Lockdown, Tag 75

Ohne an dieser Stelle irgendjemanden mit ausschweifenden Fischprahlereien langweilen zu wollen: So allmählich stellt sich eine gewisse Routine bei der Frischfisch-Beschaffung ein: Abends eine Sardine fangen, auf einen Drilling pieken und mit 5m Schnur unterm Boot parken, und bei Sonnenaufgang  einen frischen Dusky Cob ernten.  So muß das …

73cm Kabeljou. Fangfrisch morgens um 5h direkt unterm Boot …

So jedenfalls das Ergebnis heute morgen. Gestern gab es allerdings beim gleichen Setup „nur“ einen 45cm Shad. Abgesehen davon, daß die Viecher so fangfrisch richtig gut schmecken, macht Fisch inzwischen ungefähr die Hälfte unseres Speiseplans aus. Cool. Jetzt noch irgendwo ein paar Blumenkästen mit Nudelbüschen, Tomaten und Kräutern an die Reling gehängt, und wir sind auf dem besten Weg zu kompletten Selbstversorgern 🙂

Da ich meine Fisch-Waage immer noch nicht zurück habe, wurde auch der von heute Morgen nur gemessen (73cm), aber nicht gewogen. Übriggeblieben sind nach dem Zerlegen jedenfalls rund 1.6Kg feinstes Filet.

drei Pfund Kabeljau

Zweidrittel davon landeten direkt in der Gefrierbox, das letzte Drittel sollte unser Mittagessen werden.  Gestern hatte ich endlich den Cobb-Grill, der nach der Garagenräumung neulich immer noch im Sharan gebunkert war, mit an Bord gebracht und eigentlich wollten wir diesen Fisch räuchern. Dummerweise waren in ganz Richards Bay weder Räuchermehl noch Woodchips aufzutreiben weil ausverkauft, aber es gibt ja zum Glück das Internet. Und Tante Gugel sagt für solche Fälle: „man kann problemlos eine Räuchermischung aus grünem und/oder schwarzem Tee, Kräutern, Zucker und Reis herstellen.“ Hm…

 

Haben wir getan. Und nachdem ich den Cobb mit ein paar Briketts angeheizt hatte, kam vorgenannte Mixtur in einem selbstgefalteten Alu-Teller mit auf die Glut, und der Fisch bekam einen Logenplatz zwei Etagen höher im Grill. Zugegeben, ich habe noch nie mit dem Cobb irgend etwas geräuchert und bei Licht betrachtet, war der marinierte Fisch in der Alu-Schale wohl auch nicht wirklich das prädestinierte Objekt dafür, sondern war anschließend einfach nur gar und schmeckte vielleicht tatsächlich etwas rauchiger als ohne die Räuchermixtur, aber egal, er war saulecker 🙂

Kabeljaufilet, mit einer Tandoori-Mix-Marinade und -sauce und dazu Couscous

Nächstes Mal probiere ich die Räucherei mit ein oder zwei von den Shads im Ganzen. Irgendwann wird es hier ja auch wieder Hickory-Chips oder ähnliches Räuchermaterial geben. Vielleicht sollte ich mir bis dahin noch so ein „Gourmet Fischgriller„-Gestell passend für den Cobb nachbauen…

Ansonsten gibt es derzeit hier nur wenig Aufregendes zu vermelden. Das Auffälligste (und in meinen Augen Positivste) ist noch, daß nach dem testweisen Ausschalten der Backbord-Bilgenpumpe vor vier oder fünf Tagen der Wasserstand in der Bilge immer noch unter 3cm ist, obwohl ich dieses Mal extra den Steuerbord-Tankinhalt zuerst verbraucht habe und der linke Tank die ganze Zeit einfach voll war. Sollte diese letzte Reparatur etwa tatsächlich dazu geführt haben, daß das Ding endlich dicht ist?`Boah eyhh …

Weniger positives Ergebnis dieser Woche: Patrick, der mit seiner Frau Rebecca auf ihrer Yacht Brick House nach 13 Jahren Segelei für ein paar Monate nur ein paar Meter neben mir an Land gestanden und das Boot refittet hatte, hat es nicht geschafft. Die beiden waren im Januar hier aufgebrochen und wollten über Kapstadt nach Südamerika, mit Ziel Patagonien und Kap Hoorn. Irgendwo auf dem Weg zwischen hier und Kapstadt wurden sie beide von Covid19 erwischt und während Rebecca weitgehend unbeschadet davonkam, mußte Patrick ins Krankenhaus, wurde vier Wochen lang zwangsbeatmet und hing an einer Dialyse-Kiste. Nachdem bis vorgestern eigentlich alles allmählich wieder ganz gut aussah, die Beatmung  runtergefahren werden konnte und die Gefahr weitgehend gebannt schien, ist er gestern an einer Embolie gestorben. Was ein elender Drecksmist… Farewell, sailor.

Patrick und Rebecca Childress. Ein Klick ins Bild führt auf die GofundMe-Seite. Da ihre Krankenversicherung die Übernahme der KKH-Kosten wegen des Sonderfalles „Pandemie“ verweigert, wurde von Youtube-Followern eine Spendenseite eingerichtet, um die Krankenhauskosten abdecken zu können.