Regattafieber

Der Tag verlief angesichts der immer noch exorbitanten Temperaturen relativ ereignislos. Bei über 40°C sehe ich mich schlicht außerstande, irgendwas sinnvolles mit mir anzufangen, geschweige denn am Boot zu arbeiten. Insofern kam mir Kirstens gestrige Einladung zur Teilnahme an der letzten diesjährigen Mittwochsregatta heute abend mit anschließender Besäuf Auswertung und Abschlußfeier sehr gelegen.

Der Hafenbereich von Richards Bay
Der Hafenbereich von Richards Bay

Gegen 17h war Treffen am Clubhaus, die Strecke wurde bekanntgegeben (es wurde lediglich innerhalb der Hafenbegrenzung gesegelt, was immerhin auch ein einigermaßen großzügiges Areal umfaßt) und die Crews auf die Boote verteilt. Ich wurde Kirsten zugelost, und zusammen mit zwei weiteren Erwachsenen und zwei Kids zwischen 10 und 14 stiefelten wir kurz vor 17h30 los, um Kirstens Boot klar zu machen, der uns den Liegeplatz beschrieben hatte.

Kirsten hatte als Regatta-Mitorganisator noch kurz anderweitig im Clubhaus zu tun, keiner von uns anderen war schon mal auf seinem Boot gewesen, und so brach sich, nach anfänglichem verdutztem Schweigen, schon das erste Mal schallendes Gelächter Bahn, als wir (anderen) das blitzblanke und ziemlich neu aussehende 15m-Boot geentert hatten und dabei waren die Segel vorzubereiten, auf dem Boot nebenan ein Kopf aus der Luke auftauchte und die Frage in den Raum stellte: „What the hell are you doing there??“ und, nachdem wir die Lage erklärt hatten, „This ain’t Kirsten’s boat, it’s the one next to it“ griente. Oh, falsches Boot. Naja, kann mal passieren 😎

Nachdem wir dann alles wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt hatten und das richtige Boot gefunden war (das übrigens auch ein paar Meter kürzer war und deutlich weniger blitzblank und neu aussah), tauchte auch Kirsten kurz danach auf und wir waren bereit zum Ablegen. Der Start war für 18h anberaumt und wir hatten noch etwa 1km Hafenbecken unter Motor zu durchqueren, um zur Startlinie zu gelangen. Nun ist Richards Bay quasi DER Kohlehafen an der südafrikanischen Ostküste, und niemand mit einem Boot über 3m Länge bewegt sich im Hafenbereich, ohne das vorher über Funk mit der Hafenbehörde abgeklärt zu haben. Kirsten verschwand also unter Deck um die Funkformalitäten zu erledigen und ward für 15 Minuten nicht mehr gesehen, dafür aber umso deutlicher gehört.

Was war passiert? Zwei Frachter waren im Hafeneingangsbereich unterwegs, und die Behörde verweigerte uns derweil die Ausfahrt aus dem ZYC-Hafenbereich in den Vorhafen, wo die Regattastrecke um einige der dort liegenden Tonnen gelegt war. Ende vom Lied: Wir kamen erst 5 Minuten nach der festgelegten Startzeit an der Startlinie an und segelten von Anfang an hinterher. Klar, daß wir letzte wurden. Kirstens Aussage zufolge war es allerdings trotzdem das einzige Mal in 2015, daß er eine Mittwochsregatta innerhalb der vorgesehenen Zeitspanne beendet hat, insofern also doch ein Erfolg, was das Köpfen der mitgenommenen Flasche Champagner nach dem Anlegen rechtfertigte. 🙂

Was mich, als absoluten Regatta-Neuling ein wenig irritiert hat: Wir hatten gerade mal die Leinen losgeworfen, da wurde das erste „Ablegerbier“ ausgegeben, das nächste gab’s bei Erreichen der Startlinie und danach quasi nach jeder Wende ein weiteres. Nun bin ich ja eh nicht so der Biertrinker und hatte außer dem Frühstück auch  den ganzen Tag nix vorzeigbares gegessen, weswegen ich nach dem zweiten Bier dankend ablehnte und mich auf Mineralwasser verlegte, was mir einige ungläubige Blicke einbrachte, mir aber die Peinlichkeit ersparte, beim Anlegen über Bord zu fallen oder gar von Bord getragen werden zu müssen.

Bin wohl doch nicht so der harte Seebär, für den ich mich gehalten hatte 😎