Klempner von Beruf …

Das Wochenende war, als solches gesehen, einigermaßen produktiv. Samstag habe ich angefangen, die Rahmenbretter für die Klappen der Kojenstauräume zurecht zu sägen, um diese dann Sonntag morgen einzupassen und anzuschrauben.  Einlaminiert werden sie erst, wenn alles andere in den Stauräumen fertig ist. Wäre mir nicht mittendrin das Holz ausgegangen, hätten sie auch glatt soweit fertig werden können. Erst knapp zu spät fiel mir nämlich leider ein, daß ich ja drei der Meranti-Bohlen „damals“ zu einer Staubschutztür umfunktioniert hatte, die ich jetzt aber nicht unbedingt hierfür recyclen wollte, weil ich sie spätestens nächste Woche noch einmal brauchen werde, wenn es ans endgültige Abschleifen und Pinseln der Steuerbordkabine geht. Bislang hatte Simon ja hauptsächlich nur die lose Farbe darin abgepickt, aber nächste Woche wird es wohl nochmal etwas staubiger zugehen.

Sonntag morgen gegen halb drei wurde ich wach und stellte fest, daß der Regen und der nervige Südwind, der den gesamten Samstag meinen Behelfssonnenschutz permanent  zum Rappeln und Klappern gebracht hatte, komplett aufgehört hatten.

Wirklich müde war ich nicht mehr, also habe ich mir nach einer Viertelstunde  „wach im Bett rumliegen“ einen Kaffee gemacht, den Rechner wieder angeworfen und mit der vierten Staffel von Nikes Abenteuern bei „Untie the lines“ auf Youtube ein paar meiner inzwischen fast 120 „Nightowl“-Bonus-Gigabytes verbraten. Kurz nach fünf war ich dann duschen, um danach den Sonntag mit einem anständigen Frühstück einzuläuten. Die gewonnene Erkenntnis aus den dazu abgehaltenen Vorbereitungen lautete:

Die hier erhältlichen „Jumbo“-Eier (mehr als 66g lt. Packung) sind nach 7 Minuten in kochendem Wasser innen zwar warm, aber noch immer fast roh. Mist aber auch…

Drei Stunden später schlug dann „Stephan, the plumber“ mit meinen bestellten Wasserrohren und dem nötigen Kleinkram wie Anschluß-, Verbindungs- und Winkelstücken auf.  Die Rohre sind nun zwar nicht blau oder rot, wie beim Whale-System, sondern schlicht gold, dafür haben sie aber wenigstens den gleichen Durchmesser und können mit den von Morgan übergelassenen Resten der Whale-Rohre verbunden werden. Billiger als das, was hierzulande für Whale-Rohre berechnet wird, sind sie allemal.

Wo er nun schonmal hier war, habe ich ihm erstmal einen Kaffee aufgedrängt und bei der Gelegenheit gleich dienstverpflichtet. Den restlichen Sonntag haben wir dann damit verbracht, jede Menge Löcher ins Boot zu bohren, die ersten Rohre zu verlegen und immerhin schon mal die beiden Wasserhähne in Bad und Pantry einzubauen. Tatsächlich angeschlossen ist zwar noch das wenigste,

Das sieht zwar ein wenig wild aus, ergibt aber Sinn: Der weiße Schlauch links ist die Saugleitung aus dem Steuerbordtank, geht in die Pumpe und von da über eine Seite des T-Stücks in einen Druckbehälter, der das permanente Anlaufen der Pumpe verhindern soll. Dasselbe passiert auf der anderen Seite des T-Stücks mit der Leitung, die von der Backbordpumpe kommt. Nach dem Druckbehälter geht es weiter in das blaue Ding oben. Das ist der fixe Teil eines Aktivkohlefiltergehäuses. Von da aus in die Kaltwasserleitung die links zum Bad, und rechts zum Boiler geht (unterwegs zweigen die anderen Kaltwasserleitungen zur Pantry und Heckdusche dann auch noch irgendwo ab). Um weniger Verwirrung zu stiften, hätte man natürlich zumindest in diesem Geflecht konsequent blaue Leitung für Kaltwasser nehmen können. Soviel wäre nun gerade noch dagewesen … Nur gut, daß ich wenigstens meinen Etikettendrucker mitgenommen habe. Erspart später vielleicht etwas Sucherei 🙂

aber ich sehe so allmählich den Zeitpunkt näherrücken, an dem ich einfach nur ganz normal einen Wasserhahn aufdrehen muß, um völlig ohne Fußpumpe, Kanisterschleppen oder ähnliche Klimmzüge  Wasser im/am Boot nutzen zu können. Nach sechs Monaten „aus dem Kanister leben“ wäre das mal eine echte Wohltat. Und wenn dann auch noch der Boiler angeschlossen ist und sogar warmes Wasser fließt … kaum auszuhalten, soviel Luxus 🙂

Nachdem wir uns dann gegenseitig eine Weile vor den Füßen rumgestanden haben, hab ich ihn allein weiterklempnern lassen und stattdessen endlich meine Landanschlußdose eingebaut und ein kurzes Verbindungskabel gebastelt. Und wo ich schonmal auf dem Boden im Cockpit hockte, mußte die Katzentür (das Inspektionsluk vor dem Fahrersitz, durch den das Landanschlußkabel bislang geführt war und das nach dem Katzenüberfall nur notdürftig zugetaped worden war, weil komischerweise kein Deckel mehr vorhanden ist) ebenfalls dran glauben und einer neueren Version weichen, die sie aus unerfindlichen Gründen im Shop in der passenden Größe allerdings nur mit durchsichtigem Deckel hatten. Das bietet sich ja geradezu an, dahinter eine Fußraum-Beleuchtung zu installieren …Im Nachhinein betrachtet, hätte ich vielleicht doch ab und zu mal nachsehen sollen, was Stephan  da so treibt. Und ich sag noch: „Bleib mit den Löchern eine Handbreit rechts von dem abgeschliffenen Bereich“. Jetzt ist das linke Loch für einen der beiden Heißwasser-Schläuche vom Motor zum Boiler und zurück prompt genau da, wo das Schott wieder hinsoll. Nochmal …

Treffer …

Aber wie gesagt: Alles in Allem, war das Wochenende gar nicht so schlecht. Hatte hier schon unergiebigere. 🙂

Ich bin Klempner von Beruf,
Ein dreifach Hoch dem der dies gold’ne Handwerk schuf!
Denn auch in den größten Nöten
Gibt es immer was zu löten
Immer wieder gibt es Pannen
An WCs und Badewannen,
Ich bin Klempner von Beruf.

(Reinhard Mey)