Das Ende eines afrikanischen Sommers

So ein Leben ohne lokales Radio oder Fernsehen hat auch seine Schattenseiten: Irgendwie war völlig an mir vorbeigegangen, daß heute wohl Feiertag ist.   Und dann auch noch „Tag der Menschenrechte“. Was bin ich aber auch für ein Ignorant…

Simon hatte sich gestern zwar noch, wie üblich, mit „see you tomorrow“ verabschiedet, kreuzte dann aber doch nicht auf. Nachdem er Viertel nach Acht immer noch nicht da war, warf ich mal einen Blick nach draußen und stellte fest, daß ich ziemlich allein auf dem Gelände war.  Alle wech! Selbst der Strom war kurz vor Acht ausgefallen, direkt nachdem ich mir die Zeitung runter geladen hatte.

Normalerweise stört mich das nicht sonderlich, dann wurschtele ich halt wie üblich allein vor mich hin und komme meist auch ohne Strom klar. Also habe ich angefangen, die Batteriebox, die jetzt ein halbes Jahr lang die Hälfte des Durchgangs zum Steuerbordrumpf versperrt hatte, von ihren Kabeln zu trennen, um sie in das endlich fertig gestellte Batteriefach umzusiedeln. Als dann allerdings gegen Zehn auf der gegenüberliegenden Hafenseite eine Sirene mit einem auf- und abschwellenden Signal losbrüllte, stellten sich meine Nackenhaare auf und mich beschlich der leise Verdacht, ich könnte womöglich eine Tsunamiwarnung verpaßt haben. Immerhin bin ich hier kaum fünfhundert Meter Luftlinie vom Indischen Ozean entfernt und somit im primären Zielgebiet, falls sowas mal wieder anrollt. Bei dem 2004er Tsunami stand das gesamte Club-Gelände zwar „nur“ eineinhalb Meter unter Wasser, weil er glücklicherweise bei Ebbe eintraf, hatte mir John neulich mal erzählt. Selbst das würde allerdings ausreichen, um sämtliche hier aufgepallten Boote von ihren Hölzern zu werfen.

Und da um mich rum jede Menge Monohulls aufgepallt sind, die im Gegensatz zu Thelxinoe auf ihrem einen Kiel nicht sonderlich stabil stehen, ist die größte potentielle Gefahr dabei vermutlich, von einem umstürzenden Mast erschlagen zu werden.

Es war dann aber wohl doch nur eine Übung oder ein Sirenentest, jedenfalls kam die Entwarnung, kaum daß ich erst mal vorsorglich alle meine Seeventile zugedreht, das untere Element meines Steckschotts eingesetzt und dann nachgesehen hatte, wo ich wohl meine Rettungsweste hingepackt habe 🙂

Naja, immerhin: Wenn das eine Alarmübung war, hat sie funktioniert. Zumindest ich war alarmiert.

Nachdem die Aufregung vorbei war, ging ich wieder ans Werk, um die Batteriebox umzubauen. Wider Erwarten hatte ich nicht mal sonderliche Probleme, das 60Kg-Ding allein unfallfrei in das Fach zu wuppen. Kann natürlich sein, daß ich das morgen wieder im Rücken spüre, momentan gehts mir aber noch gut. Auf jeden Fall bin ich heilfroh, daß ich von der Idee abgekommen war, das Teil in der Tiefe meiner Bilge zu versenken.

Hat kaum ein dreiviertel Jahr gedauert, aber nun steht der Akkupack tatsächlich da, wo er hin soll.

Bisher war die Kiste ja immer noch provisorisch mit 25mm²-Kabel zum Hauptschalter hin verdrahtet, schlicht weil sie drei Meter von ihrem endgültigen Platz entfernt stand und ich nicht meine mitgebrachten 50mm²-Kabel zerschnippeln wollte, bevor die endgültigen Längen feststanden. Immerhin brauche ich auch noch einen guten Teil davon für die Ankerwinde und außerdem müssen auch noch eine Sicherung und das 400A-Lastrelais für die Unterspannungs- Notabschaltung in die endgültige Batterie-Hauptleitung eingebunden werden.

Und da ging’s dann auch schon los: Der 300A-Sicherungsautomat, den ich mal irgendwann für diesen Zweck gekauft hatte, hat seltsamer Weise nur Anschlüsse für M6-Ringösen, wie sich rausstellte, als ich ihn ausgepackt hatte. Das macht ja nun als Absicherung für ein 50mm²-Kabel in meinen Augen herzlich wenig Sinn, abgesehen davon, daß ich gar keine Kabelschuhe in der Größe habe und auch bezweifle, daß es hier sowas gibt. Und das Problem durch Unterlegscheiben zu lösen, hat schon beim Inverter nicht so recht funktioniert und fast das Boot abgefackelt…

Also umdisponiert, und statt des Automaten die ursprünglich vorgesehene Lösung, nämlich einen Sicherungshalter für eine 300A-Hochstromsicherung eingebaut. (Immerhin mit M10-Schraubterminals) Nachdem ich den angeschraubt und nach kurzer Suche sogar die Sicherungen wiedergefunden hatte, mußte ich feststellen, daß entweder der Halter zu groß ist, oder die Sicherungen zu klein. Arrghhh…

Und die Größe zählt doch …

Nun ja. Ich habe den Kram dann mit den vorher schon verwendeten Kabeln angeschlossen, um wenigstens  für  den Moment wieder ein funktionsfähiges 12V-Bordnetz zu haben und morgen werde ich mal versuchen, einen brauchbareren Automaten oder passende Sicherungen zu finden. Und vielleicht gibt es ja auch noch irgendwo Kabelschuhe für 50er Kabel mit M14-Loch zu erwerben, damit ich den ganzen Krempel dann tatsächlich auch vernünftig an den Batterieblock angeschlossen kriege.

Irgendwann nach Mittag war auch der Strom wieder da, und so allmählich bekam ich Hunger. Gestern hatte ich Pellkartoffeln gekocht, weil es heute eigentlich Bratkartoffeln geben sollte. Die hatte ich lange nicht mehr. Nach einem Blick auf das Datum fiel mir auf, daß der (europäische) Winter seit heute offiziell zu Ende ist. Zeit, meine einzige verbliebene Dose Grünkohl ihrer Bestimmung zu zu führen und mir zur angemessenen Würdigung des Feiertages eine Dose Bier aufzumachen. Hatte ich auch lange nicht mehr 🙂Mangels Pinkel oder sonstiger standesgemäßer Kohlwurst mußten ein paar Russians als nährende Beilage herhalten, die ich vorher kurz angebraten hatte. Sie haben ihren Zweck zufriedenstellend erfüllt 🙂 Allerdings muß ich zugeben, daß geschmacklich irgendwas gefehlt hat. Naja, Grünkohl schmeckt ja am zweiten Tag angeblich sowieso besser, und da ich ohnehin nur ein Drittel des Inhaltes geschafft habe, läßt das noch Spielraum für ein wenig Nachwürze morgen.

Im Umkehrschluß heißt das mit dem europäischen Frühjahrsanfang natürlich auch, daß der hiesige Sommer vorbei ist. Ab heute ist hier Herbst. Als ich vor fast acht Monaten hier her kam, war ich ganz sicher nicht davon ausgegangen, ein dreiviertel Jahr später immer noch mit meinem Kahn an Land rumzustehen. Es wird echt Zeit, daß das ein Ende findet …