Lockdown, Tag 70

Das verkommt hier noch zum reinen Foodblog, wenn das so weitergeht. 🙂 Eigentlich wollte ich heute einen weiteren Rahmen unter eine der verbliebenen Luken basteln. Auf Maß zurecht geschnitten ist er auch immerhin schon; bevor ich soweit war, ihn zu montieren, habe ich dann allerdings zwischendurch „mal eben“ die Angel ausgeworfen, weil die Sardinen wieder da waren, und war dann für den Rest des Tages mehr oder weniger mit Angeln beschäftigt.

Kurz nach dem Frühstück biss dieser 40cm Shad/Elf auf eine ziemlich kleine Sardine. Im Gegensatz zu den beiden in der Vorwoche war dieser nicht nur gut maßig, sondern mit 800g auch schwer genug, um eine sinnvolle Mahlzeit für zwei abzugeben, also durfte er an Bord bleiben..

Zweipersonenfisch

Den Tipp von John von neulich befolgend, wurde er filletiert, „deep fryed“ und mit Salat und selbstgeschnitzten Pommes serviert. Ausgesprochen lecker 🙂 John’s Aussage zufolge sollte man Shad direkt am Fangtag essen, weil er beim Einfrieren dramatisch an Geschmack verliert.

Shad gebraten mit Pommes Frites und Salat. Mjamm 🙂

Auch heute platschte es gelegentlich wieder mächtig um uns rum im Hafenbecken, was auf größere Raubfische hindeutete, die auf der Jagd nach Sardinen (und/oder Shad) waren, also knotete ich nach dem gelandeten Shad als nächstes eine ausgewachsene (>28cm) Sardine an die Angel, und die nächsten drei Stunden passierte … nichts. Die Sardine drehte fröhlich ihre Runden im Hafen, und vermutlich hat sie dabei wieder mal einen Knoten in die Schnur geschwommen, der für das folgende Malheur verantwortlich war:

Gegen 15 Uhr sah ich, im Cockpit sitzend, aus den Augenwinkeln, wie sich  die Rute bog, hörte die Bremse surren und sprang auf die Badeplattform, um die Angel in die Hand zu nehmen. Drehte vorher die Bremse um eine Raste fester und PATSCH!, ab war die Schnur, gerissen oberhalb (!) der Pose. Mist elender. Das war definitiv kein kleiner…

Zum Trost gab es von Shaheda Pfannkuchen mit Erdbeeren und Schlagsahne. 🙂

Wie gesagt: Die gesamte Schnur ab Pose war weg, Da hilft dann auch ein Stahlvorfach nicht weiter. Das mit dem Knoten war mir vorher schon mal passiert, weil die doofen Sardinen einen Drang zur Oberfläche haben, wenn man sie nicht beschwert, wäre also vermeidbar gewesen. Der nächsen Sardine habe ich ein 20g Bleigewicht mit aufgeschnallt, Problem gelöst.

Bis zur Sundowner-Zeit passierte nichts mehr. Die Jungs auf dem Steg am gegenüberliegenden Ufer fischten seit Stunden ebenfalls schon nur noch Sardinen oder kleine Shads, hatten aber mindestens eine Schnur mit Pose mehr als halb über den Kanal in unsere Richtung geworfen, als die „Seagull„, eins der hiesigen kleinen Fischerboote zurückkam, diese Schnur schon halb überfahren hatte und dann eine Vollbremsung hinlegte, bevor sie sich erst in die Propeller wickelt. Das war knapp!

Während wir unseren Sundowner schlürften und uns über die  Blödheit/Dreistigkeit der Angler da drüben mokierten, sah ich in den Wellen von der Seagull meine Angel leicht wippen und stellte mir gleichzeitig die Frage: „Wo ist eigentlich meine Pose geblieben?“ Davon ausgehend, daß sich meine Sardine mal wieder irgendwo unter einem der Stege oder nebenan liegenden Boote versteckt und die Pose mitgeschlürt hatte, stieg ich also eher gemächlich auf die Badeplattform, zog die Schnur einigermaßen straff um festzustellen, in welche Richtung sie zeigt und stellte fest: „Oh, mitten in den Hafen“. Kein Rucken, kein Schnurabspulen, nix. Nur Ruhe …

Nu ja. Nach verhältnismäßig kurzem und unspektakulärem Drill hatte ich einen 75cm langen Dusky Cob auf der Badeplattform liegen. Nur halb so groß wie der von letzter Woche, hatte dieser die Sardine samt zweier Drillinge in den zwei Minuten „nicht hinsehen“ komplett geschluckt und somit die Chance auf Catch & Release leider vertan.

Dusky Cob, 75cm

Gewogen habe ich ihn nicht, da ich meine letzte Woche erstandene elektronische 40Kg-Fischwaage heute morgen wieder beim Shop auf den Tisch geknallt hatte, da sie schon nicht mehr funktionierte, als ich den Shad wiegen wollte. Vom Gefühl her würde  ich sagen, gut 5Kg wird er wohl gehabt haben, der Cob. Das Zerlegen hat eine Weile gedauert, aber nun haben wir für die nächsten Tage jedenfalls genügend Fisch in der Gefrierbox 🙂

Bis der Viech gekillt und halbwegs zerlegt war, war’s natürlich stockfinster. Notiz für die ToDo-Liste: Scheinwerfer am Geräteträger über der Badeplattform endlich anschließen und einen neuen Schlauch oder Pex-Rohre für die Deckwaschpumpe besorgen und wieder bis zur Badeplattform verlegen. Selbst so ein Kabeljau hinterläßt beim Zerlegen eine ziemliche Schweinerei, und Tuna und Doraden sollen diesbezüglich ja wohl noch deutlich schlimmer sein. Also, Deckwaschpumpe macht Sinn.