Lockdown, Tag 8

Inzwischen sind nachts nun schon nur noch 18°C, so allmählich wäre es an der Zeit, hier mal weg zu kommen, um wärmere Gefilde aufzusuchen… Wird nur dummerweise wohl auf absehbare Zeit nicht funktionieren.

Meine gesamte Planung für dieses Jahr ist inzwischen ziemlich von der Realität überrollt worden. Wegen des Lockdowns geht derzeit in Südafrika überhaupt nix, die Grenzen sind dicht, auf den Straßen sieht es aus wie in einem postapokalyptischen Film, und natürlich ist auch das Inhaca-Race abgesagt, das eigentlich übernächste Woche stattfinden sollte und mein Fixpunkt für’s lossegeln hier gewesen war.

Die erste Woche dieser angeordneten Quarantäne haben wir soweit ganz gut überstanden, und die Vorräte sollten wohl auch für die nächsten beiden Wochen noch ausreichen (abgesehen vom Datenvolumen mal wieder), aber der spannende Teil dieser ganzen Aktion kommt ja erst danach. Ich muß zugeben, ich glaube nicht daran, daß der hiesige Lockdown planmäßig nach Ostern beendet wird. Südafrika hat, per heute, rund 1.500 bestätigte Corona-Infizierte und angeblich lediglich 7 Todesfälle, die Zahl der Neuinfektionen ist seit Beginn der Quarantäne extrem zurückgegangen, wenn man den Zahlen auf CSSE glauben will.   

In Europa scheint man sich ja auf relativ großzügige Unterstützung der Betroffenen verständigt zu haben, sei es nun durch vereinfachtes Kurzarbeitergeld, oder schlichte Beihilfen für kleine und mittlere Betriebe. Hier ist sowas nichtmal ansatzweise absehbar. Die Lohnstrukturen in Südafrika sind ohnehin völlig anders als in Europa, und so wie ich das sehe, lebt der überwiegende Teil der hier auf dem Gelände tätigen schwarzen Arbeiter von der Hand in den Mund. Lohnfortzahlung?? Jaques hatte während des Liveaboard-Briefings letzte Woche erklärt, der Club würde seine Arbeiter für die Zeit bis zum Ende des Lockdowns (also planmäßig 3 Wochen lang) weiterbezahlen. Allein aus der Tatsache, daß er es für erwähnenswert hielt entnehme ich, daß das wohl nicht der Normalfall sein wird. Das mag bei manchen Firmen ja vielleicht ja auch noch so gehandhabt werden, aber danach??

Wenn der Lockdown nicht wie geplant Ostern endet, steht ein beachtlicher Teil der Bevölkerung ab dem 20.4. ohne Arbeit und ohne Geld da. Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich unbedingt rausfinden möchte, wie gesittet das dann hier noch zugeht …

Also ist das Ziel für die nächsten 14 Tage: Den Kahn soweit klarmachen, daß ich/wir nötigenfalls auch extrem kurzfristig einfach die Leinen loswerfen und sonstwohin abhauen kann. Wo das sein soll, wenn die Situation hier eskaliert, weiß ich jetzt allerdings auch noch nicht so recht. Die Nachbarländer kann man in dem Fall ja vermutlich ebenfalls knicken … Egal, Hauptsache überhaupt erstmal soweit vorbereitet. Der Rest wird sich finden.

Den heutigen Tag habe ich überwiegend damit verbracht, diverse Verbindungen im Druckwassersystem nachzudichten, nachdem die Pumpe wieder mal angefangen hatte, alle paar Minuten anzulaufen. Was normalerweise auf eine undichte Stelle hindeutet, die sich in diesem Fall hinter dem Aktivkohlefilter ganz unten im Schrank versteckt hatte, wie sich irgendwann rausstellte. Dieser Kahn wird wohl nie wirlich fertig werden …

Nach der Völlerei von gestern, war heute schmalere Kost angesagt: Zum Mittag gab es einen Teller Paella, und damit war’s für den Tag dann auch gut. Der Rest reicht auch für morgen nochmal 🙂

Zum Titelbild: Dieser große Blödvogel da rechts im Bild hat mich heute morgen fast zu Tode erschreckt! Der hatte irgendwie unbemerkt auf meiner Badeplattform gehockt und flatterte wie ein aufgescheuchtes Huhn wild von dannen, als ich noch im Halbschlaf aus der Tür ins Cockpit trat und kaum eineinhalb Meter von ihm entfernt war. Meine Fresse noch eins…