Selbstversuche

Als ich gestern im Cluboffice war, um meine Stellplatzmiete und die Garage für den Monat zu bezahlen, präsentierte mir Dudu eine weitere Abrechnung über 60 Rand. Auf näheres Nachhaken händigte sie mir dann ein Zugangsprotokoll über die Zeiten aus, in denen Simon zwecks Arbeiten an meinem Boot auf dem Gelände gewesen war, was mir vom Club halt mit 6R/Tag berechnet wird. Cool, wußte gar nicht, daß die das tatsächlich so erfassen. Ich mußte am Gate noch nie unterschreiben, wenn ich rein oder raus wollte…

Da sie mir netterweise eine Kopie davon mitgegeben hat, werde ich Montag wohl mal mit Simon ausdebattieren müssen, was er denn eigentlich in diesen 10 Tage seines Hierseins so gemacht hat. Von dem, was ich ihm aufgetragen hatte, ist jedenfalls nicht wirklich viel passiert. Der Kahn ist scheinbar gewaschen und abgekärchert, die Klebestreifen am Wasserpass und die von Morgan damals für die, vom BSH geforderten, Fotos zum Flaggenzertifikat angebrachten Binnen-Kennzeichen sind auftragsgemäß verschwunden und mit ganz viel Wohlwollen kann man behaupten, daß ein kleinerer Teil des Backbordrumpfes kürzlich mal mit einer Poliermaschine in Berührung gekommen sein muß, aber das war’s auch schon.

Weder ist die Scheuerleiste schwarz lackiert, noch der Wasserpass weiß vorgestrichen, und der Rest vom Boot ist jetzt zwar vergleichsweise sauber, aber definitiv nicht poliert. Nuja. In erster Linie ging es natürlich darum, daß das Boot nicht zweieinhalb Wochen unbeaufsichtigt hier rumsteht und wieder zur Plünderung einlädt, zumindest das scheint ja funktioniert zu haben, zumindest ist noch alles da. Hier mal ein paar Bilder vom derzeitigen Ist-Zustand:

Seit ich wieder hier bin, ist es warm, windstill und ätzend schwül. Heute vormittag wurde mir das schließlich zuviel, also habe ich die Klimaanlage wieder hervorgekramt und in Betrieb genommen. Wie bei mobilen Klimageräten üblich, hat das Ding einen internen Wasserbehälter für das anfallende Kondenswasser, den kann man dann über den mitgelieferten Silikonschlauch einfach leerlaufen lassen, so man einen Bodenabfluß hat. Hab ich nicht, also habe den Schlauch direkt heute morgen angestöpselt und das andere Ende in eine der leeren 5L-Wasserflaschen gesteckt, die hier so rumfliegen. Als ich nach knapp 5h mal wieder hinsah, sah das dann so aus:

Ja, die läuft in der Tat über in die Bilge

Angesichts des Umstandes, daß es sich um Kondenswasser handelt, das mutmaßlich über diverse Brutböden für Bakterienkolonien im Inneren der Klimaanlage gelaufen ist stelle ich mir jetzt die Frage:

Was spricht eigentlich dagegen, dieses Wasser über einen Aktivkohlefilter abzufangen und in die Tanks zu leiten, oder abgekocht zu verwenden? Nix, meiner Meinung nach. Wenn ich mein TDS-Meter wiederfinde, werde ich mal die Salinität messen, aber eigentlich ist das ja kein Destillat, sondern ein Kondensat, sollte also theoretisch noch genügend Mineralien enthalten, um nicht irgendwann entsprechende Mangelerscheinungen auszulösen.

Da ja auch geplant ist, mit dem neuen Biminitop unterwegs Regenwasser aufzufangen und über 20my-Grobfilter in die Tanks zu leiten, kann dies hier eigentlich auch nicht nennenswert mehr Schaden anrichten.

Und mindestens 5L in 5h sind schon genausoviel produziertes Wasser, wie der kleinere meiner beiden Watermaker an einer 30W-Solarzelle schafft, nur hier eben als reines Nebenprodukt zu kühlerer Luft. Der Mokka, den ich vorhin damit gemacht habe, schmeckte immerhin völlig normal …

Ungefiltert Eiswürfel draus zu machen, ist auf Dauer vermutlich keine sonderlich schlaue Idee. Aber das scheitert momentan ja eh daran, daß ich keine funktionierende Eiswürfelmaschine mehr habe. Ich weiß genau, daß in meinem Arduino-Bastelfundus irgendwo je ein Dutzend IR Sende- und Empfangs LEDs gewesen sind. Wenn ich die wiederfinde (so sie nicht mit geklaut wurden), werde ich das Ding mal zerlegen und nachsehen, ob ich die einfach austauschen kann.

Wo wir gerade beim Thema „Selbstversuche“ sind: Gestern habe ich denn mal einen der beiden vor ziemlich genau sieben Wochen abgelaufenen Yoghurts aus dem Kühlschrank über eine Schale mit Weintrauben verteilt und zu meinem Mittagessen deklariert.

Best before: 11/01/2019 Prod.Datum: 07/11/2018

Ergebnis: Der Yoghurt schmeckte kein bischen anders als im November, als ich ihn gekauft habe. Kann man jetzt so oder so sehen, von der geschmacklichen Qualität eines z.B. „großen Bauer“ sind die hiesigen Produkte ohnehin meilenweit entfernt, aber mal so in Richtung aller mitlesenden MHD-Paranoiker und sonstigen Konsumterroristen gerichtet, die stehengebliebenen Yoghurt einen Tag nach „Ablaufdatum“ entsorgen: Ich lebe noch, und hatte weder Magenschmerzen noch Durchfall, nur Abends Hunger. Alles gut  🙂

Da ich ja einen Yoghurt-Maker an Bord habe, der unterwegs dann entweder mit dehydrierten Kulturen aus der Tüte, oder halt mit „Muster-Yoghurt“  plus Milch angesetzt werden muß, um seine Arbeit zu tun, verlängert das den Zeitraum der Nutzbarkeit von „frischem“ Yoghurt doch beträchtlich. Was die Milch angeht:

Bislang kaufe ich normalerweise einen 10er Tetra-Karton UHD-Vollmilch und komme damit gut über den Monat. Da ich gestern den letzten Tetrapak angefangen hatte, habe ich im Checker’s mal Vollmilchpulver vom selben Hersteller mitgenommen, anweisungsgemäß angerührt und war vom Ergebnis verblüfft:

Schmeckt nach dem Abkühlen tatsächlich genauso! Im Gegensatz zu dem, was ich in Deutschland an überteuertem Milchpulver gefunden hatte, ist sogar der Preis umgerechnet auf den Liter fertige Vollmilch identisch zum Tetrapak. (Wobei man fairerweise dazu sagen muß, daß Milch hierzulande nicht für 30,-ct/L verramscht wird, sondern umgerechnet ungefähr 0.75€ kostet)  Das macht die Mitnahme von 50-100L Milch für unterwegs dann doch bedeutend einfacher (und vor allem  mit 125g/L erheblich leichter und besser zu verstauen)

Sodele, viertel vor Sieben. Draußen ist es, bei immer noch über 30 Grad, inzwischen ohne großes Aufhebens dunkel geworden (die Sonne war eh den ganzen Tag nicht zu sehen). Allmählich kriege ich Schmacht, da mir den ganzen Tag schlicht zu warm war, um irgend was außer ein paar Trauben zu essen. Mal sehen, was sich noch so im Kühlschrank findet 🙂