Lockdown, Tag 21

Das Ende ist nah! Zumindest das ehemals prognostizierte Ende des südafrikanischen Lockdowns wäre heute  erreicht gewesen, wurde aber ja bekanntlich noch um zwei weitere Wochen nach hinten verlegt. Die offiziellen Corona-Zahlen scheinen den Erfolg der Maßnahmen zu bestätigen: Mit gerademal 2500 Infizierten und 34 Toten nach über vier Wochen ist der Durchseuchungsgrad bislang äußerst überschaubar. Warten wir ab, wie sich das weiter entwickelt. Zumindest im Club hat sich nichts geändert: Es ist nach wie vor alles dicht, wir knapp 25 Liveaboards sind hier quasi jeder auf seinem Boot angepflockt und die Kontakte beschränken sich auf ein Minimum. Ab und an mal  über den Platz latschen, um den Müll wegzubringen und wenigstens ein bischen Bewegung zu bekommen und dabei aus der Ferne nachsehen, ob die Nachbarn noch leben, aber das war’s dann auch schon an sozialer Interaktion.

Zu allem Überfluß ist seit gestern nachmittag auch noch das Internet gar furchbar in die Knie gegangen und momentan derbe lahmarschig. Allein, um die Zeitung downzuloaden, habe ich heute morgen um kurz nach 5h fast eine Stunde gebraucht. Ich hoffe, das normalisiert sich kurzzeitig wieder, ansonsten wird die Situation nun aber doch unangenehm… Ohnehin war die Stimmung an Bord die letzten Tage ein wenig gedrückt. Seit Dienstag hatte ich leichte Halsschmerzen, einen trockenen Husten, die sich aber beide inzwischen wieder verabschiedet hatten, und eine dicke Nase. Trotzdem:

Die Ungewissheit, „ist das nun das Virus oder nur ein simpler Schnupfen?“ drückt doch irgendwie ein wenig auf’s Gemüt. Nachdem das ohne weitere Ausfälle nun wieder vorbei ist, gehe ich aber davon aus, daß es wohl doch nur eine Erkältung war.

Die Arbeiten an Bord beschränken sich derzeit ebenfalls auf ein Minimum. Gestern habe ich einen separaten Schaltkreis für die Steuerbord-Wasserpumpe verlegt, einen Schalter dafür eingebaut und wollte anschließend einen Arduino Nano für die Tankanzeigen der Wassertanks programmieren, wurde dabei aber von der Technik ausgebremst, da die IDE mich aus mysteriösen Gründen nach dem ersten Test das Programm nicht mehr übertragen ließ. Doll, dann eben nicht …

Heutiges Projekt: Aus den Überresten des alten Autopiloten irgend was Sinnvolles basteln.

Das alte Autopilot-Steuergerät. Minimale Korrosionsschäden und ein paar losgejackelte Kleinteile, aber sonst für seine 30 Jahre noch ganz hübsch. Ab -> Tonne

Daß mit dem alten Steuergerät nicht mehr ganz viel anzufangen war, hatte ich ja neulich schon mal konstatiert. Und da inzwischen auch irgendwann die Kabel für den Garmin Autopiloten im Paket eintrudelten, stand einem Einbau eigentlich nur noch die  hier in letzter Zeit verstärkt auftretende Motivationslosigkeit im Weg. Also: Geh mir aus dem Weg, Schweinshund, ich hab zu tun.

Der Umbau war harmlos. Die gesamte Steuerungsmimik vom alten Autohelm flog in die Tonne, und nachdem ich den Motor der Antriebseinheit intern direkt verdrahtet hatte, läßt sich das nun immerhin schon testweise betätigen, indem man einfach alternierend 12V auf den 2-poligen Stecker gibt. Und wenn ich dafür irgendwo in meinen Kisten noch eine 2-polige Deckdurchführungs-buchse finde (oder alternativ der Shop wieder aufmacht, je nachdem was zuerst passiert), kann das Ding dann auch mit dem Garmin verdrahtet und endlich kalibriert werden.

Bis hierhin funktioniert es schon mal.

Sonderlich schnell ist diese Lenk-Mimik zugegebenermaßen nicht. Ich hatte ja schon bei meiner selbstgebastelten Lenkung für den Z-Antrieb leichte Bedenken, weil die von Anschlag zu Anschlag fast 18 Sekunden braucht. Aber dieser hochprofessionelle Autopilot, der ja mal irgendwann von irgendwem in dieses Boot eingebaut worden ist, braucht sogar noch um die Hälfte länger, obwohl ich ihn jetzt schon mit 12V statt der ursprünglichen 10.5V (intern) betreibe. Also wat soll’s. Ist ja auch nur ein Segelboot, und kein Kampfjet.

Shaheda hat die Pantry als Betätigungsfeld für sich entdeckt 🙂 Heute gab es neben einem Stew mit Straußenfleisch, Möhren und Kartoffeln als Lunch ein Curry aus PeriPeri-DosenHuhn und Reis, selbstgebackene Brötchen mit geraspeltem Käse und den Rest des gedeckten Pflaumenkuchens von gestern mit Vanillesauce. Ich sehe inzwischen echt schwarz für mein eigentlich avisiertes Gewichtsziel, wenn das so weitergeht … :roll:

Und dann waren da noch …

… jede Menge Echos auf dem Echolot. Hin und wieder tauchen die Schwärme auch mal auf und schwimmen direkt an der Oberfläche, und dann kann man sehr schön sehen, daß es sich dabei wohl um unterarmlange Garricks handelt. Meinen Angelversuchen mit Plastik-Shrimps haben sie erfolgreich widerstanden, aber da das Schonmaß bei >70cm liegt, hätte mir ein Biss eh nix geholfen. Zumindest nicht, um die Speisekarte zu bereichern …

Garrick

Edit 07/2020: Vorstehende Aussage war definitiv Quatsch, wie ich mit ein paar Wochen Abstand sagen kann. Mag sein, daß Garricks von oben genauso oder ähnlich aussehen, aber die zahllosen Echos unterm Boot sind definitiv eher Mullets. Werden hier gerne als Köderfisch genommen (vermutlich mit 50cm Länge dann eher nicht mehr 🙂 )

Gefangen habe ich aber auch von denen keinen. Wenn man die fangen will, dann auch weniger mit Plasticshrimps, sondern eher mit Brot…

Mullet (Mugil Cepehalus)