Lockdown, Tag 157

Was eine bräsige Woche!

Neben den schon im letzten Beitrag erwähnten Tropfereien durch meine Frontscheibe, fällt mein Kahn scheinbar allmählich schon sukzessive auseinander, bevor ich auch nur einen Meter gesegelt bin. Mal abgesehen davon, daß ich für den berüchtigten Langfahrt-Segler-Spruch („wir reparieren uns an den schönsten Ankerplätzen um die Welt“) definitiv am falschen Ort bin, mein Boot sieht eine Woche nach der Abkärcher-Aktion schon wieder aus wie ein Kohlenlaster, fallen mir ohne ersichtlichen Grund die Geräte reihenweise aus.

Angefangen mit dem älteren der beiden Victron-Batteriemonitore, der Freitag plötzlich dunkel blieb und sich auch nicht wieder zum Leben erwecken ließ, hat es anscheinend auch einen der beiden Victron MPPT Solarladeregler zerlegt. Jedenfalls ist er weder über Bluetooth noch ansprechbar, noch zeigt er irgendein Lebenszeichen, wenn man ihn an die Batterien hängt. Nur von den Solarzellen scheint noch ein wenig Saft zu kommen, der zumindest für die Ladekontrolle reicht. Der andere blinzelt wenigstens einmal kurz mit allen LEDs, wenn man ihn anklemmt. Ob er womöglich trotzdem noch ordnungsgemäß funktioniert, kann ich leider nicht feststellen, weil es seit Tagen regnet wie Schwein. Immerhin: Gibt es auch hier, und sind sogar deutlich billger als in Deutschland.

Das mit den durchlässigen Frontscheiben hat sich inzwischen auch in der Backbord-Kabine bewahrheitet, auch hier dasselbe Spiel: An einer der Schrauben sickert ein Tropfen durch, zieht eine Spur an der Scheibe runter, und landet auf der Matratze. Sobald der Regen aufhört und der Kahn abgetrocknet ist, kommt auch da ein Tropfen Acrüfix auf den Riß. Und falls es mir gelingt, hierzulande sowas wie Makrolon AR oder Lexan Margard in 9mm aufzutreiben, schneide ich beide Frontscheiben wieder raus und mache neue rein. Geht mir das alles auf’n Zeiger …

Steter Tropfen, die dritte: Seit Wochen sammelt sich in dem Schrank unterhalb des Badezimmerwaschbeckens Wasser. Wenn man ein paar Tage nicht hinsieht, sind es gut 5cm und es fängt an, in die vordere Bilge überzulaufen.  Meine bisherige Suche nach der Ursache war nicht sonderlich ergiebig, aber nachdem ich alle von Stephan damals eingebauten Messing-Verbinder gegen Whale-connectors getauscht hatte, war zumindest für eine Weile Ruhe. 

Pfuscher! Allesamt!

Diese Woche fing es wieder an, also habe ich mit etwas Mühe die Armatur ausgebaut, dabei die geniale südafrikanische Improvisationstechnik bewundert, die das Ding am Platze gehalten haben (er hätte auch einfach sagen können, daß ihm zwei 6×30 Inbusschrauben fehlen, statt diese inzwischen dezent vor sich hingammelnden und mindestens um das Doppelte zu langen  aus seiner Grabbelkiste einzubauen. Hätte ich sogar in Edelstahl vorrätig gehabt …) um dann festzustellen, daß der Flexschlauch für den Brausekopf an dieser idiotischen und viel zu langen Schlitzschraube angescheuert ist und leckt.

Zwei Stunden bin ich in der Gegend rumgefahren, und habe alle möglichen Sanitärhändler und Baumärkte abgeklappert: Gibs nich.

Bei Aqua-Tap hatten sie dieses Modell immerhin schonmal gesehen und haben nun eine neue Armatur samt Schläuchen bestellt, die angeblich Montag dahin geliefert werden soll. Habe den alten Schlauch jetzt erstmal mit Schrumpfschlauch ummantelt, um übers Wochenende wenigstens duschen zu können.

Und wie ich eben so den Brausekopf der identischen Armatur in der Pantry rauszog um abzuwaschen, rieselte es auch von diesem herunter und lief am Schlauch zurück in den Schrank darunter. Dichtung weggedrückt, wieso auch immer. Kein Wunder, daß die Bilgenpumpe wieder öfter anspringt. Ey ….

Zu allem Überfluß regnet es seit Tagen immer wieder, und die Temperaturen haben wohl diese Woche die 15°C nicht überschritten. Mein Heizlüfter läuft schon die gesamte Woche im Dauereinsatz. Irgend wie fühle ich mich hier deutlich deplaziert. Ich wollte doch Sonne, weiße Strände und einsame Inseln! Keinen Kohlenstaub geschwängerten Regen, den der Südwest hier waagerecht durch die Ritzen meiner Cockpittür treibt! Ich sah mich genötigt, zusätzlich noch die beiden unteren Elemente des Steckschotts einzusetzen, um hier drinnen keine nassen Füße zu kriegen. Äitzend …

was ein Dreckswetter!

Eigentlich hatte Peter mich für heute Mittag zum Essen bei sich an Bord eingeladen, stellte jedoch eine Stunde vorher fest, daß das dafür eingekaufte Fleisch inzwischen gammelig geworden war. Also haben wir uns beim Portuguese on the Bay getroffen, er hatte eine Seafood-Platte, und ich habe mein erstes südafrikanisches Eisbein mit Sauerkraut (angeblich) gegessen. Gut, daß ich nur ein recht bescheidenes Frühstück gehabt hatte 🙂

Das war nicht nur richtig gut, sondern auch mehr als reichlich.

Die positivste Nachricht der Woche hier vor Ort: Die Firma WebAfrica, Provider oder Vermittler von Telefonkarten, hat es nach kaum vier Wochen angeblich gestern tatsächlich geschafft, meine bestellte Daten-SIM zu verschicken. Nachdem ich jetzt zwei Jahre lang mindestens einmal im Monat knapp 700R für 20GB Datenvolumen ausgegeben habe, ergaben nähere Nachforschungen, daß das neuerdings auch irgendwie billiger geht.

Abgeschlossen habe ich jetzt einen Vertrag über eine Fixed LTE Sim von Telkom, eigentlich für einen Router zuhause gedacht, wobei es die Firma glücklicherweise nicht interessiert, ob das Zuhause womöglich schwimmt, solange es eine permanente Adresse hat. Dudu war bei der Erstellung eines entsprechenden Nachweises in dieser Frage ziemlich behilflich 🙂

Der Vertrag ist monatlich kündbar, und mal eben um den Faktor 15(!) billiger, als bei Vodacom. 80GB Anytime- und 80GB-Nightshift-Datenvolumen, wobei letzteres für die Zeit von 00:00 bis 07:00 abgerechnet wird. Das ganze für 369R/Monat. Nun muß das Ding nur noch irgendwann eintrudeln. Hoffentlich bald, denn das aktuelle Volumen ist nach nur 14 Tagen schon wieder runter bis auf knapp 500Mb. Und das aktuelle MusicMaker-Update ist noch nichtmal runtergeladen! Das waren beim letzten Mal mehrere GB!

Der im Titelbild zu sehende Stahlkahn am Ufer wurde im Laufe der Woche deutlich flacher und leichter!   Sie sind von der Flex zum Schneidbrenner übergegangen, und das ganze schreitet zügig voran. Sieht inzwischen definitiv nicht mehr so aus, als wolle irgendjemand die Kiste wieder aufbauen 🙂

Etwas spät, nämlich erst am Dienstag oder Mittwoch, kam mir die Idee, die da werkelnden mal zu befragen, ob sie in dem Ding womöglich noch einen Watermaker gefunden hätten. Idealerweise noch mit einer funktionierenden Hochdruckpumpe …

Ja, hatten sie in der Tat. Inzwischen hatten sie das Ding aber ausgebaut und irgend jemandem für kleines Geld verscherbelt. Elender Mist …

 

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