Crisis? What crisis?

Seid gegrüßt aus dem inzwischen ebenfalls ziemlich vervirten südafrikanischen Exil. Auch hier ist Corona in aller Munde bzw. in einigen Hälsen, und ab morgen könnte ich selbst dann nicht hier weg, wenn ich wollte, da neben Schulen, Kindergärten und sonstigen öffentlichen Gebäuden auch die Grenzen dichtgemacht werden, was wohl auch für Segler gelten dürfte.

Seit einer Woche lebe ich hier am Ende meines Steges weitgehend unbehelligt und ohnehin schon mehr oder weniger quarantänisiert, sozusagen. Meine Vorräte sind aufgestockt und sollten für die nächsten 3-4 Wochen theoretisch hin reichen, insofern sehe ich der eventuell  drohenden Ausgangssperre als nächste Eindämmungsstufe (noch) einigermaßen gelassen entgegen.

Meine zwischenzeitlich aufgetauchte Befürchtung, mich eventuell bei Kirsten oder Antoinette nach deren Rückkehr aus China  infiziert zu haben, scheint sich wohl nicht bestätigt zu haben, jedenfalls läuft mir zwar die Nase (wenn auch nicht mehr als üblich) und Sonntag bin ich mit einer Hustenattacke aufgewacht, bis jetzt fühlt sich das allerdings nicht irgendwie bedrohlich an, und Fieber habe ich auch keines.

Da ich nach meiner Chemo wohl durchaus zur Risikogruppe zähle, ziehe ich es derzeit trotzdem vor, nicht mit all zu vielen Leuten zusammen zu kommen, man muß es ja nicht unbedingt herausfordern. Nachdem es gestern mit Ansage mal wieder mächtig gestürmt hat, war Simon wie vereinbart gar nicht erst erschienen, und nachdem er heute morgen erst gegen 10 Uhr auftauchte, habe ich ihn für den Rest der Woche gleich wieder nach Hause geschickt.

Der Wassertank, den wir letzte Woche zum gefühlt 47. Male geschliffen, mit weiteren vier Lagen Glasfaser ausgekleidet, und anschließend wieder mit Foodgrade-Epoxy gepinselt hatten, scheint nach dieser Aktion möglicherweise vielleicht eventuell tatsächlich endlich dicht zu sein. Jedenfalls haben es seit Freitag Abend ungefähr 0.2L Wasser von woher auch immer bis in die Bilge geschafft, und das wars. Möglicherweise auch einfach durch die halb geöffnete Dachluke, die mir ein bischen spät einfiel.

Bis heute nachmittag, 4 Tage später, keine nennenswerte Änderung. Dat bleibt jetzt so. Pumpe wieder rein, und wenn die dann alle 14 Tage mal anspringt und 4-5L Wasser rauspumpt, ist das eben so. 

Ansonsten ist hier auf dem Gelände einigermaßen Totentanz angesagt. Nix los, kaum jemand läßt sich sehen, wenn ich denn mal meinen Kahn verlasse und übers Clubgelände gehe, und an den wenigsten Booten wird gearbeitet. Ich bin da zugegebenermaßen keine Ausnahme, und abgesehen von Wäsche waschen, sofern das Wetter mitspielt, ein bischen aufräumen und hin und wieder mal kochen, ist nicht wirklich was passiert.  Hab ein Buch gelesen, und ansonsten die Sturmtage mit dem MusicMaker ausgesessen, und ein weiteres Machwerk fabriziert:

Einfach anklicken. Ist ’ne simple MP3-Datei. und diesmal auch ein bischen länger als ein Klingelton 🙂

Tja. Angesichts des etwas windigen Wetters der letzten Tage, ist mein Mast natürlich immer noch nicht fertig verkabelt, meine Segel immer noch nicht dran, und von meinem in Auftrag gegebenen „Korb“ für die Rettungsinsel habe ich seit einer Woche auch nix mehr gehört. Habe allerdings auch nicht weiter nachgefragt.  So wie’s aussieht, werde ich wohl auch diese Woche allein vor mich hinbasteln, und wenn das mit dieser Virus-Sache so weitergeht wie überall sonst auf der Welt, bin ich ganz froh, daß ich auf einem 24/7-bewachten Clubgelände hause und das nicht all zu häufig verlassen muß.

Warten wir also ab, wie sich die Sache entwickelt. Gestern haben sie hier in Richards Bay die erste infizierte Schülerin entdeckt und daraufhin gleich die gesamte Grundschule dichtgemacht. Ich hoffe, daß wie in Europa wenigstens die Lebensmittelmärkte und Pharmacies offenbleiben, wenn es hier Ernst wird. (Nein, ich habe kein Klopapier gehamstert, und Nudeln,  Reis und Shakalaka habe ich eh für Monate genug an Bord 🙂 )

Paßt auf Euch auf!

ps: Das im Titelbild ist übrigens das „Rescue-boat“, mit dem die beiden Spezis (nein, nicht die beiden im Bild) vorletztes Wochenende versucht haben, bei 1m Brandung auf den Strand zu fahren, um mein Dinghy dann abzuschleppen 🙂