Der erste Tag vom Rest meines Lebens …

Nun ist es also soweit: Am 8.8.2018 habe ich Deutschland tatsächlich verlassen.  Nach einer gelungenen Farewell-Party am Samstag zuvor und einigen, teilweise doch recht emotionalen Abschieden von der Familie, bin ich zusammen mit Andy gegen 22:15 mit Lufthansa-Flug LH257 in Frankfurt gestartet und nach Kapstadt aufgebrochen.

LH257 waiting for boarding …

Der 11-Stunden-Flug in einem A340-300 war, vorsichtig ausgedrückt, eher „na ja“. Andy war nicht wirklich glücklich mit der Sitzposition und / oder seiner Nachbarin; ich zwar auch nicht, habe aber den größten Teil des Nachtfluges trotzdem verdöst., gelegentlich aufgeschreckt von einem Ellenbogen in den Rippen.

Der Check-In in Kapstadt verlief problemlos, im Gegensatz zum letzten Mal hatte ich diesmal sogar zwei Führerscheine griffbereit und gegen 11h hatten wir unseren Leihwagen. Nach anfänglichem Rumgezicke des mitgenommenen Garmin-Navi haben wir dank Handy-Navigation auch mehr oder weniger zügig die Rezeption unseres gebuchten Appartments gefunden, das wir um 13h dann tatsächlich bezogen hatten.

Nachdem wir uns kurz umgesehen und die Bude für ok befunden hatten, machten wir uns auf, um den fußläufig erreichbaren Teil von Kapstadt zu erkunden, kauften ein paar Lebensmittel für das Frühstück am nächsten Tag und eine Flasche Wein für den späteren Abend ein, und gönnten uns im Café Cubana ein gepflegtes Abendessen, bevor wir uns wieder auf den Heimweg zum Appartment machten.

Kapstadt ist doch deutlich hügeliger, als es auf der Karte den Anschein hat. Unser Appartment liegt zwar nur auf ca. 70m Höhe, unser Bedarf an bergwanderischer Aktivität war nach der Rückkehr aber trotzdem gut erfüllt und nach zwei Gläsern Wein zum Abschluß des Abends, war dann spontan Schicht im Schacht.

Freitag morgen war ich mit Duncan, meinem Shipping-Agent für den Sharan, verabredet, um einen ersten Versuch zu starten, das Auto aus dem Zoll zu befreien. Nach einem Besuch im Copyshop, um noch ein paar Kopien vom Einreisestempel in meinem südafrikanischen Paß zu machen, verbrachten wir die nächsten zwei Stunden damit,  kilometerweit zu Fuß durch die Stadt zu terbeln,  um die Kopien bei einer Polizeistation beglaubigen zu lassen, mit dem ganzen Papierwust beim  Zoll aufzuschlagen, nur um dann mitgeteilt zu bekommen, daß  nun aber auch noch  Kopien vom  Ausreisestempel in meinem  deutschen Paß und mehrere Kopien einer eidesstattlichen Erklärung erforderlich seien (selbstverständlich dann ebenfalls alles beglaubigt), um nachweisen zu können, daß ich auch wirklich länger  als ein Jahr nicht im Lande war.  Außerdem noch einmal eine englische Version meiner, aus dem Gedächtnis angefertigten, Inventarliste über das Gerödel im Sharan.  Gnnniihhh …  

Das war so ungefähr der Zeitpunkt, als sowohl Duncan als auch ich unser tägliches Wanderpensum mit ungefähr 6-7 Km als durchaus  erfüllt ansahen, und wir machten uns zurück zum irgendwo in der Stadt geparkten Auto. Nun also nochmal Copyshop, nochmal Polizeirevier (diesmal  ein anderes, parktechnisch  besser gelegenes), das dummerweise gerade wegen  Schabenbefalls  „under fumigation“ lag (also ausgegast wurde), wieder zurück zum ersten Polizeirevier und die Stempel abgeholt.

Für die scheinbar von allen möglichen Stellen geforderten Beglaubigungen gibt es offenbar in jedem Revier eine eigene Dienststelle. Eine Beglaubigung läuft dann nach diesem Schema ab: Man wartet in einem Turnhallengroßen „Dienstzimmer“ zusammen mit etlichen anderen artig in der Queue, bis man an der Reihe ist, legt einem der mindestens drei anwesenden  Officers seine Papiere vor, der sie kurz ansieht und dann, ohne wirklich zu lesen oder sie gar mit irgendwelchen Originalen zu vergleichen, drei Stempel und eine Unterschrift drunterknallt und sie zurückgibt. Was das für einen Sinn haben soll, erschließt sich mir nicht wirklich, aber immerhin kostet es nicht auch noch Geld, nur Zeit…

Eigentlich (!) war damit alles erledigt. Nun fehlte dem Zollmenschen lediglich noch das LOA (ein „Letter of Authority“). Das ist, neben dem halben Aktenordner voll sonstiger Formulare, die ich überwiegend schon in Deutschland ausgefüllt und hergemailt hatte, eine Bestätigung von irgendeiner Behörde in Pretoria, daß ich mein Auto nun tatsächlich als Umzugsgut Zoll- und Abgabenfrei mit ins Land bringen darft. Kostet von vorn herein schonmal 1.800Rand Bearbeitungsgebühr, und schon im Antrag wurde erwähnt, daß die Bearbeitung durchaus bis zu 120 Tage dauern kann. Absurd…

Duncan hatte zwar im Verlauf des Tages mit einer Bekannten bei eben dieser Behörde telefoniert und ihr eine Verkürzung auf „ungefähr“ drei Wochen bei bevorzugter Bearbeitung abgerungen, das bedeutet allerdings immer noch mindestens drei Wochen Standgebühr im Zollverschluß für den Sharan, drei weitere Wochen Mietwagenkosten für uns, und zusätzlich entweder Rückfahrt oder Flug von Richards Bay nach Kapstadt und dann die erneute Autofahrt nach Richards Bay. Vom Zeitverlust abgesehen, kostet das mehr, als der Sharan an sich überhaupt wert ist.

Wir haben dann also umdisponiert, und ich werde jetzt einfach die Einfuhrumsatzsteuer und den Zoll für die Kiste bezahlen, damit läßt sich die ganze Sache vielleicht auf maximal drei bis vier Tage Bearbeitungszeit verkürzen, sodaß wir möglicherweise tatsächlich nächste Woche Donnerstag das Auto ausgelöst haben könnten.

Da ich dieses, zugegebenermaßen sehr angenehme und gut ausgestattete, Appartment aber nur bis morgen, Samstag gebucht hatte, müssen wir uns solange eine neue Bleibe  suchen. Duncan hat angeboten, uns in einer seiner Gästehütten ca. 30 Km  entfernt von hier wohnen zu lassen. Wir werden somit wohl morgen hier ausziehen, den Mietwagen am Flughafen abgeben, einen neuen mieten (ist, nach Aussage aller Befragten, deutlich günstiger, als den aktuellen zu verlängern), und auf Duncans Farm in Stellenbosch einziehen. Urlaub auf dem Bauernhof. Wollte ich nie 🙂