Kabelsalat

Es regnet. Nachdem sich die Temperaturen die ganze Woche meist deutlich über der 35°-Marke gehalten haben, war Freitag morgen von Sonnenschein nicht mehr viel zu sehen,  es hatte sich bereits merklich abgekühlt und kurz vor Mittag drehte der Wind um 180° von Nord auf Süd. Üblicherweise hier ein Zeichen dafür, daß es in kurzer Zeit feucht und windig wird.

Da auch Windy.tv für das Wochenende reichlich Wind und Regen vorausgesagt hatte, wollte ich eigentlich am Freitag morgen noch schnell ein paar weitere Leisten fräsen, um am Wochenende mit den Verblendungen weiter machen zu können, aber kaum hatte ich  drei Leisten im ersten Durchgang fertig, fing der Regen auch schon an und hörte bis Samstag Nachmittag nicht mehr auf.

Also packte ich meine Gerätschaften wieder zusammen, räumte das Holz weg und nahm mir ein anderes Projekt vor: Die Navi-Ecke und das Instrumentenbrett für den Steuerstand. Beide Panels hatte ich ja bereits vor Jahren zuhause gefräst und mitgebracht, die darin unterzubringenden Geräte waren ebenfalls alle hier, nur verkabelt war noch genau nichts.

Genau das Richtige für ein langes, verregnetes Wochenende, an dem ich, wie sich herausstellen sollte, das Clubgelände ohnehin nicht (mit dem eigenen Auto) verlassen können würde, da die Fortuna immer noch an Ort und Stelle  im Travellift hängt und die Bedienercrew auch keine Anstalten macht, das Ding da weg zu bewegen. Der Motor der Fortuna läuft immer noch nicht und inzwischen ist die Springflut, auf die sie die ganze „zu-Wasser-lass“-Aktion eigentlich getimed hatten, schon wieder Geschichte. Ich war also wieder mal zugeparkt.

Wilde Verkabelei auf dem Salontisch

Inzwischen ist Samstag Abend und im Ergebnis sind beide Instrumentenpanele soweit fertig, daß sie theoretisch eingebaut werden können. Die MMSI-Kennung (sowas wie die weltweit einmalige Funk-Telefonnummer des Bootes) in Funkgerät und AIS-Traansponder einprogrammiert, Strom drauf, NMEA2000-Buskabel anstöpseln und geht.

Navigation funktioniert, Funk funktioniert, AIS funktioniert derzeit immerhin schon passiv, da der Amec-Transponder für den aktiven Sendebetrieb ein eigenes GPS-Modul erfordert, und ich die extra dafür nachgekaufte GPS-Maus bislang noch nicht wiedergefunden habe, der Transponder somit mangels gültiger Position noch nicht sendet. Es heißt zwar irgendwo in den Richtlinien, ein AIS-Transponder sollte ein eigenes GPS haben, aber wieso man aus Redundanzgründen nicht auf das am NMEA2000-Bus ohnehin verfügbare Signal anderer Quellen zurückgreift, ergibt in meinen Augen nicht so unheimlich viel Sinn.

AIS ist das Automatic Identification System für Schiffe. Vorgeschrieben für alle Schiffe größer als 300BRT,  sendet es Kurs, Geschwindigkeit, Wendewinkel und etliche andere Parameter alle paar Sekunden über  UKW-Funk und ist auf dem Meer eine unschätzbare Hilfe für alle Segler mit kleiner Besatzung, die vor AIS-Zeiten eigentlich nur schätzen konnten, ob ein Kontrahent bei einer Begegnung nun den eigenen Kurs kreuzt, wie nahe man sich  kommen wird und ob das gegebenenfalls zu einer brenzligen Situation führen kann. Immer mal vorausgesetzt, es geht zur richtigen Zeit auch gerade jemand Ausguck, hat in die richtige Richtung gesehen und aus dem Punkt am Horizont auch die richtigen Schlüsse gezogen.

Mit AIS kann man sich nicht nur Kollisionsalarme auf mehrere Meilen im Voraus konfigurieren, sondern sieht auf dem eigenen AIS-Gerät auch die MMSI und den Namen des anderen  Schiffes. Einigermaßen aktuelle Funkgeräte wie mein Garmin VHF200, die im NMEA2000-Bordnetz mit einem entsprechenden Kartenplotter vernetzt sind bieten  die Möglichkeit, direkt  vom Kartenplotter einen  „Anruf“ beim AIS-Ziel zu initiieren.  Außerdem werden diese AIS-Signale in Küstennähe (bis ca. 30 Seemeilen vor der Küste, sofern nicht über Satelliten-AIS gemeldet, dann sogar von überall) weltweit von Basisstationen aufgefangen und zentral ausgewertet. Unter anderem sind auf den Internetplattformen Vesseltracker.com und Marinetraffic.com die gemeldeten Schiffspositionen auch öffentlich einsehbar.

Marinetraffic.com: Schiffe vor der Küste Südafrikas
Aktuelle Darstellung von Thelxinoes Position auf dem Garmin 4012

Sobald das GPS-Maus-Ding wieder aufgetaucht und angeschlossen ist (und die Anlage läuft, natürlich), sollte die Thelxinoe also nicht nur von anderen Schiffen zu sehen, sondern in Landnähe wohl auch im Internet unter MarineTraffic.com zu finden sein.

Plotter, Funkgerät und Multifunktionsanzeige für die Navi-Ecke
Die Rückseite des Moduls für den Steuerstand
Der Geber für’s Echolot im Praxistest 🙂

Irgendwann zwischendurch tauchte Andries auf, um mir die Adapterplatte, die er anfertigen lassen hatte, und das Gegenstück aus meiner abgesägten alten Golf-Getriebeglocke und einem neu gedrehten Teil zu zeigen. Sieht bis hierhin gut aus, muß jetzt aber noch auf den korrekten Abstand zwischen beiden ausgedreht werden, damit die Welle dann passig sitzt und nicht hin und her wandern kann. Ich bin echt mal gespannt, ob das tatsächlich so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben.

Die Adapterplatte für die (am Motor verbaute) Saildrive-Glocke. Aus dem Vollen geschnitzt!
Das Gegenstück mit der Aufnahme des Wellenlagers probehalber am Z-Antrieb angesteckt
Das Gegenstück mit dem verwerteten Teil der alten Getriebeglocke

Erstaunlicher Weise hat meine provisorische Solarinstallation am gestrigen Freitag trotz ganztägig verhangenem Himmel und Regen ab Mittag immer noch 310 Wh „geerntet“ und den größten Teil des Tages mit über 5A in die Batterien geschaufelt.  Inzwischen hängen sie ja wieder am Ladegerät mit Landstrom versorgt, aber gut zu wissen, daß ich meine Kühlschränke auch an Regentagen normal weiternutzen kann 🙂

Zum Titelbild: Soviel zum Thema „… und immer eine Handbreit Wasser unter den Kielen“