Lage 6: Harz

Diese drei Gesellen sind mir heute zum ersten Mal auf dem Gelände begegnet, als ich spätnachmittags vom Einkaufen zurückkam. Zuerst hatte ich nur einen aus dem Augenwinkel gesehen und gedacht, es wäre ein Affe oder eine der Katzen, die hier immer rumstreunen, aber nachdem noch zwei auftauchten und alle gemeinsam einen langen Hals machten, sah das doch eher nach Erdmännchen aus. Tatsächlich sind es aber wohl Mungos oder Zebra-Mangusten.

Deswegen habe ich hier wohl auch noch nie Schlangen gesehen… Keine Ahnung, was die hier auf dem Weg zu Steg C zu suchen hatten. Glücklicherweise habe ich mir in letzter Zeit angewöhnt, eigentlich immer die kleine Lumix dabei zu haben, wenn ich irgendwohin unterwegs bin. Je länger ich mit dem Ding rumspiele, desto besser gefällt sie mir. Auch aus knapp 40m Entfernung kriegt man die Erdnuckel-Familie noch format füllend ins Bild gesetzt 🙂

Heute war Hayden mit den beiden Unterteilen der Badeplattform hier, um die Befestigungs-Löcher in die Coosa-Einlagen zu bohren und anschließend die Schrauben zu versenken. Um die Gebilde noch ein wenig besser zusammen zu halten und die Oberfläche zu schützen, hatte er wohl gestern noch eine dünne Lage Harz auf den Schaumkern aufgerollt. Nachdem die ersten Schrauben drin waren, hat er der Sache immerhin schon hinreichend vertraut, um

Oberseite. Ganz gut zu sehen: Die Verstärkung aus Coosa-Streifen über den Trägern und um die Revisionsöffnung über dem Antrieb.

anschließend drauf zu klettern und von da aus weiter zu arbeiten.

Wenn man sich das Ding jetzt mal von unten betrachtet, ist das natürlich auch nicht unbedingt ein Exempel für übertriebene Grazilität. Mit dezentem Design haben sie’s hier sowieso nicht so, aber was soll’s. Paßt zum Boot 🙂

Gestern mittag habe ich, einigermaßen ungeplant, meine Pantry und den Cockpitboden noch ein wenig bunt umdekoriert. Daß

ich es, als gebrechlicher alter Mann, mit Treppensteigen nicht mehr so habe, weiß ich ja spätestens seit 2015, als ich zuhause mit vollem Wäschekorb im Arm die unterste Stufe verfehlt habe, was mich dann eine abgerissene Patella-Sehne im rechten Knie und acht Wochen an Krücken gekostet hat.

Unter anderem deswegen wollte ich ja auch einen Katamaran, bei dem man einfach ebenerdig rein- und rausgehen kann, statt sich den Niedergang rauf- und runterquälen zu müssen. Hilft natürlich nur begrenzt, solange der Kat an Land steht, da ich ja erstmal bis ins Cockpit kommen muß. Solange meine Holztreppe am Heck stand, war alles gut. Das Ding ist stabil, war standfest und flach genug, um vorwärts rauf- und runtergehen zu können.

Seit ich keine nutzbare Badeplattform mehr habe, sieht das ein wenig anders aus:

Um überhaupt bis auf Deckshöhe zu reichen, steht sie jetzt gezwungenermaßen recht steil, was widerum zur Folge hat, daß die Stufen nicht mehr waagerecht, sondern ungefähr 20° nach unten geneigt sind. Um da nicht den Sittich zu machen, bin ich die ganzen Wochen schon rückwärts runtergestiegen, habe mich brav an dem Tampen und mit der anderen Hand an der Treppe festgehalten und hatte keine Probleme. Außerdem war die Leiter ja oben auch an drei Punkten an einer Relingstütze, einem Rüsteisen und an der Reling festgeknotet.

Jedenfalls bis letzte Woche. Da hatten die Schweißmenschen das Ding kurz mal an die Seite gestellt, weil sie die  Fläche zum Schweißen des Geräteträgers meines Nachbarbootes brauchten. Dummerweise war mir entgangen, daß sie nach dem wiederhinstellen nur die Geländer-Strippe an der Reling wieder angetüddelt hatten, die anderen beiden aber nicht.

Gestern nun war ich auf dem Weg zum Auto, um mich mit Peter in TuziGazi zum Essen zu treffen. In der linken Hand seine Festplatte, auf die ich ihm ein paar Filme gezogen hatte, Kamera, Zigaretten, Sonnenbrille, Handy und einen vollen Müllbeutel, und somit nur noch die rechte zum Festhalten frei. Irgendwie habe ich es dann in der Drehung nach dem Übersteigen der Reling geschafft, mich zu weit zu drehen, konnte mich gerade noch an der Strippe knapp oberhalb der oberen Geländerstütze festhalten und habe dann in Zeitlupe das ganze Treppending einmal längs um 180° ausgehebelt.

Ich fand mich dann am Boden sitzend wieder, nachdem ich mit dem Bein noch am Geländerband langgeschrammt war, die Leiter baumelte  kopfüber über mir. Wenigstens hatte die Geländerstrippe an der Reling  gehalten, sonst wär mir das ganze Ding auch noch auf den Brägen gefallen oder die Stütze hätte mich gepfählt.

Und selbstverständlich war es Sonntag Mittag und ich war wohl einigermaßen allein auf dem Gelände. Man gut, daß ich Samstag noch die Mülltonne weggenommen hatte, die die Hanseln direkt in meiner Flugbahn plaziert hatten. So bin ich wenigstens einfach nur platt auf den Sandboden geditscht.

Leicht geschockt, aber nach dem ersten Abtasten von einem angeschrammten Bein abgesehen unversehrt, fiel mir dann erst beim Wiederumdrehen der Leiter auf, daß meine rechte Hand blutete wie Schwein. Oh, da fehlt irgendwie ein Stück Finger! :help:

Damit war ich wohl  zwischen der etwas scharfkantigen Oberseite der Geländerstütze und der Strippe hängengeblieben…  Also wieder zurück an Bord, erstmal abspülen bis die Bluterei aufhörte, nachsehen ob Holz drinsitzt, Bild machen (:mrgreen:), und erste Hilfe-Maßnahmen einleiten. Die letzte Tetanus-Impfung war erst letztes Jahr, Jod hatte ich eh nicht, also Pflaster drauf und gut war’s. Auf zum Essen!

Heute sieht es auch schon wieder ein wenig harmloser aus. Habe jetzt nicht geprüft, ob es sich immer noch aufklappen läßt, aber es tut nicht sonderlich weh, und den Finger kann ich auch noch fast normal bewegen. Soweit alles gut. Aber bevor ich hier losfahre, werde ich wohl doch nochmal in einen anständigen Sani-Kasten investieren, das hatte ich bislang irgendwie verpaßt. Außer den Pflastern hätte ich momentan bestenfalls noch so ein Klammer-Dings  gehabt, was mir für diese Anwendung allerdings etwas übertrieben erschien.

Somit war meine Einsatzfähigkeit heute ein klein wenig eingeschränkt, und ich habe mich den Tag über weitgehend darauf beschränkt, Simon Anweisungen zu geben und Hayden beim Bohren der Löcher zu helfen, indem ich solange die Platten runtergedrückt habe :mrgreen: