Lockdown, Tag 109

Freitag hatten wir uns schon gefreut, daß das Ende des Winters scheinbar erreicht war. Tagsüber um die 30°C, kaum Wind und auch Nachts wurde es nicht kälter als 20°C. Zu früh gefreut …

Seit Samstag Mittag blies es mit 25 bis 40 kts wieder mal aus Südwest, die Außentemperatur lag kurz nach Sonnenuntergang bei gerade noch 14°C und der Heizlüfter wurde wieder hervorgekramt.

Der Sonntag morgen begann noch mit reichlich Wind, der dann aber bis Mittag auf 4-5kts abgeflaut war. Trotzdem haben wir uns für den wiedereingeführten Sonntags-Lunch mit Peter lieber nach drinnen verzogen, denn es war immer noch arg frisch.

Montagmorgen war es im wahrsten Sinne arxchkalt in der Hütte. Draußen waren gerade einmal noch etwas über 11°C, und aus unerfindlichen Gründen war seit ca. drei Uhr der Strom weg, so daß der Heizlüfter ebenfalls untätig rumstand und die Innentemperatur morgens bei nur noch 13°C lag. Brrr…

Nach Sonnenaufgang war der Strom immer noch nicht wieder da, und als es gegen 10h ein wenig sonniger und wärmer geworden war, taperte ich los um in Erfahrung zu bringen, was passiert sei. Meine Vermutung war, daß die Gemeinde uns wieder mal den Strom abgeklemmt hatte. Die Realität war um einiges dramatischer: Irgend ein Honk hatte versucht, das zu den Clubs führende Stromkabel zu klauen um es zu verhökern, und sich dabei  selbst „electrocuted“, wie sie hier sagen. Jedenfalls lag das abgeschnittene Kabel zusammen mit diversem Werkzeug an der Straße und Spuren deuteten angeblich darauf hin, daß der Typ oder einer der Typen sich wohl übel verletzt haben mußte. Scheint hier nicht so total ungewöhnlich zu sein. Niemand schien sonderlich überrascht oder schockiert.

Bis kurz nach Mittag hatte Escom den Schaden repariert, und wir konnten die Bude wieder ein bischen anwärmen. Eine Stunde später schlug das Loadshedding zu, und wir waren schon wieder für die nächsten drei Stunden saft- und kraftlos. Irgendwie ist das schon ein klein wenig lästig…

Heute wollten wir eigentlich zum Einkaufen in die Mall. Brot ist alle, Veggies sind alle, an Obst waren nur noch zwei Bananen und drei Datteln vorhanden und auch ansonsten sieht’s im Kühlschrank ziemlich mau aus. Aber: Nachdem ich gegen neun noch meinen ersten Regenbogen auf Bodenniveau fotografieren konnte (s.o.), war das letzte bischen Sonne kurz darauf weg, es briste immer weiter auf, und ab Mittag war das mit dem Sitzen im Cockpit dann vorbei. So gegen 16 Uhr hörte ich das erste Mal den Starkwind-Alarm meiner Wetterstation rumtuten und wir sahen uns genötigt, das Cockpit von allen wegwehbaren Utensilien zu befreien, da sich die Windstärke derweil bis auf 45kts hochgearbeitet hatte. Ein paar Minuten später hatte sich das zwar wieder ein bischen beruhigt, war aber immer noch hinreichend Luftbewegung. Nichts desto trotz fühlten sich ein paar der täglich  hier vorbei paddelnden Mitglieder des nebenan beheimateten Kanu- und Kajak-Clubs bemüßigt, auch heute bei 35kts ihre Runden zu drehen. Nu ja, wer’s braucht …


 

Ich war ohnehin mehr im Innenraum beschäftigt und bastelte an der Verrohrung der Deckwasch-Pumpe rum. Nachdem Morgan den  vorhandenen Borddurchlass und das alte Seeventil durch deutlich größere ersetzt hatte, paßten natürlich die Schläuche bis zur Pumpe nicht mehr, und den ehemals vorhandenen Gartenschlauch von der Druckpumpe bis zur Badeplattform habe ich in Verbindung mit ein paar Whale-Verbindern und -Bögen durch PE-Rohre ersetzt. Und da das Ganze in dem Schrank in der Achterkabine stattfand, in dem auch der Wassermacher seinen Platz gefunden hat,  die Zuleitung  gleich mit einem vernünftigen Grobfilter und einer Solltrennstelle versehen, so daß die Booster-Pumpe einfach dazwischengeflanscht und alternativ zur Deckwasch-Pumpe betrieben werden kann. Wenn sich denn Bill aus Knysna mal irgendwann mit den aktuellen Preisen für den WM-Kram zurückmeldet, auf daß ich das Zeug nun endlich mal bestellen kann…

Shaheda kämpft dagegen die aufkommende Langeweile nieder und tobt sich oft und gern in der Pantry aus. Heute gab es die letzten Hähnchenbrustfilets aus der Gefrierbox  in einem gut gewürzten Curry und dazu Roti, und aus den letzten beiden Bananen wurde ein leckerer Bananaloaf, sowas wie ein Bananenbrot. Mjamm. Morgen müssen wir nun aber definitiv mal zum Einkaufen 🙂

ps: Seit gestern ist der Verkauf von Alkoholika übrigens wieder landesweit verboten. In den Restaurants gab es ja vorher schon nix entsprechendes, aber nun sind die Liquorstores ebenfalls wieder dicht. Außerdem gilt ab sofort eine nächtliche Ausgangssperre sowie eine totale Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, auch draußen. Begründung für den Alco-Bann:  Man versuche,  „drunken fighting, domestic violence  and weekend binge-drinking“ zu unterbinden. Nu ja… Wenn sich da genau so eine Schwarzmarkt-Scene entwickelt wie bei den Zigaretten, wird das Verkaufsverbot wohl nur eingeschränkt wirksam sein. Brauereien und die Weinanbauer sehen sich hingegen zunehmend aus dem Markt gedrängt und fürchten um ihre Existenz.

Hintergrund der ganzen Geschichte: Südafrika ist Afrikaweit das am stärksten von Covid19 betroffene Land. Epizentrum ist die Gauteng-Provinz mit Pretoria und Johannesburg, mit fast der Hälfte aller Infizierten. Und die Neu-Infektionsrate hat inzwischen die Marke von 14.000 pro Tag geknackt, was zu einer Gesamtzahl von über einer Viertelmillion Infizierten geführt hat. Das ist hier definitiv noch lange nicht vorbei, auch wenn die Regierung derweil 28.000 Krankenhausbetten für Covid19-Patienten geschaffen hat.

Also: Kopf einziehen, Füße stillhalten und möglichst vielen Leuten aus dem Weg gehen…

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