Diggin‘ in the dark

Der Strom ist schon wieder weg :motz:Ich sitze hier im halbdustern offline bei immer noch Dauerregen und klimpere bei gerade mal 18° auf der Tastatur rum, mein Inverter läuft auf Sparflamme, weil die 1500W halt nicht ausreichen, um auch noch den Heizlüfter mit zu betreiben, und irgendwie fühle ich mich gerade ein wenig angenervt.

Der heutige Tag war der Rekonvaleszenz gewidmet. Angesichts der Tatsache, daß ich seit knapp zwei Wochen sporadische Magen- und Darmprobleme gehabt hatte, fand ich am Sonntag auch noch Blut an einer Stelle, wo definitiv keins hingehört hätte, und beschloß, zeitnah etwas zu unternehmen. Also packte ich nach einer reichlich unruhig verbrachten Nacht am Montagmorgen ein paar Klamotten und ein Handtuch in meine Tasche, setzte mich um kurz vor Sechs ins Auto, und fuhr zum „Netcare, The Bay“ – Hospital, um der Sache auf den Grund gehen zu lassen.

Dort angekommen, durchlief ich drei verschiedene Aufnahme-Rituale mit all den Nebenschauplätzen von Blutentnahme bis Anamnesezettel ausfüllen, die bei so einer Aktion halt zu erledigen sind, wurde geröntgt, blutdruckgetestet (zweimal innerhalb von 5 Minuten, mit ungefähr 100% Differenz :-?), hatte innerhalb einer Stunde einen Termin bei einem Facharzt, dem ich meine medizinische Vorgeschichte erzählte, und eine weitere Stunde später lag ich für eine Colonoscopie auf einem OP-Stuhl.

Als ich gegen 14h wieder wach wurde, teilte mir der Doc mit, sie hätten eine Zyste entfernt, wohl etwas oberhalb des Bereichs, der damals im Zuge der Sigma-Resektion entfernt worden war. Nichts wirklich dramatisches also. Ich hatte ja schon leise befürchtet, mir eventuell bei all dem Chaos hier auch noch ein Magengeschwür eingefangen zu haben.

Insofern: Alles gut. Und besser hier, als irgendwo mitten auf dem Atlantic und Wochen entfernt von jedem Arzt. Nur der Umstand, daß für diese „Fahrkarte für eine große Hafenrundfahrt“ für mich als hier nicht Krankenversicherten insgesamt um die 42.000R (2.500,-€) aufgerufen wurden, die natürlich in bar bzw. per Karte vorab zu entrichten waren, trübt die Freude über das Ergebnis ein wenig.

Alter Finne… 8-O Beschwer‘ sich nochmal einer über das deutsche Gesundheitssystem.

Der Rest des Montags verlief ziemlich ruhig, nachdem ich wieder am Boot angekommen war, und im Gegensatz zur vorherigen, habe ich die letzte Nacht fast komplett durchgeschlafen. Heute morgen um kurz nach Acht stand Simon vor der Tür, den ich angesichts des Dauerregens und meines noch etwas mitgenommenen Zustands zwei Boote weiter schickte, wo er auch gestern schon gearbeitet hatte, nachdem er bei mir nur die verschlossene Tür vorfand.

Nach ein  paar Cornflakes und dem Studium der Zeitung bin ich wieder in die Koje gekrochen und habe die nächsten fünf Stunden auch noch verdöst. Als ich das nächste Mal wach wurde, stand Simon auf dem Weg in den Feierabend schon wieder vor der Tür um zu fragen, ob er morgen wohl auch nochmal bei den Nachbarn arbeiten solle, die könnten ihn da gebrauchen. Angesichts des immer noch vorherrschenden Regens und da Windy für morgen fast identisches Wetter voraussagt, habe ich das abgenickt und  wir uns somit auf Donnerstag vertagt.

Nach zwei Tagen mehr oder weniger Fasten, hatte ich inzwischen spürbar Hunger gekriegt. Im Kühlschrank lag immer noch die zweite Hälfte des Filets vom Braai-Test am Wochenende, und da ich Montag  auf dem Rückweg ein Kilo Maismehl eingekauft hatte, gab es den neulich angekündigten „Pap“:

Man nehme:

  • 200g (weißes) Maismehl, grob
  • vier Tassen Wasser
  • 1 gehäuften TL Salz
  • eine Zwiebel (Hab ich diesmal weggelassen)
  • eine Knoblauchzehe
  • zwei EL Olivenöl

Man bringt das gesalzte Wasser zum kochen, rührt das Mehl ein, zerkleinert Zwiebel und Knobi und gibt sie mit dazu und kocht das Ganze für 5min zu einer dicken Pampe auf, in die  man das Olivenöl einrührt und ggf. ein bischen Thymian drüberstreuselt.

Anschließend nimmt man den Pott entweder vom Herd und läßt ihn zugedeckt 20 Minuten stehen, oder man läßt ihn auf ganz kleiner Flamme vor sich hinköcheln, muß dann aber hin und wieder mal umrühren, damit es nicht anbrennt.

In der Zwischenzeit habe ich das ehemalige Filet in Streifen geschnitten, mit etwas Sojasauce und Olivenöl, schwarzem Pfeffer und Paprika mariniert, und dann angebraten. Nach ein paar Minuten eine Handvoll brauner Champignons und ein Schluck Kokosmilch (oder ein EL Naturyoghurt, was grad da ist) dazu, 10 Minuten köcheln lassen und dann das ganze auf einem Teller verteilen.

Ich war, nach nichtmal der Hälfte, sozusagen „Pap“-satt. Mag ein primitives Gericht sein, und wird lt. Chefkoch.de eigentlich „traditionell mit Tomatensauce gegessen„, schmeckt aber auch zu Filetstreifen mit Pilzen richtig gut 🙂 Und ich möchte wetten, aus dem Zeug lassen sich auch hervorragend Kroketten basteln.

Von der Konsistenz her ist Pap deutlich zäher und grober als Kartoffelbrei, und Maismehl auch irgendwie leichter längerfristig auf einem Boot aufzubewahren als Kartoffeln, also werde ich wohl noch ein paar Kilo davon für unterwegs einkaufen. Mag ich 🙂

Mittwoch

Der heutige Tag verlief ziemlich genau so, wie der gestrige auch: Bin um sechs wach geworden, habe gefrühstückt, Zeitung verinnerlicht und bin wieder ins Bett gekrochen. Das regnet hier jetzt seit fast drei Tagen ununterbrochen, was will man da groß ausrichten? Irgendwann kurz vor 10h bin ich wieder aufgestanden um duschen zu gehen, habe dabei mittendrin zur Kenntnis genommen, daß der Strom heute zur Abwechslung schon vormittags ausfiel und anschließend mal eine Runde durchs Boot gemacht, um tropfende Stellen zu lokalisieren.

Dauerregen, irgendwie halb schwülwarm, bäh!

Gefunden habe ich noch drei, mit denen ich halbwegs gerechnet hatte. In der BB-Vorderkabine scheint die Navi-Lampe minimal undicht zu sein, mein (immer noch nicht mit Epoxy versiegeltes) Loch vor dem Mast läßt auch trotz provisorischem Butyltape-Stopfen tropfenweise durch und nach drei Tagen Regen tropft es wieder mal aus der Luke im Salon, obwohl ich nach dem letzten Mal extra die Dichtung gereinigt hatte, und diese Luke seitdem eigentlich nie mehr offen war. Dreck!

Womit ich dagegen nicht gerechnet hatte waren die beiden Portlights im Cockpit. Scheinbar hatte Simon die bei seiner Pinselei in den Achterkabinen offen gehabt, und sie anschließend zwar wieder zugedrückt, aber nicht verriegelt, so daß ich die nächste Viertelstunde damit verbrachte, die beiden Achterkabinen wieder trocken zu legen.

Im Gegensatz zu meinem ursprünglichen Auftrag, nämlich den verlängerten Dodger mit einer Art Regenrinne zu versehen, weil ich damit eigentlich unterwegs Wasser auffangen wollte, hat der „Bootsprofi“ Stephen das Ding seitlich nur mit einer glatten Kante abgeschlossen, so daß es da jetzt fröhlich auf ganzer Länge runtertropft. Da der Dodger um 10cm zu schmal ist, um das Cockpit im hinteren Bereich zu überdecken, läuft selbst bei dem eigentlich harmlosen senkrechten Landregen der letzten drei Tage das Wasser ungebremst ins Cockpit und in die nicht verriegelten Portlights.

Das sollte eigentlich eine gerade, nach hinten abfallende Linie bilden. Sieht man mit bloßem Auge, daß das nicht der Fall ist.

Und weil Andries es trotz meiner genauen Erklärung, warum der Dodger hinten nicht höher als 99cm über der Cockpitkante sein darf, vergeigt hat und die Stützen mit den Abschlußplatten jetzt zu lang geraten sind, beträgt das Maß jetzt 102cm und der Dodger „hängt in der Mitte durch“, statt das Wasser nach hinten abzuleiten. Ich hätte mir am Cybermonday vorige Woche doch echt das Schweißgerät kaufen, das ich beim BoltCentre schon in der Hand gehabt hatte, und es dann selber machen sollen. Ein kleines, simples 120A-Gerät für 998,-R, was will man da groß falsch machen, außer daß das halt auch wieder Platz braucht…  Verpaßt 🙁

Als Sofortmaßnahme habe ich vorhin in einer Regenpause erst mal das Sonnensegel wieder vorgekramt, das Simon nach dem Abbauen einfach aufs Vordeck gepackt hatte und eigentlich längst saubermachen sollte. Das Ding sitzt nun quer über dem Dodger, statt wie vorher längs und abgesehen von dem Umstand, daß die Imprägnierung inzwischen wohl weitgehend am Ende ist, erfüllt es den Zweck zumindest insoweit, daß jetzt ungefähr die Hälfte des Wassers deutlich weiter außen, und nicht mehr ins Cockpit runter tropft. Trotzdem: Es nervt allmählich. Und laut Windy hält dieses Wetter wohl noch bis Samstag an…

Um ein bischen was für die „vorweihnachtliche Stimmung“ zu tun, die hier derzeit beim besten Willen nicht aufkommen mag, habe ich Montag dann immerhin noch ein bischen passendes Backwerk beim PnP mitgenommen, das die vermutlich extra für mich importiert hatten.

Stimmungsaufheller

Also wenn das tatsächlich die ganze Woche so weitergeht, dann werde ich wohl auch den Rest der Woche bis in die Puppen schlafen, schließe mich hier ein, stelle mir eine Kerze auf den Tisch und fange vielleicht tatsächlich mal ein Buch an. Derzeit motiviert mich jedenfalls absolut nichts, irgend etwas am Boot zu machen. Dann wird halt mal eine Woche lang nichts fertig. Mir doch egal …

Nachtrag:

Das (neue) Titelbild entstand drei Minuten, nachdem ich den Beitrag online gestellt hatte und der bis dahin plätschernde „Landregen“ spontan samt einhergehender Winddrehung auf Süd zu einem mittleren Wolkenbruch mutierte. Zwischenzeitlich konnte ich kaum noch das Shopgebäude erkennen, und meine Wetterstation hat den „Regen in den letzten 24h„-Wert in der letzten Viertelstunde adhoc um 20mm erhöht. Mal sehen, was noch so kommt. Ich suche mir mal lieber noch ein paar Tropfschalen zusammen …