nun bin ich also offiziell gaszertifiziert 🙂