Lockdown, Tag 152

Gestern war ein recht merkwürdiger Tag. Er fing damit an, daß ich erst gegen acht Uhr wach wurde (ohne neue nasse Stellen im Bett, die Adhoc-Verpflasterung der Frontscheibe gestern scheint zu wirken), mir die Zeitung runterlud und einen Kaffee machte, und anschließend so müde war, daß ich mich nochmal hinlegte und bis  um elf weiter gepennt habe.

Nachdem der Tag nun eh schon halb rum war, beschloß ich das Boot für den Tag Boot sein zu lassen, und da immer noch keine Razorbellies in Sicht waren, die Köderfischangel zu reparieren. Der Montag  endete nämlich damit, daß doch noch ein paar durch den Hafen flippten, und bei dem Versuch einige davon zu erwischen, habe ich zum zweiten Mal in acht Wochen den Spitzenring der Angel abgebrochen. Passiert halt mal. Das ist eh ein besseres Spielding und kostet hier im Laden um die 270R inclusive Rolle und Schnur, also gerade mal knapp 14€, aber für die Razorbellies erfüllt es halt seinen Zweck. Jedenfalls, solange der Ring an der Spitze noch da ist.

Also habe ich den immerhin noch an der Schnur hängenden Ring ausgebohrt, die Spitze ein wenig verkürzt und verjüngt, den Ring mit Sekundenkleber wieder befestigt, dann eng mit Schnur umwickelt und auch die mit Sekundenkleber fixiert, um das Ganze ein wenig stabiler zu gestalten. Die ganze Sache war in 15 Minuten erledigt, die Angel lag zum Trocknen auf dem Achterdeck und als ich mich umdrehte, um das Cyanacrylat zuzuschrauben und wegzustellen, war irgendwie mein Ellenbogen im Weg und fupp … weg war’se.  Ich sah sie aus den Augenwinkeln noch seitlich vom Deck rutschen, war aber zu langsam, um sie noch zu einzufangen. Dolle Wurst.

Ein halbherziger, spontaner Bergungsversuch mit einer der anderen Angeln, Grundblei und großem Drilling blieb erfolglos, und für 14€ wollte ich nicht unbedingt in dieser Drecksbrühe tauchen gehen. Nicht nur daß Winter ist, und das Wasser  gerade mal 18°C hat, derzeit ist hier soviel Sediment drin, daß man unter Wasser eh keine 50cm weit  sehen kann. Und außerdem war Flut und es war gut 7m tief.  Nee, danke.

Erstaunlicherweise war ich nichtmal ernsthaft brastig. War auch sonst keiner weiter da, dem ich das hätte anhängen können 🙂 Egal, 14€ entspricht ungefähr dem Gegenwert meiner früheren täglichen Zigarettenration in Deutschland. Und da ich jetzt über fünf Monate nicht geraucht hatte, werde ich den finanziellen Verlust wohl verkraften. 15 Minuten später hatte ich eine neue. Nur für den Fall, daß die Sardinen doch nochmal auftauchen …

Mittags habe ich meinen Eintopf warm gemacht, und der war ausgesprochen lecker. War irgendwie auch gar nicht mehr soviel wie gedacht, nachdem ich gestern Abend doch noch davon genascht hatte, als mich der kleine Hunger ansprang, also muß ich mir für die nächste Mahlzeit wohl etwas neues ausdenken 🙂

Und da ich nun einmal im Shop war, habe ich mir gleich noch eine Klappkiste mitgenommen, um diesen ganzen, bislang   auf diverse Krautsalatdosen verteilten Angelkram endlich vernünftig unterzubringen. Habe damit den ganzen Nachmittag im Cockpit verdaddelt und irgendwie war der Tag dann auch schon schneller rum als gedacht. Ein merkwürdiger Tag … 

Mittwoch

Der Tag begann ähnlich schlafmützig wie der gestrige, nur daß ich heute schon um sechs aufgestanden bin. Total müde bin ich trotzdem. Der Südwind ist wieder da, es ist bedeckt, und ich fummele an den einzelnen Restbaustellen meines Energiemanagements rum. Nachdem das mit dem Batterieladen sogar über Nacht inzwischen funktioniert solange nur Wind ist, hatte ich das Ladegerät nicht wieder eingeschaltet nachdem der Strom wieder da war, und bin nun am rumprobieren, wie weit die Autarkie an Bord denn tatsächlich geht.

Kurz vor 11h00, die Sonne kam für ein paar Minuten durch die dicken Wolken und der Wind blies derweil mit 20-25kts, habe ich meinen bislang besten Wert am  Batteriemonitor abgelesen: 44.5A netto. Jenseits der 12A sind es eigentlich immer, selbst bei bedecktem Himmel und nur 10-15kts, solange die Akkus nicht  schon  voll sind. Die LiFeYPo4-Akkus nehmen bis 14.6V, was immer man ihnen reinschaufelt, danach setzt das interne Balancing ein, und die Windgeneratoren schalten sich bei 14.25V ohnehin ab.

Netto insofern, daß ja nebenher noch drei Kühlschränke und der Bord-PC laufen, Handy, iPads, und der Laptop  geladen werden, die einen Teil des soeben erzeugten Stroms direkt wieder verbrauchen. Das können dann auch schon mal so um die 15A sein, wenn alles zusammenkommt. Dat is nich schlecht, Herr Hecht. (es heißt „Specht“, Herr Brecht!“, „ach, echt?“) :roll:

Genug der flachen Witze. Wie auch immer, für den Wassermacher sollte das an windigen und idealerweise auch noch sonnigen Ankerplätzen hinreichen, um bei Bedarf 2-300L Trinkwasser pro Tag zu erzeugen, ohne daß die Batterien nennenswert entladen werden. Generator laufenlassen zum Batterieladen oder Wasserlassen machen, wird mit ein bischen Glück komplett überflüssig. Nur zum elektrisch kochen und um größere Mengen Wasser zu erhitzen, wenn es darum geht, Gas zu sparen, oder natürlich für die Klimaanlage müßte das Ding noch laufen.

Aus irgendeinem Grund hatte ich heute morgen mein Frühstück verpaßt. Auf Cornflakes hatte ich keine Lust, und nach Toast war mir auch nicht so recht, also haben mich lediglich ein paar Tassen Kaffee und zwei kleine Stücke Cocos-Brittles durch den Vormittag gebracht.

Gegen Mittag stellte sich dann doch so etwas wie ein leises Hungergefühl ein, und irgendwie war mir nach Suppe. Meine Dosensuppen sind schon lange Geschichte, aber im Kühlschrank lag noch so einiges an Gemüse rum, also:

Wir basteln uns eine Frühlingssuppe, ist ja Frühling …

Ein Vegetable-Stockcube als Geschmacksgrundlage in einem dreiviertel Liter Wasser aufgekocht, zwei Möhren. eine Handvoll braune Champignons, ein Stück Brokkoli und den Rest Blumenkohl zerschnippelt, plus drei Esslöffel Graupennudeln für etwas mehr Substanz, das Ganze eine Weile aufgekocht und dann noch zwei Eier reingerührt, um dem ganzen auch ein bischen Nährwert zu verpassen, fertig.

Ein Stück totes Huhn mit drin hätte den Geschmack vermutlich noch verbessert, es schmeckte aber auch so und hätte ich eh nicht gehabt. Bin mir fast sicher, das war das erste Mal, daß ich tatsächlich nominell vegetarisch gekocht habe, wenn auch ohne große Absicht. Allerdings war das zu diesem Zeitpunkt konsistenziell schon deutlich mehr Eintopf als Suppe. Also nächstes Mal lieber einen Viertelliter Wasser mehr nehmen..

Abschmecken und noch eine Viertelstunde lang vor sich hinköcheln lassen und in der Zeit eine Scheibe Vollkorn-Toastbrot zu Cretins  Croutons umgearbeitet und geröstet: Mahlzeit!

Flühlingssuppe Thelxinoe

Das reicht auch für morgen nochmal.

Nachtrag zum Titelbild: Ich hatte einen meiner gestern gebunkerten Razorbellies mit einem Grundblei hinterm Boot versenkt . Als ich vorhin die Angel über Nacht wieder einholen wollte, nachdem den ganzen Tag lang scheinbar nichts passiert war, sah das dann so aus wie im Bild. Die Schnur geht schräg nach hinten, kurz hinter dem Boot Richtung Grund, und alles Zerren und Reißen half herzlich wenig. Dat Dingen sitzt fest. Also wenn ich nicht einen 40Kg-Rochen geangelt habe, der sich jetzt am Boden festbeißt, habe ich vermutlich ein halb im Modder versunkenes Bordfahrrad am Haken, das mal irgendwer an diesem Liegeplatz verloren hat …