Steuersachen

Huhu … Das Wetter ist immer noch durchwachsen und schwankt zwischen windigen 22° und feucht-schwülen 37° wie gestern. Egal. Irgendwie geht es trotzdem voran. Andries erzählt mir zwar seit Wochen, er käme dann „gleich morgen“ mit dem Crimp-Werkzeug für die Lenkseile, um die Dinger endlich auf die passende Länge zu bringen und die Lenkung in Funktion zu versetzen, aber auch das scheint sich zur Dauerbaustelle zu entwickeln. Seit heute ist immerhin schon mal der Z-Antrieb lenkbar. 

Jaques hatte mir nach  fünf Tagen Quengelei gestern Abend endlich den bestellten Träger mit Aufnahmen für den Lenkzylinder aus 5mm VA Winkelstahl gebraten, heute morgen brachte einer seiner Hiwis das Ding vorbei, und nachdem ich es ursprünglich eigentlich nur weiß anmalen wollte, habe ich es dann doch ansatzweise poliert, und schließlich eingebaut. Weiß gar nicht so recht, warum ich mich jahrelang so geziert habe, irgendwelche Löcher in meine Boote zu bohren. Je öfter ich das mache, desto leichter fällt es mir 🙂

Also auch wenn ich derzeit die Ruder noch nicht bewegt kriege, könnte ich den Kahn zumindest über den Antrieb steuern, wenn er denn im Wasser wäre. Momentan läuft das, wie neulich erwähnt, zwar noch über einen Wippschalter, der eigentlich mal für die Ankerwinde gedacht war,  der Rest kann nun aber nicht mehr so schwer sein und erfordert in erster Linie etwas Programmierung und Elektronik-Gebastel.

L-Träger mit Aufnahme für den Linearmotor

Da ich auf Anraten von Peter Foerthmann, dem Hersteller meiner Windfahnensteuerung, meine beiden Ruder wohl entkoppeln werde, um die Windfahne das eine bedienen zu lassen und das andere ganz normal über das Steuerrad, bedingt das den Einsatz von insgesamt drei Ruderlagegebern, um die Position jedes der Ruder und des Antriebs feststellen zu können. Geplant ist eigentlich, den Z-Antriebs-Arduino dahingehend zu erweitern, daß er die Antriebs-Stellung bei Bedarf automatisch mit der Position des Backbord-Ruders synchronisieren kann. Fly-by-wire über Joystick ist zwar cool und vermutlich ein Alleinstellungs-Merkmal bei einem 27 Jahre alten Kat, aber wenn der Z-Antrieb im gekoppelten Modus über den Linearmotor automatisch an die gelenkte Ruderposition angeglichen wird, muß man nicht rumfummeln, sondern kann ganz normal steuern. Hat auch was.

Nachdem diese ganze Mimik nun zusammen- und eingebaut ist, fiel mir auf, daß ich den Linearmotor naturgemäß zwar milimetergenau verfahren kann und meine schicke Konstruktion so gut wie keinerlei Spiel hat, diese ganze Lenkhebelage innerhalb des Antriebs aber von vorn herein schonmal mindestens 20mm Leerweg hat, bis überhaupt irgendeine sichtbare Reaktion erfolgt. Da will ich mir gar erst nicht vorstellen, wie präzise das wohl früher  gewesen sein mag, als der Antrieb noch über drei Meter mehrfach umgelenktes Seil „gelenkt“ wurde.

Als ich mir überlegt habe, wie ich diesen Antrieb am sinnvollsten lenken will und dabei auf die Linearmotor-Variante verfiel, hatte ich erst leichte Bedenken, ob so ein Teil überhaupt ausreicht. Aber der, den ich nun tatsächlich benutze, hat 900N Schubkraft, ist wasserfest nach IP65 (was innerhalb des Motorraums keine all zu große Rolle spielen sollte), geeignet für 25% Einschaltdauer und zieht unter Last gerade mal 3A. Selbst mit der derzeit angehängten 12Ah-AGM-Batterie als Notmaßnahme für eine Weile machbar, wenn alles andere ausfällt. Und das Beste: Da das Ding nicht aus dem „Yacht“-Bereich kommt, sondern im richtigen Leben vermutlich ein profaner Toröffner ist oder medizinische Betten bewegt, kostet es nicht 160,-€ (wie z.B. der identisch aussehende Actuator des Pelagic Autopiloten mit fast identischen Eckdaten), sondern gerade mal 31,-€ bei ebay. Bin gespannt, wie sich das ganze Konstrukt dann tatsächlich fährt.

Nächste Baustelle war eine neue Aufnahme für die Motorraum-Abdeckung. Als ich den Kahn gekauft habe, saßen da eine völlig verrottete Holzleiste und zwei ebenso vergammelte seitliche Führungsstücke, um (eigentlich) die Haube in Position zu halten. Die wurden irgendwann entsorgt, und da ich immer noch auf dem Standpunkt stehe, daß Holz auf einem Boot im Außenbereich eh nichts zu suchen hat, wenn es sich nicht gerade zufällig um ein Holzboot handelt, habe ich bei Maizey’s einen halben Quadratmeter 20mm Delrin erstanden und schon mal ein paar passende Leisten davon abgesägt. Das gefällt mir doch dramatisch besser, als die Sache mit dem Holz, und sollte die zu erwartende Restlebensdauer des Bootes wohl pflegefrei überstehen.

Führungsschienen aus Polyoxymethylen (vulgo: Delrin oder Acetal) für die Motorhaube

Jetzt hängt die Haube zwar „in der Luft“, dafür liegt sie aber im hinteren Bereich komplett an und dichtet ab. Nicht nur gegen Regen und Spritzwasser, sondern auch gegen die Motorgeräusche. Die derzeit unter die Haube geklebte 2mm starke Pseudo-Dämmung kann Simon da morgen abpulen, und dann wird sie durch einen halben Quadratmeter des hier rumliegenden 15mm Armaflex-Soundshield ersetzt, der ja eigentlich als Wärmedämmung unter die Salondecke sollte. Das mit dem „in der Luft“ gibt mir zudem die Chance, die Bodenluke um 15mm zu unterfüttern und die Anzahl der Höhenniveaus innerhalb des Cockpits somit von 3 auf 2 zu reduzieren.  Eine Stolperfalle weniger und die Chancen stehen gut, daß überkommendes oder reinregnendes Wasser künftig nicht mehr in der Nacelle-Bilge landet wie bisher, sondern direkt in den Cockpit-Lenzern, wo es hingehört 🙂

Da das Cockpit in den wesentlichen Bereichen inzwischen mit drei Farbaufträgen eigentlich fertig ist, habe ich mir als nächstes mal das Instrumententrägergehäuse vorgenommen. Morgan und Jaques hatten mich ja damals mitleidig nachsichtig angelächelt, als ich sagte, ich werde das mit der Sprühdose selbst lackieren, als die Frage aufkam, was das Teil für eine Farbe bekommen sollte. Klar, nach den von Morgan propagierten Maßstäben ist sowas natürlich unsäglicher Pfusch und geht garnicht und selbstverständlich hätten sie mir viel lieber eine „richtige“ Lackierung verkauft.Stattdessen haben sie es dann im Rohzustand belassen und nur gerade mal grob angeschliffen.

War mir aber ziemlich egal. Schließlich wollte ich da keine normale Farbe draufhaben, sondern PlastiDip/RubberDip. Wer nicht weiß, was PlastiDip ist: Das ist Sprühfolie aus der Dose. Gern genommen, um z.B. seine sündteuren Alufelgen in Neongrün oder Knall-Orange umzudesignen und für ähnliche rückbaubare Maßnahmen. Wenn man das einfach nur auf den sauberen Untergrund aufsprüht, kann man es problemlos rückstandsfrei später wieder abziehen. Wenn man den Untergrund dagegen anschleift,  eher nicht mehr. Ist dann sowas wie der Softlack, den z.B. VW im Innenraum auf Plastikteilen um die Türgriffe verwendet.

Also  habe ich mein Gehäuse nochmal geschliffen, als Grundierung mit einer satten Schicht weißem Sidmadur 550 gerollt, wieder geschliffen und anschließend in gunmetal-grey matt sprühfoliert.

Watsollischsaachen: Hat funktioniert, man sieht so gut wie keine Riefen, Läufer sind auch nicht drauf, alles gut. Sieht so aus, wie ich das vor 4 1/2 Jahren im Sinn hatte, als mir die Idee kam. Wie UV-Resistent oder Kratzempfindlich das letzten Endes ist, wird sich zeigen. Zwei Dosen davon habe ich ja noch 🙂

Instrumententräger foliert und angebaut

Das soweit fertig, konnte auch der eigentliche Instrumententräger endlich eingebaut und angeschlossen werden. Paßt, leicht saugend, in meine neulich ausgefräste Nut und sitzt da, als wenn er so gehört. Da fehlen jetzt noch ein paar Schalter für die Cockpitbeleuchtung und die Motor-Instrumente müssen noch umgebaut werden, aber ansonsten bin ich jetzt navigationsbereit.

Instrumentenpanel theoretisch startbereit. Praktisch fehlen hier allerdings noch die Instrumente und Kontrollen  für den VolvoPenta, da das originale Instrumentenpanel leichte Ausfallerscheinungen wie z.B. gebrochene Gehäuseecken zeigt und die Instrumente stattdessen hier mit reinsollen.

Zur Feier des Tages und weil es im Gegensatz zu gestern pünktlich zum Feierabend kühl wurde und anfing zu regnen, gab es heute dann auch mal wieder warmes Essen: Eigentlich schon für Montag geplant, hatte ich immer noch die Hälfte eines 500g-Filets im Kühlschrank. Daraus habe ich ein paar Medallions geschnitzt und in Kokos-Öl gebraten, auf die Schnelle ein paar chinesische Egg-Noodles gekocht und eine leckere Sauce aus roter Curry-Paste und Kokos-Milch gebastelt, fertig.

Das Titelbild zeigt zwei der drei Neu-Spechte auf dem übernächsten Nachbarboot. Was genau die da auf diesem seit  ebenfalls schon mindestens viereinhalb Jahren rumstehenden Stahlsegler vorhaben, ist mir noch etwas unklar. Vielleicht ist das aber auch nur eine Alibi-Maßnahme des Eigners, um das neulich mal vom Club etwas eskalierte „der-Boatyard-ist-kein-Dauerparkplatz„-Scenario samt angedrohter Sanktionen für Langzeit-Nur-Rumsteher-an-denen-gar-nicht-gearbeitet-wird, zu entschärfen und dem kostenpflichtigen Rauswurf zu entgehen.

Die drei, die auf dem Stahlkahn neben mir zugange waren, sind seit gestern immerhin abgezogen. So rein optisch, war ihr Einsatz jedenfalls ein voller Erfolg.