Lockdown, Tag 69

Haha, da hab ich hier ja schön was losgetreten mit meinem Fischzug neulich 🙂 Auf dem Steg an den Waterfront-Homes genau uns gegenüber standen sie Samstag den ganzen Tag lang mit 8 Mann und versuchten, das wieder freigelassene Monster oder einen von dessen Kumpels an den Haken zu kriegen. Hat wohl eher nicht geklappt, obwohl sie vormittags immerhin irgendwas in der 70-80cm-Klasse gekeschert haben, was aus der Entfernung allerdings eher nach einem Shad aussah. Kurzzeitig stand mit viel Palaver die gesamte Nachbarschaft mit auf dem Steg, der teilweise doch schon leicht Schlagseite bekam.

Mein Angelsamstag war eher durchwachsen, aber letztlich doch erfolgreich. Zweimal hatte ich an der Raubfischrute eine kapitale (>25cm) Köderfischsardine durch Bisse schlagartig eingebüßt bevor ich überhaupt reagieren konnte, gefangen habe ich lediglich am frühen Morgen beim Versuch, ein oder zwei Sardinen zu angeln, einen einsamen 40cm Yellowtail (oder auch Amberjack), so einen Art kleinen Tuna, der an der Stippangel mit dem Mini-Paternoster gut Alarm machte und die Schnur an ihre Grenze brachte, aber trotzdem Mittags in der Pfanne landete und auch vorzüglich schmeckte. Hab leider verpennt, vom  „Roh“-Fisch Bilder zu machen, aber die Filets sahen dann so aus 🙂

Yellowtail-Filets mit Butterkartoffeln.

Um mal einen Eindruck zu vermitteln, wie sich das darstellt, wenn hier die Sardinen einfallen, hatte ich Sonntagvormittag für eine Weile eine GoPro unter die Solarzelle am Heck geklebt und das Wasser hinter der Badeplattform gefilmt. Ist schon recht beeindruckend, so ein Schwarm. Das gesamte Video war eine Viertelstunde lang, und es hörte und hörte nicht auf mit dem Gewusel…

80-Sekunden-Video auf Youtube. Um die schwärmenden Sardinen tatsächlich erkennen zu können, empfiehlt es sich, auf FullHD zu sehen, sonst ist das nur ein verwaschenes Gewusel…

Ansonsten geht das Leben hier langsam wieder einigermaßen seinen normalen Gang. Nach Aufhebung der Lockdown-Stufe 4 sind wieder mehr als ein Beschäftigter pro Eigner zulässig, und auch bei den sonstigen hier ansässigen Firmen sieht man wieder mehr Personal. Die kurzfristig eingeführte Fiebermesserei am Tor wurde wieder eingestellt, und auch die in den letzten acht Wochen praktizierte Protokolliererei, wer wann mit wem warum auf das Clubgelände kam oder dieses verlassen hat, scheint Geschichte. Das mit der sinnlosen Fiebermesserei mittels Laserthermometer ist landesweit inzwischen  eh sowas wie ein Standard-Zugangs-Procedere: Gipfel der Dummnasigkeit war, daß zu den Schnapsläden, die seit Anfang der Woche  wieder geöffnet haben, offiziell nur Personen mit gemessener Temperatur von maximal 36.9° Zutritt haben. Glück gehabt: Meine lag nur bei 36.2° und somit konnte ich die Bordvorräte an Sundowner-tauglichem Allohol ungehindert wieder aufstocken. Für die nächsten Wochen sind wir also hinreichend gerüstet, selbst wenn es einen Rückfall auf Stufe 4 geben sollte …

Ich hatte Simon ja zuletzt den Backbord-Wassertank noch einmal anschleifen lassen und anschließend ein knappes Dutzend Lagen Glasfasergewebe von innen und außen aufgebracht. Der Erfolg war sehr überschaubar. Trotz Flutung der Bilge mit 2cm Harz, um ein hochsickern von unten auszuschließen, gelangt immer noch irgendwie Wasser vom Tank in die Bilge, wenn auch nur in geringem Ausmaß. Ist mir jetzt egal, das bleibt so. Der Tank ist, ebenso wie der im anderen Rumpf, nun auch von oben anständig verschlossen, der transparente Deckel aufgeschraubt und der Einfüllstutzen wieder in den Normalzustand versetzt, „back to normal“.

Simon, ja. Mir gingen allmählich  die Aufgaben für ihn aus, und auch wenn mich die inzwischen nur noch 7,50 € pro Tag, die er mich dank des Verfalls des Rand gegenüber dem Euro und den aufgrund der Corona-Maßnahmen nur noch sehr eingeschränkten Arbeitszeiten zuletzt gekostet hat, nicht wirklich belasten und ihm helfen, kann ich ihn nicht dauerhaft  nur für’s Rumstehen oder Müllwegbringen bezahlen oder ihn alle zwei Tage das Boot putzen lassen, also habe ich ihm die gut 1.000,-R die ich ihm vor dem Lockdown „geliehen“ hatte, erlassen, noch ein bischen was obendrauf gepackt und ihm alles Gute gewünscht. Von Anbeginn seiner Tätigkeit für mich war klar, daß das eine zeitlich begrenzte Sache sein würde, und ich schätze, so leicht wie in den vergangenen Monaten bei mir hat er sein Geld vorher nie verdient 🙂

Also bin ich allein am möckeln und arbeite successive meine virtuelle to-do-Liste ab. Seit Monaten ohne jeden Anreiz mich großartig zu beeilen, weil ich ohnehin nirgendwo anders hin könnte, wenn ich schon fertig wäre, mache ich möglichst jeden Tag irgend etwas, um am Ende des Tages wenigstens das Gefühl zu haben, irgend was sinnvolles geschafft zu haben. In den letzten Tagen waren das z.B. die Rahmen unter den Dachluken, die jetzt mit Moskitonetzen versehen, einen optisch ganz brauchbaren Abschluß darstellen und die gröbste Pfuscherei und Unebenheiten im Dachbereich kaschieren (und auch die dank Brad vorstehenden Schrauben in den Achterkabinen, die in den letzten zwei Jahren für diverse Furchen in meiner  Kopfhaut gesorgt hatten)

Daily life also, sozusagen. Das Leben geht hier einen gemächlichen Gang, die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen waren (für uns) überschaubar und eigentlich nicht wirklich signifikant, und abgesehen davon, daß diverse Geschäfte nur ein eingeschränktes Sortiment anboten, andere komplett geschlossen waren und auch bis heute noch keine Restaurants geöffnet sind, fühlt sich die Situation hier nicht wirklich bedrohlich an. Was man über Corona-Tote und -fälle mitbekommt, trifft primär die Kapregion und ist gefühlt „weit weg“. Corona ist inzwischen Alltag und fühlt sich ein bischen an wie „schon abgehakt“.

Dennoch: Im Gegensatz zu Deutschland und diversen anderen europäischen Staaten, liegt der „Peak“ der Pandemie in Südafrika erst noch vor uns. Immer noch steigt die Zahl der Neuinfektionen an und liegt inzwischen bei 1700 pro Tag. Als „Hot-Spot“-Regionen gelten Gebiete mit mehr als 5 infizierten pro 100.000 Einwohner, und das sind immerhin eigentlich alle größeren Städte des Landes. Also noch lange kein Grund zur Entwarnung. Wir werden brav unsere Masken aufsetzen, sobald wir das Gelände verlassen, und das auch weiterhin nur zum Einkaufen und soweit eingeschränkt wie möglich. Ganz viel mehr bleibt nicht.