Weihnachten, Tag 2

Es ist still hier, morgens um viertel vor fünf. Keine Ahnung wieso, aber auch heute war meine Nacht recht früh zu Ende. Vermutlich verpenne ich dafür morgen dann wieder. Also, gleiches Scenario wie gestern: Kaffee, Cockpit, Stille genießen, warten auf den Sonnenaufgang. Der fand heute allerdings ohne Affen und oberhalb einer geschlossenen Wolkendecke statt, die sich auch den ganzen Tag über nicht aufgelöst hat und blieb daher einigermaßen unspektakulär. Es sind zwar inzwischen (16h)  rund 35° bei genau überhaupt keinem Wind, nicht mal dem leisesten Hauch davon den ganzen Tag lang, dafür sind aber >70% Luftfeuchtigkeit und es ist einfach nur e-ke-lich schwül. Mir ist grad sowas von unweihnachtlich…

Wie ich da also nun so vor mich hinsaß und meinen Kaffee schlürfte, tauchte auf einmal Andries gebückt hinterm Boot auf und schien kurz vorm Ufersaum irgend etwas zu suchen. Gesehen hatte er mich bis dahin nicht, und als ich ihm ein fröhliches „MERRY CHRISTMAS, Andries!“ entgegenschmetterte, wäre er vor Schreck fast ins Wasser gehüpft 🙂

Wie sich herausstellte, fahndete er nach der neulich von ihm weggeworfenen halben Schweißelektrode, da ihn wohl irgend ein Segler, der eigentlich gerade los wollte, aus dem Bett geklingelt hatte, weil irgendwas am Boot gebrochen war und nun geschweißt werden mußte. Nur noch mal zur Verinnerlichung: Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag, und das war morgens um kurz vor halb sechs. Nach all den Erfahrungen mit Morgan und den Berichten von Greg über die anderen Worker an True North, ist es doch tröstlich zu erfahren, daß es hier scheinbar immer noch ein paar Handwerker gibt, die ihren Job ernst nehmen und auch mal da sind, wenn man sie braucht.

Beim forschenden Blick in meinen Kühlschrank zwecks Zutatenfindung fürs Abendessen fiel mir eine Weile später auf, daß meine im Eisfach befindliche Plastikschale mit den Notfall-Eiswürfeln innerhalb der letzte Woche komplett festgewachsen war und sich keinen Milimeter mehr bewegen ließ, ich daher nicht an das Tiefkühl-Gemüse kam, was dahinter lag. Alles voller Eis-Stalagmiten und die Wände komplett zu. Somit stand dann die nächste Abtau-Aktion auf dem Programm. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch gleich die seit Monaten kühl und dunkel gelagerte Flasche Windhoek Draught extrahiert und mir statt Mittagessen tatsächlich mal ein Alster gegönnt. Ist ja schließlich Feiertag 🙂

Nachdem der Eistresor das Gemüse hergegeben hatte, fand ich auch noch eine unversehrte Packung Allzweck-Garnelen („All Purpose Shrimps“) dahinter wieder.

„Allzweck-Garnelen“?? Klingt irgendwie so ähnlich wie „Bertie Bott’s Bohnen aller Geschmacksrichtungen“

Trotz der erwartungsheischenden Bezeichnung: Die passen jetzt irgendwie nicht so wirklich zu dem Menü, das mir vorschwebt, sind aber auch noch bis Mai 19 haltbar. Immerhin. Sobald der Schrank endlich komplett abgetaut und sauber ist, kommen sie wieder in den Permafrost zurück und harren ihres Einsatzes als nächster Pizza-Belag.

Das war’s aber auch schon mit Arbeit heute. Kein Schleifen, kein Laminieren, nix. Ich hatte ganz kurz mit dem Gedanken gespielt, die neuen Abläufe in die Wassertanks einzubauen und sie zu fluten, um zu sehen, ob sie wohl wirklich dicht halten. Aber nein. Für übermorgen ist Regen angesagt, dann kann sich Simon nochmal darin austoben und das Laminat glattschleifen und danach pinseln.  Ist immer noch früh genug …

Sodele, halb sechs, Sundowner-Zeit. Ich kann zwar nur erahnen, wo die Sonne sein mag, aber was soll’s. Da es bei den Skype-Sitzungen vorgestern einige interessierte Rückfragen gab, was das denn nun sei, mit dem ich Euch zugeprostet habe: Das war mein derzeitiger Sundowner-Favorit: ein

Bombay Orangecrush

Man nehme:

  • das bauchigste große Glas, das sich im Barfach findet
  • Eis, viel Eis!
  • eine große Orange, ersatzweise O-Saft
  • eine Dose (200ml) Schweppe’s Indian Tonic Water
  • je nach Gusto 1-n cl Bombay Sapphire London Dry Gin

Das Glas wird zu gut  1/3 mit Eiswürfeln oder crushed Ice gefüllt und dann ein Schuß Bombay Sapphire hinein gegeben. Von der Menge her bleibt es jedem überlassen, wieviel. Würde ich einfach davon abhängig machen, was man den Abend sonst noch so vor hat.

Da die Orange jetzt nicht mehr vollständig ins Glas paßt, macht es Sinn, sie durchzuschneiden und auszupressen. 🙂 Alternativ tut es auch ein achtel Liter vom besten O-Saft mit Fruchtfleisch, den man finden kann. Ich bevorzuge hier den von Krush, da ist außer Orange wirklich nichts drin. Da es den in D wohl nicht geben wird, würde sich der von Granini empfehlen. Auffüllen mit 200ml Tonic Water und genießen. Bevorzugt, wenn gerade die Sonne untergeht. Funktioniert auch mit Grapefruit und gibt in jedem Fall (tagsüber auch ohne Gin) einen vorzüglichen Durstlöscher ab. Sehr fruchtig, und nicht zu süß.

Wer so ein schickes Glas nicht in seinem Barfach hat: Die findet man u.a. hin und wieder auch bei ebay. Im gutsortierten Getränkehandel gibt es gelegentlich auch mal ein Set aus Flasche und Glas, so bin ich an meins gekommen.

Während die Sonne nun hinter den Wolken tatsächlich irgendwo untergegangen ist, schmurgelte mein Essen vor sich hin: Brokkoli und „Cauliflower“ (Blumenkohl) mit zerschnippeltem Hähnchenbrustfilet in Curry-Käsesauce. Dazu ein Panini. Wollte ursprünglich noch Nudeln dazu kochen, aber hier im Boot sind immer noch über 32 Grad, also nicht. Vielleicht morgen zu der anderen Hälfte…