Wie man sich bettet …

Wenn mir vor zwei Jahren irgendwer prophezeit hätte „Du wirst mal 250 Blogeinträge geschrieben haben, bevor Dein Kahn auch nur im Wasser ist„, hätte ich ihn vermutlich für bescheuert erklärt oder irgendwas nach ihm geworfen. Kann ja garnicht …

Is aber doch. Das mit meinem „Bis Ende Oktober im Wasser sein“ hatte ja schon letztes Jahr nicht so recht funktioniert, und sieht dieses Jahr auch nur marginal besser aus. Eigentlich ist in den letzten drei bis vier Wochen so gut wie nichts passiert, was mich diesem Ziel nennenswert näher gebracht hätte. Ich murkele hier an irgendwelchem Peripherie-Kram rum, um wenigstens  was zu schaffen, aber meine verbliebenen Großbaustellen Motor/Antrieb und Stagen und Dodger sind noch in demselben Zustand, wie vor vier Wochen, weil sich keiner der Beteiligten mehr rührt.

Klar, es ist Mistwetter, und draußen arbeiten macht keinen Spaß. Mittwoch, den einzigen Tag diese Woche, an dem es mal nicht wie aus Eimern gegossen oder aus allen Rohren geweht hat, haben wir genutzt, um das Cockpit weiter zu schleifen und zu pinseln und immerhin: Nach zweimal streichen ist von der ehemaligen Pfuscherei auf der Cockpitbank nix mehr zu sehen (Das Titelbild entstand nach dem ersten Durchgang und noch vor dem Besanden). Drei Schichten Taxi-mäßiges Hellelfenbein aus drei Teilen Sigmadur 550 in Reinweiß und einem Teil SD 550 in „Ivory“ sind hell genug, um sich im Cockpit nicht mehr als nötig die Fußsohlen zu verbrennen, aber dunkel genug, um auch bei Sonne direkt draufsehen zu können, ohne nach zwei Minuten schneeblind zu sein. Zumindest auf dem Dachbereich vor dem Cockpit werde ich das wohl noch genauso machen, sobald alles andere fertig (und der Dodger montiert:roll:) ist.

Die Farbe war noch nicht ganz hart, als es schon wieder anfing zu regnen und eigentlich bis heute Mittag auch nicht mehr aufhörte. Simon hat sich gestern und heute gar nicht erst sehen lassen, hätte aber ohnehin nichts machen können, also was soll’s. Da ja gestern (zumindest in Deutschland) Feiertag war und ich außer ein bischen Aufräumerei hier drinnen nicht so ganz viel aktuelles oder dringendes zu tun hatte, beschloß ich in die Stadt zu fahren, um eine Rechnung zu bezahlen.

Mitttwoch abend hatte ich nämlich sowas wie eine Auskunftei im Internet entdeckt, die einem für vergleichsweise wenig Geld die aktuelle Adresse von Leuten verraten, wenn man wenigstens eine Telefonnummer hat. Und da sich mein spezieller Dodger-Bauer Stephen seit drei Wochen nicht mehr am Telefon meldet und hier auf dem Gelände eigentlich niemand weiß, wo genau er wohnt, kam ich auf die Idee, das mal auszuprobieren und ihn im Erfolgsfall einfach mal zu besuchen.  :twisted:

Südafrika scheint eines der wenigen Länder zu sein, in denen es nicht nur kein ebay gibt, sondern auch Paypal im Geschäftsleben so gut wie unbekannt ist.  Wenn man, so wie ich, kein Konto bei einer der hiesigen Banken hat, von dem man notfalls online überweisen könnte, bedingt das, daß man zu einer der Bankfilialen fährt (sinnvollerweise zu der, bei der der Empfänger auch ein Konto hat, sonst fungschoniert das nicht), und die Kohle da bar einzahlt.

Also machte ich mich gegen 10h in strömendem Regen auf den Weg zur First National Bank in Richards Bay, um die geforderten 230R einzuzahlen. Im ersten Anlauf kam ich genau bis zum Auto, nur um dann festzustellen, daß die Batteriespannung noch gerade ausreichte um die Zentralverriegelung zu öffnen, danach ging garnichts mehr. Also: Leicht angenervt wieder zurück aufs Boot, Verlängerungskabel aus dem Fenster legen, bis zum Auto nochmal anstückeln und das Ladegerät anhängen. Gut, daß der Carport-Kat so groß ist, so fand wenigstens das einigermaßen im Trockenen statt.

Zurück im Boot und zum Warten verdammt, machte ich die erste der neulich mitgebrachten Haribo-Tüten auf, und kaute gerade auf dem zweiten Weingummi rum, als es „gnuck“ machte, was mich spontan innehalten ließ um rauszufinden, was das war. Gut, meine Zähne sind inzwischen fast sechzig Jahre alt, aber deswegen müssen die doch jetzt nicht dauernd irgendwelche Ausfallerscheinungen haben??

Die Krone hat abgedankt

War dann „nur“ eine abgefallene Krone. Sicher auch schon über 25 Jahre alt, aber eigentlich sah sie noch ganz brauchbar und vollständig aus, wenn auch ein wenig gealtert, also habe ich sie zur späteren Verwendung erstmal in eine Plastiktüte gesteckt.

Highlight des Tages war dann noch, daß, wie mir irgendwann auffiel,  auf dem Teppichboden der Achterkabine ungefähr zwei Zentimeter Wasser standen, da es dank der Regenmassen ungefähr dreißig Liter durch die wegen der Pinselei nicht abgeklebten Schraubenlöcher des Autopiloten in der Cockpitsitzbank  und an der nur lose eingesteckten  Einhebelschaltbox vorbei ins Batteriefach und auf den  Teppich der StB-Achterkabine geschafft hatten und die dortige Bilge inzwischen mehr als halb voll stand.   Teilweise geht mir dieses Baustellen-Scenario mittlerweile doch gehörig auf den Keks …

Teppich geflutet, Bilge halb voll… nerv!!

Zwei Stunden später folgte der nächste Versuch. Das Auto sprang immerhin auf Anhieb wieder an und ich schaffte es unfallfrei bis zur FNB-Filiale, wo mir dann eröffnet wurde, daß leider das gesamte EDV-System schon den ganzen Tag offline, und Einzahlungen derzeit nicht möglich seien. Wenigstens ist die Praxis meines hiesigen Zahnarztes genau auf der gegenüberliegenden Seite des Parkplatzes, also habe ich direkt einen Termin für heute morgen gemacht und bin anschließend unverrichteter Dinge wieder zurück zum Boot gefahren, habe den restlichen Tag mehr oder weniger am Keyboard verdaddelt und fühlte mich ansonsten ein ganz klein wenig unausgeglichen.

Da es heute morgen immer noch regnete und Simon erneut nicht aufgetaucht war, bin ich um 9h zu meinem Zahnarzttermin gefahren, habe da eine dreiviertelstunde in einem gähnend leeren Wartezimmer vor mich hin gewartet, und war eine weitere Viertelstunde später mit frisch wieder eingeklebter Krone schon wieder fertig. Da ich in Deutschland nie Privatpatient war habe ich zwar keine Ahnung, was ein deutscher Zahnarzt für so eine Aktion berechnet, dieser hier war jedenfalls mit 347R (21,-€) zufrieden, was mir jetzt nicht übertrieben teuer vorkommt. Ich argwöhne allerdings mal, daß mir ein deutscher Zahnarzt auch nicht einfach so eine 25 Jahre alte „Gebraucht-Krone“ wieder eingesetzt, sondern lieber eine neue verkauft hätte.

Der erneute Versuch, heute das Geld für die Auskunftei einzuzahlen, endete übrigens genauso wie gestern: EDV offline, nix geht …

Heute ist der Monatserste. Zweifelsfrei festzustellen schon daran, daß in und vor(!) den Banken Massen von Menschen Schlange stehen, die alle irgendwie Geld abheben (oder überweisen, oder Miete oder Strom oder Versicherungen oder sonstwas bezahlen) wollen/müssen. Ich schätze, die FNB hat heute jede Menge begeisterter Kunden gehabt 🙂

Nur ein paar Hundert Meter von Zahnarzt bzw. FNB entfernt liegt der Musikladen, bei dem ich mein Keyboard gekauft hatte. Da ich bei meinem Rückflug keinen Platz mehr im Gepäck hatte und so ein Ding ja ohnehin nur kleines Geld kostet, habe ich da angehalten, nochmal 20,-€ investiert und mir ein  Sustain-Pedal für das Keyboard gegönnt. Und da dieser Laden direkt neben dem Bettengeschäft liegt, bei dem ich die Matratzen bestellt, und vor dem ich geparkt hatte, gab es heute tatsächlich doch noch ein Erfolgserlebnis, als ich eigentlich nur mal grüßend reinwinkte:

Meine Matratzen seien fertig und würden zwischen 14 und 15h geliefert, hieß es.

Wurden sie dann tatsächlich! Zwischenzeitlich hatte es immerhin mal aufgehört zu regnen, und so haben sie mir die Dinger freundlicherweise direkt trocken bis ins Cockpit geliefert. In der Zwischenzeit hatte ich die Backbord-Kabine soweit vom da gelagerten Gedöns befreit, daß ich die beiden etwas arg unhandlichen Dinger dort unterbringen konnte. Zum Glück waren sie in Plastik eingeschweißt.

Matratze zu breit? Tür zu klein? Ach was …

Daß meine Eingangstür 15cm niedriger ist, als die Matratzen breit sind, machte die ganze Sache ein wenig umständlich, und überhaupt war es eine ziemliche Asterei, bis ich die Teile allein durch die Pantry gefädelt und endlich auf der Koje liegen hatte, aber immerhin: Paßt. Nur mit der Zugänglichkeit der Achterkabinen ist’s derzeit mal wieder Essig. Dieses Boot ist definitiv deutlich zu klein:motz:

kein Zutritt
Nein, keine Erbse drunter und probegeschlafen habe ich auch noch nicht 🙂

Auch wenn die Woche weitgehend im Innenraum stattfand und die Temperaturen eigentlich erträglich waren: Zum Kochen hatte ich trotzdem nur begrenzt Lust, und so gab es lediglich Dienstag  und Mittwoch mal einen mit  Cheddar überbackenen Nudel-Auflauf mit Rinderhack, Rosenkohl, Champignons und Pak-Choi, das Ganze mit einer Sauce aus Gorgonzola, Kokos-Cream  und diversen Curry-Sorten. Eher würzig als scharf, aber gut.