Wetterkapriolen in Zululand

Der Sundowner fällt heute aus. Nachdem heute morgen um 10h bereits lockere 28° in der Kabine waren, und sich die Temperatur bei totaler Windstille auf dem Außenthermometer im Verlauf des Tages bis haarscharf an die 40°-Marke vorgearbeitet hatte

Das Außenthermometer um 15 Uhr. Da war die Sonne bereits seit zwei Stunden hinter der Konifere verschwunden und ich hatte versucht, ganz ruhig im Cockpit zu sitzen und ein bischen kühlenden Wind abzubekommen. Der fühlte sich dann allerdings eher so an, als würde 1m hinter mir jemand mit einem auf mich gerichteten Föhn stehen. Also Andy, sei froh, daß Du hier weg bist. Du wärst inzwischen vermutlich geschmolzen 🙂

war um 15h15 schlagartig Schluß mit Lustig.   Innerhalb von kaum 10 Minuten fiel die Temperatur um 15 Grad und in der selben Zeitspanne drehte der Wind von Nord auf Süd und nahm  von 0-1 auf 38 Knoten zu, in Böen deutlich über 45. Windyty meldet derzeit 10 Meilen vor der Küste Böen bis um die 60 Knoten. Außerdem scheint ein Gewitter im Anmarsch, zumindest hat es eben mächtig gerumpelt. Nur gut, daß ich seit heute Mittag tatsächlich verschließbare Luken im Boot habe 🙂

Brad beim Eindichten der Steuerbordluke
Fast fertig. Lediglich die Schrauben müssen noch ein wenig verkürzt werden

Brad war zwar nicht sonderlich begeistert, aber auch nicht wirklich überrascht, als ich ihm nach der letzten Schraube mitteilte, daß ich die restlichen vier Luken wohl doch eher selber einbauen werde. Was die Jungs hier abgeliefert haben, ist im Endergebnis qualitativ in Ordnung. Wenn sie das, wie mit Morgan vereinbart war, während meiner Abwesenheit und vor allem vor meiner Ankunft bis spätestens Anfang August fertig gehabt hätten, wäre ich vermutlich sogar hoch zufrieden gewesen. Aber sie haben, wie möglicherweise schon mal irgendwann ganz dezent am Rande dieses Blogs erwähnt wurde, geschlagene 3 Wochen gebraucht, um zwei von sechs von mir bereits vor Monaten bezahlte und schon im Februar hier angelieferte Luken einzubauen.

Nochmal hochgerechnet 6 Wochen hier im Boot sitzen und zusehen zu müssen, wie diese Stukadenten meinen Kahn jeden Abend neu abkleben und morgens zum Spachteln und Schleifen wieder entblättern, stundenlang auf einer einzigen Spachtelschicht rumschleifen, in aller Gemütsruhe gebrauchte Abklebefolie vom Duct-Tape befreien, um dann beides anschließend im selben Karton wegzuwerfen, mit Schleifstaub in jeder Ritze des Bootes, der PCs , der Schränke und tagelangem Mief nach Spachtel und Farbe macht mein Nervenkostüm vermutmaßlich nicht mit. Dafür bin ich inzwischen echt zu alt.

Nächste Woche ist Morgan vom Angeln wieder zurück. Bin mal gespannt, was er mir für den Einbau dieser zwei Dinger dann tatsächlich berechnet.

Heute Mittag kam dann tatsächlich der Chef/Manager der Firma Kwambo Poles vorbei, bei der ich derweil 80m Saligna-Leisten bestellt hatte, und der ohnehin gerade in Richards Bay zu tun hatte und sammelte meine 50% Anzahlung ein. Da ich immer noch kein hiesiges Bankkonto habe, hat mir das immerhin die 60km Fahrt zur Firma und zurück erspart, um sie ansonsten da in bar abzugeben.

Die Leisten sollen angeblich wohl Dienstag fertig sein und wenn ich ganz viel Glück habe, kriege ich sie sogar als Beiladung gebracht, da die Leute durchaus öfter hier in Richards Bay unterwegs sind. Nur passend auf Maß fräsen, das wollten sie denn doch nicht. Da werde ich wohl selber Hand anlegen müssen.

Mein von der Club-Prominenz gegengezeichnetes „Liveaboard-agreement“ habe ich zwar immer noch nicht zurück, und nach Aussage von Dudu, der netten Rastalady am Empfang, auf meine Nachfrage hin, wird sich das auch noch bis zum nächsten Vorstandsmeeting irgendwann Mitte Oktober hinziehen, dafür hat sie mir aber freundlicherweise heute schon mal eine Art Wohnbescheinigung ausgestellt, mit der es mir nächste Woche zumindest gelingen sollte, ein neues ID-Book zu beantragen und damit dann auch ein Bankkonto zu eröffnen. An das irgendwann durchzuführende Ummelden des Sharans mag ich derzeit noch keinen Gedanken verschwenden. Ist momentan auch eher ein netter Kontaktbringer: Bei jedem zweiten Einkaufen oder an der Tankstelle fragt mich irgendwer, was das denn für ein Auto sei und vor allem, wo ich mit diesem ungewöhnlichen Kennzeichen denn herkäme 🙂

Ansonsten habe ich heute noch den von John,  seines Zeichens auf dem Nachbarboot arbeitender Elektriker, als den führenden in Südafrika empfohlenen Onkologen angerufen und für Montag Mittag prompt einen Termin für meine fällige nächste Blutuntersuchung erhalten. Mit Stephen, dem Bootsbauer der ebenfalls auf dem Nachbar-Kat rumwerkelt, hatte ich nachmittags ebenfalls ein längeres Gespräch über Details eines Projektes, das ich wohl an ihn vergeben werde. Aber dazu mehr in einem der nächsten Beiträge.

Eigentlich wollte ich für heute Abend noch Greg vom Nachbarboot auf einen Rotwein einladen, aber der Kahn sieht mächtig verlassen aus und er ist mutmaßlich über’s Wochenende zurück nach Hause gefahren. Hab ihn jedenfalls seit heute Mittag schon nicht mehr gesehen.

Egal, draußen bläst es immer noch wie blöd und scheint auch eher mehr als weniger zu werden. Zwischenzeitlich war meine, auf der Badeplattform nach dem abkärchern zum Trocknen aufgestellte, ehemalige 25Kg-Batterie“fußbank“ umgeweht und vom Boot gekippt und es wird im Freien allmählich ungemütlich, auch wenn das dräuende Gewitter wohl vorbei gezogen ist, ohne großartig Regen zu hinterlassen.

Ich werde mir jetzt meinen ersten Kaffee seit dem Frühstück machen, Mozarts „Vier Hornkonzerte“ anwerfen, mir eine Apfelsine pellen und mich mangels irgendwelcher Kuchenvorräte mit ein oder zwei Geburtstags-Zwieback-„Chunks“ zum Einstippen und einem Joghurt gemütlich auf der Salonbank langmachen und nebenbei dem Wind lauschen.

.Geht doch nix über ein anständig verschließbares Boot 🙂