Burnout

Freitag war ein guter Tag 🙂  Nachdem ich Andries, bzw. seine Mannen, dezent darauf hingewiesen hatte, daß ich am Samstag zu grillen wünsche, haben sie sich tatsächlich aufgerafft,  das neue Innenleben des reparierten Bordbraiis fertig gemacht und das Ding wieder zusammengebaut. Der neue Highpressure-Regulator war ebenfalls gestern eingetrudelt, Andries hatte ein paar neue Schläuche und Anschlußstücke mitgebracht, also konnte ich das Gerät  wieder anbauen und habe es mir nicht nehmen lassen, den Feierabend mit einem ersten an Bord selbstgegrillten kleinen Filet einzuläuten, nachdem ich das Ding erstmal eine Weile freigebrannt hatte.

Mit der Feineinstellung muß ich wohl noch ein wenig üben. Und was mir auch noch nicht ganz klar ist (hatte schließlich noch nie einen Gasgrill, schon gar nicht mit „Hochdruck-Regler“, der angeblich mit bis zu 500mbar arbeiten soll): Sollten die Flammen nicht normaler Weise blau sein, so wie bei Herd und Ofen auch? Sind sie nicht, sondern einfach gelb. Und wenn man sie soweit runterdreht, daß sie nicht mehr rußen, entspricht die Wärmeentwicklung wohl ungefähr zwei Dutzend Kerzen, blau werden sie aber trotzdem nicht. Hm…

Egal. Das Fleisch war gut eßbar.

Der Rest der Woche war von eher durchwachsenem Erfolg. Die drei Spechte von der Blechbüchs-Armee nebenan sind fertig mit picken, flexen, schleifen und schweissen, und nachdem sich der Schleifstaub und der Regen der beiden Sturmtage Anfangs der Woche verzogen hatte und die Sonne wieder zum Vorschein kam, fand ich mein gesamtes Boot mit Rostpickeln überzogen.

Wäre dies ein Stahlboot, hätte ich vermutlich nur mit den Schultern gezuckt, aber Rost auf GFK ist doch eine ausgesprochen lästige Angelegenheit. Und wie sich im Verlauf der Woche herausstellte, auch eine überaus mühsame, wenn man das Gesprenkel wieder loswerden will. Aufgrund der Tatsache, daß wir ja praktisch jede horizontale Fläche an Deck mit Antislipsand beschichtet hatten, sitzen die Rostpartikel von nebenan jetzt in jeder Pore meines Bootes und waren von dem ausschweifenden Einsatz des Kärchers relativ unbeeindruckt:

Im wahrsten Sinne: Flugrost

Also habe ich Simon einen fröhlichgelben neuen Schwamm, eine schicke Wurzelbürste und 2l Flüssigseife gekauft und seither ist er damit beschäftigt, das Deck der Galeere zu schrubben. Bei dem vorgelegten Tempo wird das wohl noch eine Weile dauern, bis alles wieder weiß ist …

Ich habe mich unterdessen daran versucht, den Propeller zu montieren. Nachdem ich die leicht angemackelte Propellerwelle einen halben Tag lang mit Dreikantfeile und Schleifpapier wieder soweit in Form gebracht hatte, ließ sich der Prop dann tatsächlich irgendwann bis zum Anschlag aufschieben. Nur drehen läßt er sich nicht sonderlich weit, weil die Blätter hinten leider um ein paar Millimeter zu breit sind, und am Abgasauslass anschlagen. Der tolle neue Solas-Propeller, den ich Anfang des Jahres explizit für diesen 270er Volvo-Antrieb gekauft und mit hergeflogen hatte, ist leider ein wenig zu lang. :wall:

Oder aber, was von der Seite betrachtet, gar nicht mal mehr so unwahrscheinlich aussieht: Das was ich ursprünglich mal für eine Anode gehalten habe, im Manual aber wie ein Teil vom Gehäuse aussieht, ist tatsächlich eine, die irgend ein Honk einfach weiß angemalt hat und ich habe jetzt zwei Anoden hintereinander sitzen und der Prop paßt deswegen nicht drauf. Vielleicht gehe ich einfach mal mit der Feile an das weiße Ding hinter der neuen Anode (bei der allerdings auch die beiden großen Löcher oben und unten fehlen, obwohl es zumindest Originalteile zu sein scheinen, jedenfalls ist Volvo Penta eingeprägt und sie waren entsprechend verpackt).

Das würde dann auch den komisch aussehenden Lagerring erklären, der scheinbar als Distanzstück lose auf der Welle sitzt und den ich in der Schemazeichnung nirgends gefunden habe. Vielleicht hat hier tatsächlich mal irgend jemand von Longhub auf Shorthub umgebastelt …

Also falls das jemand verifizieren kann, daß das weiße Ding hinter dem Zinkfarbenen ebenfalls tatsächlich eine Anode ist (oder halt auch nicht), bitte ich um Wortmeldungen, bevor ich daran rumfeile … 🙂

Caspar, mein Nachbar mit dem Rallyeboot, hat es Freitag  tatsächlich  ins Wasser geschafft. Morgens war er noch in hektische Betriebsamkeit verfallen und hatte diverse Stellen am Unterwasser-schiff nochmal mit Epoxy ausgebessert und anschließend Antifouling gestrichen, gegen 17h dann war der Travellift zur Stelle und eine weitere Stunde später schwamm der Kahn. Wieder einer, der Südafrika verläßt und mit Frau und Kindern sein Glück in Australien versuchen will, wie er mir neulich erzählte. Man gewinnt hier schon ein wenig den Eindruck, als herrsche eine „rette sich, wer kann“-Mentalität bei den jüngeren Weißen vor. Wer es irgendwie ermöglichen kann, verläßt das Land, um irgendwo anders neu anzufangen. Und sei es halt auf einem Segelboot …

Da Andries an dem Boot gearbeitet hatte, war er beim Stapellauf natürlich mit an Bord. Hatte ich mich Freitag noch gewundert, wieso das Rallyeboot mit Hilfe von drei Dinghies im Hafen rumgeschubst wurde, anstatt seinen eigenen Motor zu benutzen, kam von Andries heute auf meine diesbezügliche Frage dann die Auflösung:

Der Motor steht noch in seiner Garage und wartet auf den finalen Zusammenbau. Dabei handele es sich um einen Golf-Diesel, den er jetzt mit den Marinisierungs-Anbauteilen ergänzt, die er von meinem alten Golf-Motor abgebaut hat, welcher ihm von Kirsten verkauft worden war. 8-O

Ist schon interessant … Ich meine, ich hätte das Ding ohnehin weggeworfen und war davon ausgegangen, daß genau das damit passiert war, nachdem wir den Volvo vor einem Jahr erstmals wieder zum Laufen gebracht, und alles dafür verwertbare abgebaut hatten. Kurz danach war er nämlich von dem Platz verschwunden, an dem er das letzte Jahr gestanden hatte. Aber wieso Kirsten dann Andries meinen Motor verkauft, muß ich auch nicht unbedingt verstehen.

Hier kungelt scheinbar wirklich jeder alles und mit jedem, um irgendwie klar zu kommen. Zumindest wundert mich jetzt nicht mehr, daß meine Segel damals verschwunden sind.

Apropos Segel: Am Donnerstag war tatsächlich Dallen von Ullman Sails hier und hat die neuen Segel ausgemessen, obwohl die neuen Stagen natürlich immer noch nicht angebaut sind. Mal sehen, wie lange das nun wieder dauert, bis die hier auftauchen. Angeblich sollen sie in drei Wochen fertig sein…

Heute morgen um Acht stand Andries auch schon wieder vor der Tür. Eine der letzten größeren Einbauaktionen ist seit heute im wesentlichen erledigt: Nachdem sich die darunter verlaufende Kühlwasserleitung in den letzten Tagen als dicht erwiesen hat, habe ich noch auf die Schnelle die Generatorbasisplatte einlaminiert und verschraubt, und dann haben wir das 70Kg-Ding an seinen endgültigen Standort unter der Backbord-Achterkoje gewuppt.  Steht zwar noch verbindungslos da drin, aber immerhin: Der anstrengende Teil ist gegessen 🙂

Nachdem er den gestrigen Tag damit verbracht hatte, den stählernen Unterbau-Rahmen der neuen Gasbox mit GFK-Platten zu verkleiden, war Hayden heute morgen aufgetaucht, um die frisch angefertigte neue Basisplatte für den Kühlwassereinlaß zum Generator anzulaminieren, damit ich auch da eins dieser Grob-Siebe vorbauen kann, ohne in oder durch durch den Rumpf bohren zu müssen. (Im Bild schon mal probeweise  dran geschraubt, wenn auch verkehrtrum. Lt. Generator-Anleitung gehört das, im Gegensatz zu dem für den Motor-Einlass, genau anders rum und mit der Öffnung nach hinten, damit der Generator nicht während der Fahrt geflutet wird.)

Und dann waren da noch die Geburtstagspäckchen, die mit dem  letzten Paket zwar völlig überraschend viel zu früh angekommen waren, die ich aber natürlich erst heute öffnen durfte. Mein Dank an alle beteiligten Spender! Sage bloß noch einer, mein Bruder und ich würden uns nicht blind verstehen.  Ich hatte in den letzten Jahren, außer Jimmy Cornell’s Wälzer „Segelrouten der Welt“ und diversen Kindle-Ausgaben, genau ein (richtiges Papier-) Buch zum selber-lesen gekauft und im Februar mitgebracht, aber mangels Gelegenheit noch nicht damit angefangen. 🙂

Ansonsten bin ich durch das Victualienpaket mit Weingummi und Dosenwurst für die nächste Zeit jetzt erstmal hinreichend versorgt :mrgreen:

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