Elektrische Mysterien und anderweitig spannungsgeladenes

So hin und wieder mal bin ich, auch wenn mir diese An-Land-Steherei ansonsten inzwischen ziemlich auf den Zwickel geht, doch ganz froh, noch festen Boden unter den Füßen zu haben. Gestern zum Beispiel war so ein Tag.

War ich morgens gegen sechs noch bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht und hatte frohen Mutes meine Camping-Maschine voll T-Shirts geladen, bezog es sich noch vor dem Klarspülen und bevor ich die Dinger nur auf Bügel gehängt und irgendwie nach draußen gebracht hatte, goß es wie aus Eimern und hatte auf 35 Knoten aufgefrischt, die sich im Verlauf des Abends noch bis auf die oben abgebildeten knapp 45 hochschraubten. Eines muß man dem Wetter hier lassen: Es ist wirklich schnell …

Naja, es hörte dann den ganzen Tag auch nicht mehr ernsthaft auf zu regnen, sondern wurde draußen im Gegenteil eigentlich immer unangenehmer,  also ließ ich Simon die Bilge in der Steuerbord-Achterkabine noch einmal überstreichen und anschließend die Liegefläche der Koje pinseln, und beschäftigte mich in der Zwischenzeit mit meinen Mastkabeln. Als Morgan oder Jaques oder wer nun auch immer vor Jahren den Mast gelegt hat, hatten sie die Kabel einfach unterhalb der Decke abgeschnitten, da wie erwähnt, keine Trennstellen vorhanden waren.

Schlau wäre gewesen, diese Kabelenden dann auf beiden Seiten einheitlich zu kennzeichnen. So habe ich ungefähr eine Stunde damit zugebracht, die passenden Zuordnungen wiederherzustellen, zum Teil arg irritiert davon, daß meine Messversuche an den diversen Kabeln teilweise spektakulär sinnlose Ergebnisse erbrachten, wie z.B. eine Lichtleitung, auf der anstatt +12, angeblich Minus (!) 40V anlagen oder ein vom Mast kommendes Kabel, das auf einmal -17V zeigte, noch bevor überhaupt irgend etwas anderes am Mast angeklemmt war. Alles schon sehr merkwürzig.

Da ich diese ganze Kabelage ja nun eh irgendwie wieder zusammen frickeln mußte, hätte ich entweder schrumpflöten, oder stattdessen sowas wie Trennstellen einbauen können. Wer weiß, ob ich den Mast nochmal irgendwann wieder legen muß und dann vielleicht wieder vor dem selben Problem stehe, also habe ich ein paar meiner Wago-Klemmen auf zwei passend gesägte Reststücke Plexiglas geklebt und in dem Kasten hinter den ganzen Sicherungsautmaten Klemm-Terminals gebaut.

Der Versuch, ein wenig Übersichtlichkeit in das Kabelgewuse zu bringen. Wo ich das Bild jetzt so sehe, sollte ich die Kiste innen vielleicht auch noch weiß ausmalen, nachdem Simon da beim Deckenstreichen wohl ohnehin schon etwas rumgekleet hatte 🙂

Das macht künftige Mastlegeaktionen bzw. das anschließende Wiederaufstellen und -anschließen mutmaßlich weniger umständlich.

Dieser knapp unterarmdicke Kabelstrang aus gefühlt 50 roten Kabeln, ist übrigens das, was meine Sicherungsautomaten mit der Hutschienenverteilung zwei Meter weiter unten neben den Akkus verbindet. An und für sich ja gar keine schlechte Sache, wenn denn derjenige, der diese ganze Mimik mal zusammengebaut hat, sie auch anständig beschriftet hätte. Unten an den Hutschienen sind zwar Nummernringe auf die Kabel geschrumpft, oben allerdings nicht, und ein Stromlaufplan oder ähnliches existiert an Bord nicht. So artet das Finden des richtigen Kabels in eine elende Sucherei aus.

Zu allem Überfluß hat jemand namens „Fonz“, der dieses Panel in den 1990ern verbrochen und sich auch noch als Designer auf der Frontseite verewigt hat, es für nötig gehalten, sämtliche Kontroll-LEDs mit hauchdünnen (geschätzt 0.08er) Kabeln an Widerstände zu löten, die mit dem jeweiligen Kabel in die entsprechende Schraubklemme des Automaten geschraubt sind.

Dieser ganze Kabelstrang ist so kurz gehalten, daß man das Panel nur abschrauben kann, und es dann festhalten muß, wenn man irgend etwas dahinter zu erledigen hat. Ich hatte schon eine Schraube als Sicherung gegen Absturz reingedreht, aber wohl nicht so recht gemerkt, daß sie nicht wirklich gefaßt hatte, und so hing das Panel mit dem ganzen Gewicht dann eine Weile an diesem Kabelstrang. Als ich das nächste Mal hinsah, waren zwei der Leitungen aus den Schraubklemmen am Automaten geflutscht. :motz:

Das war so der Moment, in dem mir bewußt wurde, daß diese Schraubklemmen auf der anderen Seite sitzen und man nur dann drankommt, wenn man den kompletten Sechser-Block Automaten abschraubt und umdreht (oder alternativ zielgenau Löcher in die Frontseite des Panels bohrt). :wall:

Man kann die aber nicht umdrehen, weil zum einen dieser fisselige graue Flachkabelstrang zu den, im Panel eingeklebten, 3mm-LEDs viel zu kurz ist, und zum anderen, weil dann die ganzen Widerstände abreißen.

Nachdem ich bei dem Versuch, mit meinen Wurstfingern und einem Schlitzschrauber-Bit trotzdem irgendwie die Schraube zu bedienen, einen Kurzschluß zwischen 12V und zwei LEDs fabriziert hatte und die betreffenden Leitungen abgeraucht waren, habe ich den Automatenblock dann dennoch abgeschraubt. Bis ich soweit war, die beiden rausgefallenen Leitungen wieder anzuschrauben, waren drei der restlichen vier ebenfalls draußen und ich knapp davor, irgend was schweres durch den Raum zu werfen.

Zwei Zigaretten, etliche Flüche und einen Kaffee später hatte ich mir dann ein isoliertes Schrauber-Bit gebastelt und alle Leitungen wieder in die Klemmen gefrickelt. Als beim Versuch, diese 0.08er Leitungen wieder an die Widerstände zu löten, dann auch noch mein Lötkolben aufgab und bestenfalls noch lauwarm, aber nicht mehr heiß wurde, war der Zeitpunkt erreicht, diese Sache zu beenden, bevor es erst richtig destruktiv würde.

Diese ehemals eingeklebten LEDs kriege ich so nicht wieder rein, dafür ist schlicht zuwenig Platz oder meine Hände zu groß, meine vor Wochen schon bestellte Lötstation liegt noch versandfertig zuhause im Paket und überhaupt sind es ja nur Kontroll-LEDs die einem anzeigen, daß man gerade den Schalter direkt daneben umgelegt hat und der Stromkreis aktiv ist. Das ist im Dunkeln zwar nett,  wird aber auch ohne gehen. Wenn ich mal ganz viel Zeit habe, baue ich einfach ein neues Panel, das nicht nur für den einmaligen Einbau geeignet ist, sondern auseinander- und auch wieder zusammengebaut werden kann, ohne Tobsuchtsanfälle zu erleiden.

Von außen sieht das Teil ja noch halbwegs professionell aus. Da sogar der (alte) Bootsname aufgedruckt war, bin ich überzeugt, das diese Dinger als Einzelanfertigungen  direkt in der Werft zusammengebacken wurden. Wenn man mal auf die Rückseite blickt, erweckt das allerdings eher so den Anschein, als hätte das jemand im Werkunterricht WPK „Elektrisches Basteln“ in der 6. Klasse Realschule gebaut, aber nicht wie aus einem 400.000,- DM Katamaran.

Egal. Es wird jetzt erstmal auch ohne sichtbare Kontroll-LEDs funktionieren. Und wenn ich es eh neu mache, kommen auch gleich die beiden Victron Batteriemonitore sowie  Fernschalter und Anzeige für den Inverter und ggf. Generator da mit rein.

Montag Nachmittag kam Andries mit meinem seit Wochen bei irgendeinem Fachmann zum Verbrennungs-Tuning abgegebenen Gasgrill angeschleppt. Buchstäblich Monatelang haben die jetzt an dem Ding rumgespielt, einen neuen „Burner“ zusammengeschweißt, einen neuen Zuluft-Regler eingebaut (nachdem sie den alten ja zerstört hatten) und es brennt noch ungefähr genau so beschixxen und unkontrollierbar wie 2016, als ich es das erste Mal ausprobiert und ganz schnell wieder abgestellt hatte, um nicht spontan das Boot abzufackeln. Gestern war ich in der Mall bei Game, um ein paar neue Pads für die Schleifmaus zu kaufen, als mich in deren direkt daneben befindlicher Outdoor- und Camping-Abteilung das hier ansprang:

Edelstahl, zwei separate Brenner mit einem normalen 30mbar-Anschluß, Piezozündung,  Cyber-Monday-Special für 1899,-Rand (umgerechnet 115,-€, also etwa ein Viertel von dem, was mein anderer neu hätte kosten sollen) … 3,2,1, meins!

Dafür lasse ich jetzt noch einen von den Spezis hier eine simple Kastenhalterung aus VA braten, um das Ding anständig an der Reling befestigen zu können, und dann muß gut sein.

Nachdem ich gestern schon einmal bei Jaques vorbeigeschaut und ihn selbst zwar nicht angetroffen, dafür aber zur Kenntnis genommen hatte, daß mein Vorstag jetzt immerhin schon aufgebahrt auf ein paar Böcken direkt vor seiner Tür liegt und scheinbar des Umbaus harrt, war ich heute, trotz Wolkenbrüchen alle paar Minuten, erneut hin. Das Vorstag lag noch genauso da, wie gestern auch schon, aber immerhin waren die gelaserten Seitenteile für den Unterbau-Kasten für meine Badeleiter endlich eingetrudelt und mittlerweile poliert:

Edelstahl können sie hier, muß man ja echt zugeben.

Das läßt mich doch leise hoffen, daß vielleicht doch noch irgendwas fertig wird und ich ins Wasser komme, bevor hier erst die große Weihnachtslähmung ausbricht. So um den 15.12. rum schließt hier nämlich normalerweise jeder seinen Laden zu, und macht für 3-4 Wochen Urlaub, wie ich letztes Jahr erlebt habe.

Diesen Montag war ich das erste Mal seit Wochen wieder zum Club-Braai. Mittlerweile sind etliche Crews nach Überquerung des Indischen Ozeans hier eingetrudelt, bevor die Taifun-Saison losgeht, und es war voll, richtig voll! Habe das erste Mal erlebt, daß am Braai-Monday die Sitzplätze nicht für alle ausreichten und noch Tische und Stühle aus der Bar rangeschafft werden mußten, damit alle Platz fanden.

Da ich solange ausgesetzt hatte, gab es standesgemäß: Filet. Einer meiner Tischnachbarn hatte einen Topf mit „Pap“ mitgebracht, und so kam ich nach kaum 18 Monaten im Lande tatsächlich mal in den Genuß, das südafrikanische Outdoor-Nationalgericht zu probieren. Das war überraschend lekker, und da  die Zutaten arg überschaubar sind, die Zubereitung  simpel und wohl auch von mir bewältigt werden kann, werd ich das bei Gelegenheit auch mal an Bord ausprobieren.

Hier gab es die letzten beiden Tage angesichts der Witterung nur schmale Kost: Ein bischen Dosensuppe, und heute habe ich die letzten dabei übergebliebenen Bockwurst zu Hotdogs verarbeitet.