Left alone in the heat

Irgendwie ist diese Woche der Wurm drin. Entweder sind alle im hiesigen Äquivalent zum Winterschlaf (vermutlich dann irgendwo am Strand), oder die Ignoranz der lokalen Handwerker ihren Kunden gegenüber ist noch bedeutend ausgeprägter, als sich das mir bisher ohnehin dargestellt hatte. Heute ist immerhin schon Donnerstag Abend, und von allen Handwerkern, die sich (eigentlich) für diese Woche ganz konkret angekündigt hatten um irgend etwas an Bord zu erledigen, war nicht ein einziger hier. Selbst Simon tauchte lediglich am Dienstag auf, arbeitete einen Tag lang und ward seither nicht mehr gesehen. Blödvolk, blödes…

Für Montag hatte ich einen Termin mit Rob, the gasman, gemacht. Der sollte nun endlich die Gasleitung einziehen, damit ich die Achterkabine wieder dichtmachen kann. Hat sich Montag Mittag kurz per Whatsapp entschuldigt, sein Auto wäre wegen kaputter Windschutzscheibe beim Roadworthy-Test durchgefallen (sowas wie der TÜV in D, macht man allerdings nur genau ein einziges Mal bei der Anmeldung eines Fahrzeugs, danach kümmert sich nie wieder irgendwer drum) und er müßte erst eine neue Scheibe einbauen lassen. Angeblich hat der Händler, der ihm das Ding vor zwei Jahren verkauft hat, den gar nicht auf ihn registrieren lassen. Ich empfand das als ziemlich merkwürdige Aussage.

Wie auch immer, seitdem ist jedenfalls Funkstille und meine Gasanlage sieht noch genauso professionell aus, wie die letzten 25 Jahre. Ist momentan allerdings nicht sonderlich aufregend, da seit letzter Woche meine Gasflasche nun tatsächlich leer ist. Theoretisch hätte ich ja schon seit Montag zwei volle 10.8Kg-Kompositflaschen hier in Betrieb haben sollen, die er mitbringen wollte.  Gut, daß ich nötigenfalls auch  einen elektrischen Ofen und eine Kochplatte habe …

Für Dienstag hatte sich Stephen angesagt, um mir Bilder vom derzeitigen Zustand des Dodgers zu präsentieren, wenn schon nicht das Teil selbst. Auch der blieb ungesehen, hat sich aber nichtmal die Mühe gemacht, wenigstens Bescheid zu geben.

Dafür stand Montag Mittag dann Andries wieder hinterm Boot und verkündete freudestrahlend, der Antrieb sei fertig, und am Dienstag würden sie das Ding nun aber endgültig einbauen, anschließen und dann den Motor lackieren, nachdem er zwischenzeitlich irgendwo eine Dose des korrekten Volvo-Grüns anmixen lassen hatte. (Der erste Versuch am Samstag endete eher in Richtung Froschgrün und wir waren uns einig, daß das nicht wirklich passt). Tja, kein Andries mehr zu sehen in den letzten drei Tagen und ebenfalls keine Nachricht.

Also bastele ich seit anderthalb Wochen hier allein vor mich hin. Draußen sind erträgliche 30-32 Grad mit ohne Wind und kaum 10mm Regen in der ganzen Zeit, drinnen läuft die Klimaanlage und so ganz nebenbei habe ich in den letzten vier Tagen  mittlerweile knapp 80L Kondenswasser in Kanistern und Flaschen aufgefangen. Bevor ich „fließend Wasser“ an Bord hatte, war das ungefähr der Verbrauch für zwei Wochen. Will ich das wirklich alles weg kippen?? Zu schade eigentlich, daß die blöde Camping-Waschmaschine nicht mehr mit in einen der Koffer gepaßt hatte.

Zumindest dafür wäre das Wasser zweifellos zu gebrauchen. So allerdings mußte ich heute einen ganz normalen Waschtag einlegen und war ganz verblüfft, daß ich gleich im  ersten Versuch heute morgen eine freie Waschmaschine fand. Peinlicherweise war ich die nächsten fünf Stunden so in meine Bastelei vertieft, daß ich die Wäsche völlig verdrängt hatte und mir erst gegen 14h wieder einfiel, daß da ja noch eine Ladung Wäsche auf Abholung wartete und aufgehängt werden wollte.

Offenbar hatte aber niemand den Darang verspürt,  „meine“ Maschine auszuräumen um sie selbst zu benutzen, jedenfalls lag meine Wäsche immer noch drin. Da ich den mitgebrachten 10er-Pack „Thelxinoe“-Shirts absichtlich eine Nummer kleiner bestellt hatte als sonst, habe ich mir den Trockner geschenkt und somit hängen die Klamotten jetzt einfach festgetackert auf der Reling.

Da es aufgrund der vorherschenden „Nichtwindigkeit“ draußen zwar temperaturtechnisch gesehen eigentlich etwas kühler als drinnen war, dort aber aufgrund der Klima immerhin ein wenig kühle Luft rumgewirbelt wurde, ließ sich innen trotz fast 35 Grad noch einigermaßen arbeiten, also habe ich die letzten paar Tage damit verbracht, endlich die Fenster-Rahmen und -Verkleidungen in der Pantry fertig zu bauen, die inneren Fensterscheiben nochmal rauszunehmen und mit Spiegelfolie zu bekleben,

So in etwa soll das dann mal aussehen. (Die Verkleidungen oben natürlich, nicht das Chaos unten)

und morgen werde ich den ganzen Krempel erneut abbauen,  die erste meiner Armaflex-Platten zersägen, und daraus Streifen für die Wanddämmung um die Fensterrahmen über der Pantry basteln. Dann noch ein paar Kabel  fürs Licht dahintergeworfen, und eine weitere Baustelle ist abgehakt.

Zumindest gefühlt ist die Temperatur auf der Pantry-Seite durch die jetzt getönten und verspiegelten Innen-Scheiben schon mal mindestens um 3 Grad gesunken, wenn nachmittags die Sonne draufknallt. Wenn ich durch die Dämmung nun auch noch die Abstrahlungshitze der Wand nennenswert reduzieren kann, ist die Pantry wohl auch nach Mittag wieder benutzbar. Zuletzt habe ich nämlich letzten Sonntag gekocht.

Da ich schon Freitag das Fleisch für den Monday-Braii eingekauft hatte und in letzter Zeit ohnehin immer nur die Hälfte des eingekauften Filets auf einmal schaffe, wurde die Menüabfolge letzte Woche einfach mal umgedreht und es gab Sonntag schon Medallions aus der ersten Filet-Hälfte, zusammen mit gebratenen Pilzen, Paprika,  Zwiebeln und einem getoasteten Panini. Seither blieb die Küche allerdings kalt, weil sie zu warm war. (Naja, Ihr wißt was ich meine 🙂 )

In dem letzten Paket, das Sara mir zu Weihnachten geschickt hatte, waren u.a. noch zwei weitere Action-Kameras aus meinem Fundus, die ich wohlweislich im August gar nicht erst mitgenommen hatte. Eine Gopro Hero 1 mit leicht verkratzter Linse, die ich schon mindestens seit 2013 nicht mehr benutzt habe, als sie auf dem Geräteträger meiner 3258 Fly installiert war, und eine noname „4K“-Kamera, die ich 2017 mal für 59,-€ zum testen und rumspielen gekauft, aber nach den ersten Versuchen enttäuscht wieder an die Seite gelegt hatte, um stattdessen dann eine Hero 6 zu kaufen.

Ok, war wohl ein krasser Fall von Fehlbedienung meinerseits oder die dazugehörige App hat die Cam oder sich selbst zwischenzeitlich heimlich geupdatet. Vor zwei Jahren war es mir nämlich definitiv nicht gelungen, das Ding in den 4K-Modus zu versetzen, bei 2.7K war damals lt. App eindeutig das Ende der Fahnenstange.

Jetzt, nach einigem Rumgemmeln mit der App, aber schon, und nachdem ich sie nach dem Laden eine halbe Stunde lang ins Cockpit verpflanzt hatte stellte sich raus, daß das Teil (auch, wenn sich der 170°-Blickwinkel nicht verkleinern läßt) zumindest wunderbar kitschige Sonnenuntergänge auch in 4K/30 filmt 🙂

Mal sehen, ob ich das Teil unterwegs dann auf bzw. unter dem Geräteträger als „Cockpit-Cam“ installieren kann.