Tage wie dieser

 Ich bin mir grad nicht ganz sicher, was ich vom heutigen Tag halten soll. Angefangen damit, daß ich irgendwann kurz vor 7h aufwachte, weil mir die Kälte unter die Decke kroch und das Thermometer im Salon nach drei Tagen Sturm und Regenwetter gerade mal noch 12.6°C anzeigte, erschien immerhin schon die Sonne über dem Horizont, es waren mal keine Wolken zu sehen  und für den Rest des Tages waren um die 26°C angesagt.

Also schnappte ich mir meine Duschsachen und machte mich auf den Weg zu den   (natürlich unbeheizten) Waschräumen. Manchmal ist doch selbst sowas simples wie eine ausgiebige heiße Dusche etwas durchaus aufbauendes. 🙂

Nachdem ich die Morgenhygiene hinter mich gebracht hatte, war die Sonne schon ein gutes Stück höher geklettert und allmählich wurde es deutlich angenehmer. Wieder angekommen am Boot hatte Andy sich inzwischen ebenfalls aus seiner Decke gepellt und, nach einem kurzen Frühstück, standen dann auch schon Brad und Eric wieder vor dem Kahn, um heute die alten Decksluken auszubauen, größere Löcher für die neuen ins Boot zu flexen und das Einlaminieren der neuen Flansche vorzubereiten.

Die alte Luke achtern an Backbord. Man beachte die Schnitte, die die Größe der neuen anzeigen und das hierfür benützte Präzisionswerkzeug
Der neue Lukenausschnitt. Vorbereitet, um morgen den neuen Flansch anzulaminieren

Das zog sich in Etappen dann den ganzen Tag über hin. Trotz ziemlich penibler Abkleberei, fand der durch die Flex verteilte Schleifstaub seinen Weg durch die kleinsten Ritzen ins Bootsinnere, und am Ende des Tages sah der Kahn innen wie außen aus , als ob ein Mehlsack explodiert wäre. Andy war in seinem Element und konnte sich mit Staubsauger und Kärcher austoben, um wenigstens den Salon und das Cockpit wieder einigermaßen bewohnbar zu machen.

In der Zwischenzeit war auch „Tony , the mechanic“ wieder von den Versehrten auferstanden und gemeinsam zerlegten wir noch vor Mittag den Z-Antrieb soweit,   daß wir mit etwas Improvisation und unter Zuhilfenahme der allseits bewährten „Brute force“-Methode irgendwann auch die Antriebswelle aus der zwischengefrickelten Golf-Getriebeglocke extrahiert bekamen.

Antrieb und Motor provisorisch verknotet. Fehlt nur das Stück dazwischen :.-)

Erstaunlicherweise paßte die mit ihrer Verzahnung völlig problemlos nicht nur in den früher eingebauten antiken Golf-Motor, sondern genausogut auch in den als Ersatz erstandenen Volvo Penta, der immer noch auf den provisorischen Böcken unterm Bug des Zusammenbaus harrt. Was jedoch nun gar nicht paßte, war die von Morgan neulich besorgte Adapterglocke, die zwischen ebendiesen Volvo Penta und den vorhandenen Z-Antrieb geflanscht werden sollte, um die Kraft dann auch vom Motor auf den Propeller zu übertragen.

Es dauerte nicht lange, bis Brad Morgan von dem Dilemma unterrichtet hatte und letzterer wutschnaubend am Boot auftauchte, um sich selbst ein Bild zu machen. Daß die (beim offiziellen Volvo Penta – Händler in Durban) besorgte Glocke schon rein optisch schlechter aussah und auch die Lager deutlich stärker ausgeschlagen waren als bei meiner vorhandenen, hatte ich die Tage schon gesehen. Wie jetzt allerdings ebenfalls klar zu erkennen war, ist diese Glocke scheinbar für eine Motor-/Antriebskombination gedacht, die noch mindestens zwei Generationen älter ist als die, die ich hier habe. Jedenfalls paßt sie wohl weder an den Motor, noch an den Z-Antrieb, was den Kauf dann einigermaßen sinnlos erscheinen läßt.

Morgan zog jedenfalls, von mir mit Schaubildern beider Motoren und Antriebe versehen und immer noch wutschäumend, wieder ab, um den Händler in Durban zusammenzufalten und zur Rücknahme bzw. Umtausch gegen was passendes zu bewegen, was aber vorläufig wohl nur von mäßigem Erfolg gekrönt war, da dieser nach dem ersten Gespräch einfach nicht mehr ans Telefon ging. Daraufhin wandte er sich umgehend direkt an den Importeur in Kapstadt, wo die Leute immerhin sehr verständnisvoll taten und nun wohl Druck von oben aufbauen sollen. Bin ja echt mal gespannt, was dabei wohl rauskommen mag.

Wie auch immer das ausgehen mag, die aktuelle Lage ist jedenfalls, daß ich inzwischen einen scheinbar ganz gut laufenden Motor, und einen bis zum Ausbau funktionierenden Z-Antrieb habe, wobei letzterer allerdings nicht so wirklich vertrauenserweckend aussieht und noch  niemand sagen kann, ob er nach dem zusammenbauen wohl tatsächlich immer noch seinen Dienst tut. Was fehlt, ist jetzt eine Adapter-Platte (-Glocke), um beide zusammen zu kriegen, und dann muß das ganze Gerödel auch noch irgendwie passig im Boot eingebaut werden.

Nach dem, was ich bei meiner Rumgoogelei so in Erfahrung gebracht habe, müßte die Getriebeglocke eines Volvo Penta TAMD22 den Zweck erfüllen, da der Basismotor der gleiche Perkins M 500 ist wie bei meinem MD22L. Ob diese Glocke dann auch tatsächlich an den vorhandenen VP270 Z-Antrieb paßt, ist dann die nächste Frage. Ansonsten bleibt noch (sofern ich eine TAMD22-Glocke finde) die Möglichkeit, den Vp270 durch einen SX-Antrieb zu ersetzen, der dann zumindest den Charme hätte, mindestens ein Jahrzehnt neuer zu sein und eine hydraulische Trimvorrichtung zu haben, um unter Segel den Antrieb aus dem Wasser zu heben und somit den Strömungswiderstand zu verringern.

Warten wir also ab, was Volvo Penta Kapstadt bei dem Händler in Durban so bewirken kann…

Ansonsten wird es morgen wohl mit den Luken weitergehen. Die Schleiferei hat vorläufig ein Ende, jetzt werden die Flansche einlaminiert und erst übermorgen oder so wird es wieder staubig werden.