Lockdown, Tag 28

Nachdem wir Sonntag noch einmal zum Vorräte auffüllen zur Mall waren, stand am Montag nur ein Punkt auf der Tagesordnung: „Druckwasseranlage“. Seit ein paar Tagen nervte die Pumpe wieder mal durch regelmäßiges Anspringen alle paar Minuten, und auch die Bilgenpumpen hatten öfter zu tun als gewohnt. Irgendwo schien also erneut eine Leitungsverbindung undicht geworden zu sein. Und so war es dann auch:  Nachdem ich eine der letzten verbliebenen, von Stephan damals eingebauten Messingwinkelverbindungen durch ein entsprechendes Whale-Äquivalent in Kunststoff ersetzt hatte, war erstmal wieder für eine Weile Ruhe. Ganz offensichtlich sind die hiesigen Verbinder wirklich nur für den Hausbau zu gebrauchen, nicht aber auf Booten, wo sich so eine Leitung ggf. auch mal ein wenig bewegt…

Das erledigt, verlief der restliche Tag so wie die letzten paar Wochen auch schon: Ruhig. Derzeit muß ich mich echt aufraffen, überhaupt hin und wieder mal irgend etwas anzugehen, aber ansonsten ist das hier wie ein ausgedehnter, ruhiger Urlaub.

Die Co-Pilotin nach einem rasanten Temperatursturz auf nur noch 27°C Außentemperatur dick eingemummelt bei einer Ruhephase im Cockpit während der Freiwache, und vom Skipper derweil mit Tee und Zwieback versorgt. Ist schon echt hart und entbehrungsreich, dieses Cruiserleben 🙂

Auf dem Tisch liegt „Spanish for Cruisers“, ein  Wörterbuch für Segler auf dem Weg in/durch spanisch-sprechende Länder, das spätestens mit Erreichen von Südamerika vermutlich wesentlich öfter angefaßt werden wird als jetzt gerade noch, die Tageszeitung ist normalerweise schon gegen 6h ausgelesen, und die sonstigen Nachrichten beschäftigen sich zum überwiegenden Teil mit Corona und dessen Auswirkungen.

Was einen unweigerlich irgendwie der Erkenntnis näherbringt: Selbst wenn der Lockdown nächste Woche tatsächlich komplett zu Ende sein sollte, wovon hier momentan wohl niemand ernsthaft ausgeht, was dann? Wegsegeln macht keinen Sinn, solange zum einen die meisten anderen Länder ihre Grenzen geschlossen haben, und außerdem bin ich hier in der derzeitigen Situation vermutlich noch am besten aufgehoben, wenn ich mir die Lage meiner mitgestrandeten Landsleute hier, oder alternativ in der Karibik oder an sonstigen „Traumzielen“ so ansehe. Im Gegensatz zu denen muß ich mir wenigstens keine Gedanken machen, wie ich  alle paar Wochen mein Visum verlängern kann, bin außerhalb der Hurricane-/Taifun-Gefahrenzone, hab ein Auto zur Verfügung, und abgesehen davon, daß der Shop immer noch dicht ist und mir für das ein oder andere Projekt inzwischen teilweise das Material fehlt oder ausgeht, ist noch alles im Lot. Könnte echt schlimmer kommen …

Also wie immer das mit dieser Virus-Sache hier weitergeht: Ich sehe mich bzw. uns jedenfalls noch nicht in absehehbarer Zeit hier lossegeln.

Nachdem ich mir am Dienstag mal die vier Metro-Kisten mit Arduino- und sonstigen Kleinteilen aus der Achterkabine geholt und den Inhalt auf nur noch  2 1/2 Kisten verdichtet hatte, die jetzt theoretisch sogar unter die Koje passen würden, war das Projekt des Tages am Mittwoch:

Das Wiederhervorkramen des vor Ewigkeiten schon angefangenen und halb fertigen Wassertank-Füllstandsanzeigers, Ergänzen dieser Mimik um zwei RGB-LEDs zur „Statusanzeige auf einen Blick“ und das Anfertigen bzw. Aussägen eines Hilfsrahmens für den zweiten Wassertankdeckel, um auch diesen Tank irgendwann mal anständig verschließen zu können, sobald er endlich dicht ist. Und dann muß dieser fliegend verdrahtete Prototyp noch irgendwie in ein Gehäuse transplantiert, verlötet und angebaut werden und sollte seinen eigentlichen Zweck dann wohl künftig erfüllen können.

Heute (Donnerstag) begann der Tag ziemlich bewölkt, und mit maximal 25 Grad war es auch nicht mehr sonderlich sommerlich. Aber immerhin blieb es trocken, also habe ich endlich mal das am Cyber-Monday letzten Jahres bzw. in der Woche darauf erstandene Schweißgerät aus dem Auto geholt, in dem es seither immer noch lag, und meine erste Elektrodenschweißnaht seit der Meisterschule (oder war das schon während der Lehrzeit? Auf jeden Fall mächtig lange her) gebraten, und ein Stück 50mm Edelstahlrohr an die Reling gebacken, um einen Platz für die MOB-Boje zu basteln, an dem sie nicht mehr Gefahr läuft, mit einem der Windgeneratoren zu kollidieren oder das Gestänge der Ruderanlage zu blockieren.  Irgendwelche Schönheitspreise werd ich damit wohl nicht gewinnen, aber Hauptsache hält. Gelegentlich noch ein bischen polieren, und jut.